Teleskopieren

Dem Wunsch nach Betrachtung des Sternenhimmels ist insofern das Suchtpotential genommen, als dass der Himmel in Norddeutschland eher nicht so oft ideale Bedingungen für seine Betrachtung liefert, bzw. die der Sterne und Galaxien.

Sicher, man muss auf der Lauer liegen, die Wetterprognosen regelmäßig abfragen und dann bei Gelegenheit auch noch Zeit haben. Und da ich im Monat meist an die 20 Nachtschichten bei der Arbeit absolviere, muss alles echt passen – und wann ist DAS schon mal der Fall?

Aber zuletzt hat es gepasst, letzte Nacht nämlich. Und es war die Nacht, in der ich die meisten Galaxien von allen Betrachtungsgelegenheit fand.

Klar und deutlich war die Wirlpool-Galaxie (M51) zu sehen. Caldwell (NGC 4565) war auch so gut wie nie zu sehen und nebenbei entdeckte ich auch NGC 4494, auf dem Weg zu NGC 4565, welche mir während meiner bisherigen Besuche nicht gewährt war zu sehen.

Am unteren Teil des Sternbildes des Großen Löwens fand ich das Triplet (NGC 3628 und M66), deren dritter Gesell nicht von mir entdeckt werden konnte. Und ich fand endlich die Markajarnische Kette und hier M84, M 86 und NGC4435 sowie NGC 4438. Verwehrt wurden mir C35 und NGC 4874, deren Standort ich kristallklar ermitteln konnte, nur die Galaxien waren nicht zu sehen.

Dennoch war diese Nacht, die so bis 00.36 Uhr dauerte, ein voller Erfolg für mich und mein Befinden.

Wenn Sie also neu sind im Teleskopie-Geschäft, dann planen Sie für Ihre ersten Sternstunden wirklich ein, dass sie keine Galaxien finden. Um nicht ganz leer auszugehen, nehmen sie ein Fernglas mit und schauen sich ein paar Sternhaufen auf, z. B. den im Zentrum des Sternbild des Krebses (Bienenkorbnebel) oder den Sternhaufen im Haar der Berenike, der zwischen dem Schwanzende des Großen Löven und der Spitze der Deichsel des Großen Wagen (Teil des Sternbildes Großer Bär) zu finden ist und schon mit bloßem Auge erkannt werden kann, selbst wenn man kurzsichtig ist.

Entlang der Sternbilder Großer Löwe und Haar der Berenike (Coma Berenike) gibt es viele Galaxien, die man mit einem 200/1000 Newton Teleskop und viel Geduld und einiger Übung auch sehen kann. Natürlich sieht man nicht das, was einem das Hubbel-Teleskop zeigt, im Gegenteil, eigentlich sieht man eher nichts, aber das, was man sieht, kann einen ergreifen.

NGC 4565 ist ca. 50 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt – das sind 300‘000 Kilometer pro Sekunde multipliziert mit 60, multipliziert mit 60, multipliziert mit 24, multipliziert mit 365, multipliziert mit 50 Millionen – dann hat man ungefähr die Distanz in Kilometern.

Wenn ich mir das so auf meinem Campingstuhl im Dunkeln, zwischen Auto und Teleskop, durch den Kopf gehen lasse, dann wird der Kleinscheiß hier auf Erden so richtiger Kleinscheiß. Und das ist noch nicht Ansatzweise das Ende der Fahnenstange.

Falls Sie die Möglichkeit haben, dann beschaffen Sie sich ein Newton-Teleskop der Dobson Bauart mit einer Öffnung von 400 Milimetern. Da hat man dann zwei Teile und die sind auch ziemlich schwer, aber Galaxien können Sie damit viel mehr erkennen, als mit einem Newton mit 200 Milimeter Öffnung. Ein Kompromiss ist ein Newton Teleskop in der Dobson-Bauweise mit 300 Milimeter Öffnung.

Sie müssen wissen, dass ab 200 Milimeter Öffnung die bis dahin steile Kurve der Verbesserung des Lichtfanges deutlich abflacht. Mit 200er Öffnung sehen sie Objekte bis Magnitude 13,3, mit 400er Öffnung gerade mal Objekte bis Magnitude 14,8 – lohnt sich irgendwie nicht so richtig, zumal ein 400er Newton echt ein Klotz ist. Wenn Sie schon älter sein sollten und allein, dann ist ein 200er schon ziemlich gut, ich würde sogar sagen: ideal.

Ein 200er Dobson geht auch gut, aber dann brauchen Sie auch einen in der Höhe verstellbaren Hocker. Falls Sie Astrofotograf werden wollen, rate ich Ihnen von einem Dobson ab, aber ich rate Ihnen generell davon ab, in die Astrofotografie einzusteigen, weil der Krempel an Material dann unendlich zu werden droht. Ich habe Stativ, Montierung, Teleskop und Okulare und Zentrierlaser und gut. Campingstuhl, Rucksack für Essen und Trinken. Wenn Sie dann auch noch fotografieren wollen, dann ist man nur am Rumkramen. Wenn ich beeindruckende Bilder von Galaxien sehen will, dann schaue ich ins Internet.

Ich will die Dinger aber in Wirklichkeit sehen, bzw. das Licht, das solange bis zu mir unterwegs gewesen ist. Viele Teleskopierer machen in Astrofotografie, ich weiß, aber ich habe mich prinzipiell dagegen entschieden und froh über diese Entscheidung.

Meine Bilder schaute sich übrigens eh niemand an, vermutlich nicht mal ich. Also, was soll‘s?

Ich will einen entspannten Abend unter dem Sternenhimmel. Mein Hund warnt mir rechtzeitig vor wilden Tieren und für dumme Menschen habe ich meine unendlichen Aggressionen und eine große Dose Reizgas und den Hund zum Öffnen der Stellung 🙂 Einen kleinen Spaten für ein großes Loch habe ich ebenfalls dabei…

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