Zur Ruhe kommem

Dauernd in Bewegung, alles scheint permanent in Bewegung zu sein – die Dinge, die Wesen und alles Andere. Selbst im Schlaf arbeitet der Körper, rennen die Gedanken. Und Träume sind nicht immer so angelegt, dass aus ihnen eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit erwachsen würde. Im Gegenteil, mitunter schreckt man aus einem Traum auf und denkt: Was war das jetzt wieder für ein gequirlter Bockmist!

Zur Ruhe zu kommen ist nicht leicht. Die ewige Ruhe hatte man vermutlich vor der Zeugung und wird sie vermutlich erneut mit dem Ableben wiederfinden. Was mir am meisten auf den Sender geht, das ist meine gedankliche Unruhe. Gedanken lassen sich nicht anhalten. Der Strom derselben fließt unermüdlich voran, kein Halt, keine Pause, immer weiter und weiter.

Ich denke es ist wichtig, sich darin zu trainieren, möglichst im Jetzt zu verweilen, gerade gedanklich. Nach dem Motto: Was interessiert mich der Kram von vorhin, was interessiert mich der Krempel von gleich? Ab und zu sollte man vielleicht mal an eben und sogleich denken, aber im Grunde ist das ziemlicher Müll. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da. Einzig und allein der Fluss der Gegenwart ist alles, was wir haben. Natürlich haben wir Erinnerungen und Vorstellungen von der Zukunft, aber diese haben wir dennoch in der jeweiligen Gegenwart.

Die Fragen, die etwas herzugeben scheinen, sind: Was mache ich gerade? Und ist es gut, was ich gerade mache, tut mir das gut, was ich gerade mache?

Dann kann ich mich noch fragen, was tue ich im Anschluss an das, was ich gerade tue, aber schon hier liegt eine große Gefahr. Ich gehe zum Beispiel öfter mit meinen Hunden durch die Gegend. Während dieser Zeit komme ich ganz gut zur Ruhe, bzw. zu einem gewissen Minimalismus: Gehen, schauen, das Befinden bewerten, mit den Hunden kommunizieren, rauchen, fertig.

Gift sind für mich die Gedanken, die sich damit beschäftigen, was ich tuen könnte, wenn ich wieder zuhause bin. Stelle ich mir, während ich mit den Hunden ums Eck ziehe, diese Frage, dann bin ich raus aus dem Jetzt, in irgendeiner imaginären Zukunft, die eh nicht wird, wie vorgestellt und die vor allem nicht jetzt ist, also eine rein gedankliche Realität.

Ich halte es für gesünder, bei dem zu sein, was man, was ich gerade tue. Zum Beispiel mit den Hunden auf der Wiese liegen und mich nach meiner gegenwärtigen Befindlichkeit erforschen.

Was rieche ich? Wo habe ich schmerzen? Wie nass ist der Untergrund, auf dem ich liege? Was macht meine Begleitung? Höre ich Vögel zwitschern? Habe ich Hunger? Will ich eine rauchen? Läuft mein Leben lebenswert? Tue ich das, was mir gut tut? Will ich hier jetzt noch länger rumliegen?

Solche Fragen halt – wobei die nach dem Wert des Lebens in Richtung Abschweifung vom Jetzt weist. Aber wenn nicht in solchen Momenten, wann soll man dann über sein Leben und dessen, was man so tut, nachdenken?

Das Herumgehen mit den Hunden ist auf jeden Fall ein guter Gradmesser für mein Befinden. Habe ich mich gut behandelt, dann wandel ich recht locker dahin, habe ich z. B. nicht gedehnt oder zuwenig geschlafen, dann ist das Gehen eine Last. Das Dehnen kann ich unterwegs nachholen, den Schlaf eher nicht.

Was ich festhalten kann ist: Das meiste wird grenzenlos überbewertet. Wie ich gestern mit den Hunden über die Wiese trollte, dachte ich, dass ich in diesem Augenblick sterben könnte und es mir nichts ausmachen würde. Was sollte noch kommen? Die große Erleuchtung? Ich glaube die größte Erleuchtung ist die, wenn man fühlt, dass es völlig o. k. wenn man stirbt. Alles andere sind so psychopathologische Ausschweifungen, Darstellung verschiedener Krankheitsbilder.

Die ganzen Helden, die in irgendeinem Bereich Höchstleistung von sich abfordern, über Jahre, die Suchtkranken, die Destruktiven usw., usw., die sogenannten Fleißigen, die Arbeitstiere – wozu? Alles, wirklich alles läuft darauf hinaus, dass wir sterben – das ist das große Ziel, an dem die schwarzweiß karierte Fahne geschwenkt wird.

Das einzige, für dass es sich lohnt, sich den Hintern aufzureißen sind Kinder oder andere Lebewesen, bzw. man selbst. Ich bin mittlerweile ein großer Freund der „Versenkung“, des scheinbar Nutzlosen. Mir macht es Spaß, Bücher aus der englischen Sprache in die deutsche zu übersetzen und hier vorzugsweise Biografien über Bobby Fischer und Wilhelm Steinitz. Damit habe ich zu tun, das geht zurzeit recht langsam vonstatten, oft muss ich überlegen, die Übersetzungsmaschine bedienen, dann läuft es mal wieder etwas flüssiger – das gefällt mir. Keiner, mit dem ich reden muss, der einzige Film der abläuft, ist der, welcher sich bildlich hinter den zu übersetzenden Wörtern befindet. Vielleicht ist das meine Art der Meditiation. Und mich einfach mal auf die Knie hocken, mit dem Hintern auf den Fersen, die Augen zu schließen und ein paar Minuten sowenig wie möglich tun, das gefällt mir auch.

Zur Ruhe kommen…

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