Malerei

Ich empfehle Ihnen vier Maler: W. Kandinsky, Gerhard Richter, Frank Stella und Albrecht Dürer. Mit diesen Künstlern hätte man alles beisammen, was man an brauchbarem Wandschmuck braucht – natürlich nicht im Original, weil zu teuer. Wer sich natürlich ein Original dieser Macher leisten kann – mein Neid ist mit ihm. Wobei jemand, der sich ein Original von Dürer oder Richter leisten kann, sicher nicht in der Lage ist, dieses angemessen zu würdigen. Denn entweder hat man einen Dachschaden, weil man seit seiner Kindheit sinnlos im Geld schwimmt oder man hat ihn, weil man dauernd irgendwelche Leute betrügen muss. Am besten sind die Gemälde der Genannten in Museen aufgehoben, welche diese ab und zu um Welt auf irgendwelche Austellungen versenden, damit möglichst viele Menschen in ihren Genuss kommen können.

Wenn ich mir allerdings die Anstrengung vor Augen führe, welche die genannten Künstler an den Tag legen mussten, um ihre Bilder zu schaffen, dann überkommt mich auch ein Grauen – ein Grauen vor dem Zwang nach Kompensation, der möglich ist. Im ersten Augenblick staunt man über die Bilder, dann beginnt man zu erahnen, wieviel ausdauernde Zwanghaftigkeit ihrer Vervollständigung zu Grunde liegt und dann ist es da: besser lassen!

Diese ganzen Extreme sind Ausdruck irgendeines Bedürfnisses, dass auf anderem Weg keinen Ausdruck findet und durch dem durch die Malerei immerhin ein Ausdruck verschafft wird, sei es auch nur bezogen auf die Intensität.

Einerseits wäre man vielleicht ganz gern ein hofierter Maler, andererseits: wer wäre gerne so zwanghaft? Es ist wie mit allen Künsten: stundenlanges Schaffen, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahre, Jahrzehnte, um dann irgendwann bei den Berliner Philharmonikern zu hocken, mit einer Professur im Nebenjob, viel Geld zu verdienen und immer nur mit diesem Instrument zusammen zu sein, verbunden zu sein. Das ist ja fast wie ein Klotz am Bein, so wie die Stahlkugel am Bein des Gefangenen…

Nee, das ist es auch nicht. Olympiasieger zu sein, Nobelpreisträger, Weltmeister, Höchstbezahlter – vielleicht werte ich das ab, weil ich es selbst nicht erreichen kann. Vielleicht ist mir das alles aber zu fad. Ich frage mich, was all diesen Spitzenmenschen gemeinsam ist und komme zu dem Schluss, dass dies u. a. die Anerkennung ist. Dem Rock- und Filmstar jubeln die Massen zu, ebenso dem Sportcrack und den anderen menschgewordenen Attraktionen.

Anerkennung – wir alle brauchen sie, fragt sich nur wieviel? Aber vielleicht geht es, neben der Anerkennung auch um Ablehnung. Denn der Spitzensporter, der Spitzenmensch wird auch abgelehnt, schlecht gemacht, er hat ja Konkurrenten, Neider usw. Oberflächlich geht es vielleicht um Anerkennung, aber eine Stufe tiefer um Ablehnung. Ein interessanter Gedanke, vor allem weil er sich nicht so penetrant anbietet. Mir gefallen Gedanken, die nicht an der Oberfläche schwimmen und von jedem Zweiten als richtig und korrekt bestimmt werden; denn er ist nicht selten der verkehrte Gedanke, der Unsinn, der Irrweg, der nicht die Wirklichkeit abbildende.

Warum ich das alles schreibe? Der Anlass ist eine Äußerung von Gerhard Richter, der meinte, dass er malen müsse und deshalb malt und er auch nichts anderes kann. Das gefällt mir irgendwie. Bei mir ist es ähnlich. Mich treibt es immer zur Schreiberei, wobei ich mich jedoch nicht als Künstler betrachte, weil das, was ich schreibe, schon unendlich oft geschrieben worden ist. Also das ist nichts Neues. Und originelle Gedanken, eigene Gedanken – mein Zeug hatten einige Menschen schon vor zweitausend und mehr Jahren umfassend im Sinn, weshalb es auch irgendwie blödsinnig ist zu schreiben, denn es steht ja alles schon irgendwo aufgeschrieben in irgendwelchen Büchern.

William S. Burroughs hat, scheinbar aus Verzweiflung, einen bestehenden Text zeilenmäßig auseinandergeschnitten und willkürlich wieder zusammengesetzt – das ist dann irgendwie das Ende. So wie Gerhard Richter es formulierte, als er sich durch John Cage freigesprochen fühlte, den Zufall in seinem Werk zuzulassen.

Ich fühle mich ebenfalls recht freigesprochen, einfach durch mich selbst und der fehlenden Antworten bezüglich des Woher und Wohin – weiß ja keiner, alles dunkel, unklar, offen, unheimlich.

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