Tafel abwischen

Manchmal muss man die Tafel seines Seins abwischen und neu bemalen – das Nervige ist jedoch, dass man meist das gleiche malt wie das, was man zuvor abgewischt hat.

Das Leben kann ein Hamsterrad sein. Das eine ist komfortabler, das andere weniger. Meines besteht aus Arbeiten, Gassigehen, Schlafen, Gassigehen und Arbeiten – Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Man kann solch ein Leben auch als das eines Sackgassenmenschen benennen.

Dennoch bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Tafel des Lebens wieder und wieder abzuwischen, mit der Hoffnung, bei der nächsten Bemalung oder Beschriftung, doch eine Änderung hinzubekommen. Um hierbei zum Erfolg zu kommen ist es vielleicht förderlich, wenigstens im Kleinen, in den kurzen Zeiteinheiten, die mir frei zur Verfügung stehen, etwas grundlegend zu ändern.

Meditation kann ein solches Tun sein, denke ich. Wie bereits erwähnt nicht mit dem Ziel, Erleuchtung zu erlangen, sondern um dadurch einen Impuls zu setzen, welcher sich durch alle weiteren, zukünftigen Handlungen hindurchzieht; und zwar im positiven Sinne.

Positiv, damit meine ich: verändernd. Alle Handlungen lassen sich nicht abstellen, bzw. durch alternative Handlungen ersetzen. Die Regel ist, dass man, so oder so, immer irgendwie gleich handelt. Ich kann mir Dinge kaufen, um mein Handeln, meine Handlungsinhalte zu ändern, dennoch handel ich gleich. Die Art und Weise, wie ich Handel, die gilt es zu betrachten und zu verändern.

Das Meditieren ist hierbei der Versuch, mich mal so gründlich wie möglich „auf Null“ zu setzen, die Tafel gründlicher als zuvor abzuwischen. Meditation ist vermutlich eine gründliche Reinigung dessen, was man ist. Ich kann mich waschen wie verrückt, und bin dann von außen gereinigt – aber was ist schon das Äußere? Ausdruck des Inneren? Sicherlich, aber mehr dahingehend, dass das Äußere meist das Gegenteil von dem anzeigt, was innen los ist.

Diese ganzen geordneten Menschen, mit ihren geordneten Tagesabläufen (meiner ist einer der geordnetsten), mit ihren aufgeräumten Zimmern (meine sind chaotisch), mit ihren Plastikvorgärten – diese nach außen hin geordneten Menschen sind meist diejenigen, welche ich als innerlich flach wahrnehme, denen keine Gedankentiefe und -weite innewohnt, die nicht mal wissen, dass sie im Hamsterrad zuhause sind, die keine Vorstellung davon haben, was ein Hamsterradleben tatsächlich ist (nämlich ihr Leben).

Meditation räumt mit solchen Oberflächlichkeiten auf, Meditation macht vieles deutlich, was vorher nicht mal gesehen, erkannt, bedacht, bekannt war. Ich behaupte, dass die meisten Menschen freiwillig nicht in der Lage sind, sich mal zwei Minuten am Stück hinzuhocken und nicht zu tun. Das erlebe ich ja an mir selbst, wie schwer es mir fällt, dies zu tun.

Dazu muss ich sagen, dass es mir zunehmend gefällt. Allein die Vorstellung finde ich von Tag zu Tag besser. Einfach im Schneidersitz hinhocken, für eine ruhige Umgebung gesorgt haben und so sitzen bleiben, Augen zu, zwei Minuten. Mit zwei Minuten kann man gut anfangen. Und dabei die Gedanken einfach fließen lassen und sich an keinen Gedanken klammern – den Gedanken kommen lassen und sogleich wieder gehen lassen. Und dabei nicht werten und versuchen, objektiv zu bleiben. Kurz und gut: Einfach mal die Fresse halten.

Ich denke, dass dieses Tun Auswirkungen auf alles Andere hat und in erster Linie auf mich selbst. Danach fühle ich mich in der Regel besser.

Mit meinen Hunden durch die Gegend zu ziehen ist eine Art „Meditation in Bewegung“, vergleichbar mit Tai Chi oder dem chinesischen Schattenboxen. Es ist dieses im Jetzt Sein, dieses Kommenlassen und Gehenlassen von Gedanken und dabei eine gewisse Ruhe walten zu lassen, was mich fasziniert. Unruhig rumzudaddeln, mal hier mal dort, ständig in Bewegung, von Aufgabe zu Aufgaben eilend, am besten noch ständig ein Telefon am Ohr, das ist absolut nicht meins, das interessiert mich überhaupt nicht, bzw. interessiert mich insofern, als dass es zu identifizieren und abzustellen ist.

Dieses geschäftige Tun – es ist mir ein Graus. Das heißt nicht, dass ich zum Ziel habe, demnächst stundenlang eine Wand anzustarren, weiß Gott nicht. Aber ich will mir zukünftig einfach mehr Zeit zum Meditieren gönnen. Diese Zeit ist die vielleicht am wenigsten vergeudete Zeit, neben der gemeinsam mit meinen Hunden verbrachtenn.

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