Essentials

Was ist schon wichtig – das ganze Tralala sicher nicht, jedenfalls nicht für mich. Ich brauche Infrastruktur: Strom, Straßen, Wärme, Nahrungsmittel, Gesundheitsversorgung, Treibstoffversorgung – sowas halt. Natürlich brauche ich auch Klimbim, wie Tablet, Telefon, Bücher, Schachspiele, etc. Dafür müssen sich andere Menschen den Allerwertesten aufreißen, damit das alles zur Verfügung steht. Von nichts kommt nichts. Und ich bin den Menschen auch dankbar, die diese Dinge für mich bereitstellen.

Man hängt da so mit drin, in diesem „Schlammassel“ und trägt das Seine dazu bei, damit der Laden einigermaßen läuft. Mein Zutun war in der Vergangenheit, Menschen für Jobs startklar zu machen, die ausgeübt werden müssen, damit der Laden eben läuft. 15 Jahre lange habe ich alles was ich hatte da reingetan. Jetzt lasse ich es ruhiger angehen und es geht mir damit bedeutend besser.

Also, zu behaupten, man bräuchte nur wenig Dinge, das ist ziemlicher Unsinn. Die meisten von uns, in Deutschland sicher 99%, brauchen eine ganze Menge, was sie allerdings als solches nicht wahrnehmen, weil es ihnen selbstverständlich vorkommt.

Sauberes Trinkwasser für wenig Geld stets und ständig aus der Leitung in der eigenen, geheizten und bestromten Wohnung. Gefüllte Supermärkte, Straßen, Tankstellen etc. Da steckt ja ein riesiger Aufwand dahinter. Für die Rohstoffgewinnung, von was auch immer, müssen Menschen irgendwo auf der Welt schwer arbeiten, dann muss der Kram verdelt werden, dann muss der Kram irgendwie zusammengebaut werden, dann muss der Kram hierher nach Deutschland transportiert werden, in Deutschland muss der Kram dann weiter verteilt werden, der Kram muss irgendwo bereitgestellt werden – und überall und immer sind Menschen daran beteiligt, dies zu gewährleisten. Der Diesel wird nicht an der Esso-Tankstelle um die Ecke produziert…

Die Grundlagen in Deutschland, die jeder als selbstverständlich annimmt und deshalb vermutlich auch nicht mehr wahrnimmt, bedürfen eines Aufwandes, der schon in Worten geschildert extrem ist.

Wenn ich also daherfasel, dass ich nicht viel brauche, dann rede ich ziemlich dummes Zeug. Natürlich brauchen in Deutschland viele Menschen erheblich mehr als ich, aber für meine Grundlagenversorgung – da habe ich nicht mal den Ansatz einer Ahnung, wieviel Menschen dafür rund um die Uhr in action waren und sind und sein werden.

Das ist irgendwie echt irre. Aber ich nehme das einfach mal so hin.  Natürlich brauche ich Strom und Wärme und Nahrungsmittel und ein paar Kleidungsstücke. Aber ansonsten? Gut, meine Hunde brauche ich. Wofür brauche ich sie? Um mich zu erden. Um den Kontakt zu mir als der, der ich bin, nicht zu verlieren. Für Hunde zählen nur Sicherheit, Nahrung, Zuwendung, etwas zu tun und ein bisschen just for fun. Das ist alles. Sie brauchen keine Klamotten, sie brauchen keine Dinge, überhaupt keine. Wenn die oben genannten fünf Punkte erfüllt sind, sind Hunde wunschlos glücklich.

Deshalb brauche ich meine Hunde. Indem ich versuche, meine Hunde Hund sein zu lassen so gut es geht, komme ich dazu, mir Klarheit zu verschaffen, was mit mir los ist.  Was ist gut? Was ist essenziell? Für mich ist es essenziell, mit meinen Hunden jeden Tag nach draußen zu gehen und das Wetter zu spüren, egal welches. Da wird nicht viel gelabert, da herrscht im Grunde schweigen, unterbrochen von seltenen Ansagen. Die Hunde und ich schlendern durch die Gegend, dort, wo es für die Hunde interessant ist. Für mich ist an diesen Gegenden gut, dass dort wenige bis kaum Menschen sind.

Und ich brauche mit den Hunden auch kein Beschäftigungsprogramm zu starten, denn sie können sich hervorragend selbst beschäftigen. Wenn wir über die Wiesen gehen, setzen sie ihre Nase ein, schnüffeln was das Zeug hält, entweder auf der Jagd nach Mäusen oder zwecks Entzifferung der Markierungen anderer Hunde. Damit sind sie locker zwei Stunden beschäftigt. Manchmal brauchen wir für 200 Meter eine Stunde.

Da komme ich dann ins Spiel. Wenn die Sache stockt, dann fordere ich zum Weitergehen auf, bis der nächste Fleck die Nasen der Hunde anspricht. Für mich heißt es dann warten und Fresse halten. Ich packe mich dann einfach in die Nähe der Hunde auf die Wiese, mit oder ohne Unterlage, trinke einen mitgebrachten Kaffee, rauche eine Zigarette und genieße die reduzierten Art des Seins – kein TV, kein Mobiltelefon, kein Buch, kein Schreiben, kein Gelaber, kein Gedröhns – nur der Wind, die Hunde, das Gras und die Luft, die Wolken, das war‘s. Essentials.

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