Overview

Es ist immer nur eine „Übersicht“ – im Detail wissen wir nichts. Wir können so ein bisschen Materie herumdrödeln, als Höchstleistung ein super Teleskop konstruieren und in eine Umlaufbahn schicken, dann ist aber auch Ende.

Wenn ich mir meine Zeitgenossen anschaue, dann wird mir allerdings nur übel. Ich wundere mich, dass sie überhaupt ihre Schuhbänder zugebunden bekommen. Mehr ist echt nicht drin, beim besten Willen nicht. Früher machte ich mir noch etwas vor, dachte, dass meine Mitmenschen irgendwie doch gute Seiten hätten, dass sie etwas von sich geben, was mich interessiert. Das mag früher auch der Fall gewesen sein – mittlerweile empfnde ich das Sprechen mit ihnen als Zumutung.

Also, was tun? Entzug, es hilft nur der konsequente Entzug. Leider gehöre ich zu den armen Menschen und muss arbeiten gehenn. Da sind dann Menschen um mich und meistens völlig hirntote. Alles andere zu behaupten wäre gelogen und ich mag keinen Selbstbetrug. Natürlich betrüge ich mich auch weiterhin, aber wenn offensichtlich ist, was ist, dann benenne ich das so für mich, wie ich es wahrnehme.

Bei der Arbeit hilft meistens nur „meditatives Fressehalten“. Denn gehe ich auf Themen meiner Mitmenschen ein, dann stehe ich nach fünf Sekunden bis zum Hals im Müll; starte ich selber ein Thema, folgt dasselbe. Es hilft also nur meditatives Schweigen. Der ein oder Andere Zeitgenosse bildet in diesem Meer der Unterträglichkeit eine Ausnahme, aber die Regel ist „das Grauen“.

Vermutlich kennen Sie dieses Phänomen ebenfalls oder sogar besser als ich.

In meiner Freizeit unternehme ich die höchsten Anstrengungen, um den Kontakt mit Menschen zu vermeiden. Wenn er sich nicht vermeiden lässt, dann unternehme ich die höchsten Anstrengungen, um den Kontakt mit ihnen so minimal wie möglich zu gestalten.

Mir hilft nur noch Vermeidungsverhalten. Und nur weil ich verstehe, warum und dass jemand ein kompletter Idiot ist, wird die Gegenwart eines solchen nicht besser.

Ich hänge also gerne zuhause rum, wo ich meine erträglich Mitbewohnerin und meine Hunde um mich habe oder ich streife über die umliegenden Wiesen den Flughafens, wo ich mit niemandem sprechen muss oder ich ich nieste mich nach Sonnenuntergang am Flughafen ein und beobachte die Sterne. Da habe ich absolut meine Ruhe.

Die Darstellung einer solchen „Sitzung“ kann natürlich auch nur in einer Art Übersicht dargestellt werden.

 

Am Flughafen

Wenn ich weiß, dass der Himmel sternenklar wird und ich frei habe, dann ist der frühe Abend schon gerettet. Kurz vor Sonnenuntergang packe ich dann mein Equipment, bestehend aus Stativ, Montierung, Teleskop, Gegengewichten und Zubehör, zusammen.

Dazu kommt mein „Servicerucksack“ mit Wasser und heißem Tee und natürlich einer meiner Hunde, meistens Lea (die hat Bock dabei zu sein). Ein Hund muss mindestens mit, denn so nachts allein im Dunkeln kann mich ohne Hunde schnell mal ein Gefühl des Unbehagens beschleichen, das ich als unangenehm empfinde. Mit Hund ist alles klar. Ist der Hund ruhig, dann ist auch nichts.

(Eben bin ich mal wieder Zeuge, wie einer meiner Mitmenschen telefoniert, was mich in meiner Haltung bestätigt, dass die meisten Menschen die blödesten Haufen Kacke sind, die je ausgeschissen wurden.)

Am Flughafen, mit Hund, habe ich meine Ruhe. Da kommt niemand angeschissen, da muss ich niemandem beim Dünschisslabern zuhören, da schreit niemand, da stinkt niemand, da ist also, außer Lea und mir, niemand. Und das ist der reinste Genuss.

Aber ich wurde vom Dünnschissgelaber meines Mitmenschen unterbrochen…

Ich packe also den genannten Krempel ins Auto und fahre zum fünf Fahrminuten entfernten Flughafen. Dort gehe ich mit dem Hund erstmal eine kleine Runde, damit er die Umgegend beschnuppern kann. Zurück am Auto schraube ich eine Erdschraube in den Boden, mache eine fünf Meter Leine daran fest, hake die Leine am Hundegeschirr ein und lasse den Hund, bei geöffneter Kofferraumklappe meinem Treiben zusehen. Der Hund ruht sich dann meistens aus. Wenn es kalt ist, decke ich ihn mit einer Schafwolldecke zu, von unten ist er durch eine Isomatte und etliche Decken geschützt.

Wenn der Hund versorgt ist, baue ich das Teleskop auf und lasse den Spiegel abkühlen, justiere die Spiegel und rauche anschließend erstmal eine Zigarette. Natürlich habe ich einen Campingstuhl dabei, wie erwähnt auch heißen Tee, was bei Minusgraden recht angenehm ist. Bevor ich meine Beobachtungen und meine Suche starte parallelisiere ich noch das Hauptrohr mit dem Sucherfernrohr (vorzugsweise am Stern Sirius) und dann geht es los. Okular rein (32mm Brennweite) und losgestochert.

Was ich mir vorgenommen habe zu finden, habe ich bisher in fast allen Fällen nicht gefunden. Aber das ist für einen Anfänger wie mich normal und trübt meine Laune nicht im Geringsten. Im Gegenteil, ein gewisser Misserfolg tut mir mitunter gut. Ein paar Objekte kann ich natürlich sehen, z. B. den Orionnebel, die Plejaden, den pulsierenden roten Riesen Arktus, diverse Sternhaufen.

Mein Hauptaugenmerk gilt jedoch Galaxien, aber da habe ich erst zwei gesehen, wobei „gesehen“ ein wenig hochgegriffen ist, erahnt trifft es besser. Aber ich weiß, wo sie sein sollten und unter geeigneteren Bedingungen (kein Mond, dunklerer Beobachtungsort) werde ich sie auch eindeutig identifizieren können.

Was die Gerätschaft betrifft, lerne ich immer noch hinzu. So erfuhr ich heute, dass ich mein Sucherfernrohr in der Schärfe der Ansicht verändern kann und die Tag, dass mein 10 mm Okular nur mit dem 1,25 Zoll Adapter die volle Leistung bringt.

Bisher war ich ca. 10 x am Sternegucken und es war jedesmal den Aufwand wert. Die ganze action des Verladens und des Aufbaus gehören einfach dazu. Das Aufbauen macht mir nach wie vor richtig Spaß. Mit dem Hund (Lea) im Kofferraum habe ich dann auch kein flaues Gefühl. Und ich bin geneigt zu behaupten, dass diese Einsätze meiner kleinen Lea gut tun, vor allem auch in der Entwicklung ihrer Selbstbewusstseins. Alina bleibt lieber zuhause auf der Couch bei meiner Freundin. Normalerweise haben wir am Tage gut zwei Stunden draußen verbracht, eine Zeit, in welcher die Hunde „frei nach Schnauze“ schnüffeln, buddeln und markieren können.

Aber zurück zum Sternegucken – wenn ich dann auf meinem Campingstuhl sitze, die Sternkarte zum x-ten Mal studiert habe und zur Ruhe kommen, dann ist das wirklich einmalig gut. Die treue Lea im offenen Kofferraum meines Kombis, das Teleskop in den Himmel gerichtet an meiner Seite und über mir die Sterne, Nebel und Galaxien – das ist wirklich einmalig. Dazu ein gezuckerter, heißer Tee, ein Zigarettchen – wunderbar. Dafür lohnt es sich zu leben.

Bei Minusgraden wie zuletzt bekomme ich nach gut zwei Stunden kalte Füße und packe mein Zeug wieder zusammen. Nach so einer Session geht es mir immer gut. Zuhause packe ich das Teleskop und die Optiken zum Trocknen auf den Tisch. Richtig angenehm finde ich übrigens, wenn sich auf dem Teleskop, während der Beobachtungszeit, eine dünne Eisschicht bildet. Das gibt dem Tun eine gewisse Frische, die mir gut tut.

Wenn es dann irgendwann mal wärmer wird, dann werde ich auch länger aushalten. Bezüglich der kalten Füße kann man sicher irgendeine Abhilfe schaffen, aber nicht in diesem Winter. Bei angenehmen Plusgraden kann ich meine Isomatte hernehmen und es mir in der Nacht im Schlafsack gemütlich machen. Falls was sein sollte, habe Lea und/oder Alina bei mir, die mir rechtzeitig bescheid geben. Es soll ja Wölfe in unserer Gegend geben, auf deren Besuch in keinen gesteigerten Wert lege. Auf Dummköpfe natürlich erst recht nicht. Für ungebetene Gäste habe ich meine Hunde, meinen Hund (mehr zur Meldung), eine ordentliche Portion Gas und meinen unendlichen Hass. Ich würde mich mir als unfreundlicher Besucher nicht nähern.

Im Normalfall läuft ja bekanntlich alles glatt und darauf freue ich mich. Aber auch die kürzeren Sternbeobachtungen tuen mir schon richtig gut. Vor allem das Alleinsein in der Stille, der Dunkelheit, mit Lea und dem Rest des Universums.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.