Sinn oder Unsinn?

Galaxis NGC (New General Catalog) 4565 – eine wunderschöne Galaxis, die, unter schwierigen Bedingungen (Mondlicht, relativ dicht am Horizont), ungefähr nicht zu sehen ist. Diese Galaxis erinnert mich irgendwie an diesen blog – natürlich ist der blog nicht im Ansatz so schön wie die Galaxis.

Lange Rede kurzer Sinn – die genannte Galaxis wurde von mir mehr erahnt als gesehen und dieser blog wird von den Menschen mehr erahnt als gesehen.

Ich bin mir nicht ganz schlüssig, ob ich hier noch weiterschreiben soll. Dass die Menschen dumm wie Schifferscheiße sind, das ist hinlänglich bekannt. Da brauche ich mich nicht zu wiederholen.

Vielleicht aber kann ich dem einen oder anderen von Ihnen eine Möglichkeit zeigen, wie man es auch in der Zivilisation Momente der Ruhe und Zufriedenheit finden kann. Und das ohne irgendwelchen hirntötlichen Heilsbringern zu folgen. Man muss kein Schamane werden (und keinem folgen).

Ich fragte mich ein paar Jahre, was mich überhaupt noch interessiert auf dieser Welt. Zuletzt betrieb ich in der jüngeren Vergangenheit ein paar Jahre Sport, dann machte ich ein paar Jahre Musik (mit regelmäßigen Auftritten), dann kaufte ich vor 5 Jahren zwei Hunde, die mich in Praxis und Theorie „unter Wind“ hielten.

Seit längerem war es an der Zeit, dass ich zu der Beschäftigung mit meinen Hunden wieder etwas mache, was mich theoretisch und praktisch in Anspruch nimmt und was mir gut tut. Und ich überlegte, ich überlegte und überlegte und mir fiel nix ein.

In meiner Verzweiflung machte ich also das, was man tut, wenn der Planet Erde zur Einöde wird – ich beschäftigte mich mit dem Weltall, dem Universum, dem Kosmos.

Vom Kosmos, mit seinen unendlichen Weiten kam ich zum Kleinsten, dem, was aktuell in der Quantentheorie ganz anschaulich (oder auch nicht) zum Ausdruck gebracht wird. Naja, und von dort war es dann nicht mehr weit zu einem Teleskop.

Und ich kann Ihnen sagen: Es war die beste Entscheidung seit der Anschaffung meiner Hunde. Meine Hunde und ich sind jetzt in einem Stadium, wo es ziemlich gut läuft, wo eine gewisse Verständigungsbasis geschaffen wurde, die Raum und Zeit (Letzteres existiert vermutlich nicht) für Neues lässt.

So ein Teleskop hat vielerlei Vorteile. Einmal hat man für jeden Depp dort draußen eine Begründung dafür, dass man dort ist, wo man ist, vor allem nachts. Zum Anderen kann man so sehr gut mit seinen Hunden nachts draußen abhängen, ohne Verdacht zu erregen.

(Lea im Kofferraum, auf Isomatte und mit Schafwolldecke zugedeckt – als Wachhund mitgenommen)

Zum Dritten habe ich, wenn ich nachts draußen mit meinen Hunden rumhänge, etwas zu tun (was ich bisher nicht tat).

Ich lebe in der Zivilisation und muss schauen, wie ich mich in dieser kaputten Welt in einem Zustand versetzen kann, auch außerhalb meiner vier Wände, der mich zufrieden sein lässt. Und da ist die Teleskopie, die Beschäftigung mit dem Instrument „Teleskop“ und dem Drumherum, für mich ideal. Lea passt auf, weil ich im Dunkeln nicht immer weiß, ob jemand oder etwas um mich herumschleicht. Lea wird auch mit „Stimmung“ machen, wenn dann Stimmung gefragt ist, wofür ich eine Menge Gas und meinen unendlichen Hass einbringen kann.

Jäger habe es da einfacher, die haben ebenfalls einen Hund und ein oder zwei Ballermänner. Überhaupt: Jäger und Angler stehen mir, glaube ich, ziemlich nahe. Viele von ihnen sind vermutlich nicht so scharf auf das Jagen und Angeln, sondern darauf aus, nachts ungestört draußen abhängen zu können. Ich „jage“ nur keine Fische und Rehe usw., sondern Sterne, Galaxien, Nebel und Sternhaufen. Und wie vielen Jägern und Anglern das Naturerlebnis bei Nacht wichtiger ist, als der Schuss oder der Biss, ist es mir nicht so wichtig, ob ich eine gesuchte Galaxie finde oder nicht. Sterne gibt es allemal zu sehen 🙂

Aber es kann und soll jeder machen was er will. Ich will nachts mit meinen Hunden draußen rumhängen. Also stelle ich ein Teleskop hin und jedem Volltrottel ist klar, was ich mache. Ein weiterer Pluspunkt meines Tuns besteht darin, dass ich fast gezwungen bin, dunkle Orte aufzusuchen, sozusagen die möglichst dunklen, um eine gute Sicht auf den Sternenhimmel zu haben. Ich vermute, dass viele Menschen in den Städten nicht mal wissen, dass es soetwas wie Sterne gibt (außer die, welche sie sehen, wenn sie volltrunken mit dem Kopf auf den Bürgersteig knallen).

Und letzte Nacht war es soweit. Endlich hatte ich nach Jahren erstmals wieder das Gefühl, auf diesem Planeten zuhause zu sein.

Ich saß bei minus ein Grad Celsius auf meinem Campingstuhl, vor mir das Teleskopf mit Eisschicht auf dem Körper, aus dem geöffneten Kofferraum schaute mich mein Hund Lea an, ich trank einen heißen Ingwertee und rauchte eine Zigarette – das war‘s. Zumindest ein kurzer Moment der Erfüllung. Und, wie ich meine, eine prima Aussicht auf die Zukunft.

Heißer Ingwertee, warm angezogen, eine treue Hundeseele an meiner Seite, ein eisgekühltes Instrument, der bestirnte Himmel über mir und ein Gefühl tiefer Zufriedenheit in mir – mehr geht nicht.

Und ob ich diesen blog noch weiter füllen werde, das weiß ich jetzt immer noch nicht. Also, ich wünsche Ihnen ein frohes Dasein, bis später, Ihr Jörg Baumann.

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