Das Gute sehen

Gut, im Konzentrationslager, sagen 1944, da fiel es einem gewiss nicht so leicht, das Gute zu sehen. Zustände wie sie in einem Konzentrationslager unter der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland bestanden, sind für schlaue Sprüche immer der Gradmesser, der Prüfstein.

Fettgefressen mit genug Kohle und einigermaßen gesund, lassen sich leicht kluge Sprüche klopfen oder lesend in die Gedankenwelt einflechten. Aber unter beschissenen Bedingungen? Aber ich glaube selbst als KZ-Häftling gab es das sogenannte Gute, den Schlaf, das klitschige Kommisbrot, die Wassersuppe, ein Rest von Kameradschaft vielleicht, obwohl die vermutlich recht schnell unter den Gewaltexzessen verschwunden gewesen sein dürfte.

Also, im Konzentrationslager sind die Möglichkeiten für das Sehen des Guten sicher eingeschränkt bis nahezu nicht mehr vorhanden gewesen. Wer das Gute nicht mehr sehen konnte oder verhungerte oder erschossen wurde, mit dem war es dann aus, Film zuende, Geschichte.

Was lehrt uns das, denen, die nicht im Konzentrationslager sitzen? Es lehrt uns, dass wir gut daran tuen, sofern wir die Möglichkeit und das Bewusstsein dafür haben, unser Augenmerk auf das zu richten, was uns gut tut. Wenn man wie ich ständig unter lauten Affen rumhängt und man die Gesellschaft von Affen nicht besonders schätzt, dann muss man versuchen, an etwas zu denken, das gut ist oder etwas tun, was einem gut tut.

Was man auf jeden Fall vermeiden sollte, das ist eine umfassendere Beschäftigung mit den Affen, selbst wenn diese mal wieder in ihren Käfigen verschwunden sein sollten. Oft handelt man doch so, dass einem die Affen auf den Sender gehen, weil sie wieder mit Bananenschalen rumschmeißen oder zum xten Mal beweisen, dass sie Affen und keine Menschen sind – dann löst sich die Situation irgendwann auf, die Affen sind weg und dennoch ist man genervt von den Affen, denkt die ganze Zeit (obwohl sie in den Käfigen sind) an sie und spult sich, wenn man ggf. mit einem anderen Menschen zusammen ist, immer tiefer in einen Strudel des Bekloppten und Destruktiven.

Man labert sich dann, obwohl die Affen weg sind, gemeinsam richtig heiß, wieder und wieder wird die Doofheit der Affen ausgesprochen, in allen Varianten, wieder und wieder, im blödesten Fall stundenlang.

Und das katastrofale ist, dass es Menscshen gibt, denen das nicht auffällt – sie erwecken den Eindruck, als wäre das Gelaber über die Affen und deren Doofheit, das einzige Gesprächsthema, welches sie zuzulassen in der Lage sind.

Wie oft habe ich es, dass auch ich wieder von den Affen zu labern anfange, obwohl das Thema physisch schon komplett nicht mehr gegeben ist? Einige begreifen es aber und lassen das Gelaber und gehen auf meines nicht ein, andere wiederum sind echt völlig zugenagelt und fangen immer wieder davon an.

Also mir fällt es in dieser Gemengelage nicht so leicht, das Gute zu sehen. Wenn ich mit meinen Hunden unterwegs bin, gelingt es mir hingegen am laufenden Meter. Dort ein schöner Flecken Gras, dort eine winzige und wunderschöne Blüte, dort ein Schmetterling, der Himmel, die anderen Pflanzen, dazu die Hunde, die neugierig die ganze Wiese nach Mäusen und anderen Gerüchen abschnüffeln – das macht schon gute Laune. Wenn dann noch gelingende, nonverbale Kommunikation zwischen Alina und mir zutage tritt, wenn wir uns kurz anschauen und einig sind oder werden, das ist große Klasse, das gibt mir ein gutes Gefühl. Wenn Alina zum Beispiel eine Pause machen will und wir uns zu dritt auf der Wiese liegend den Wind um die Nase blasen lassen und den Vögeln zuhören – das ist Qualität.

Das hat vor allem auch deshalb Qualität, weil es zeitlich begrenzt ist. Spätestens nach drei Stunden sind wir wieder zuhause, essen und fressen und schlaffen dann (wenn ich frei habe) genüsslich ab.

Mit der Arbeit ist es hingegen so, dass ich 12 Stunden irgendwo rumhänge, meist unter Affen und mit all den Folgen. Nix da mit drei Stunden und nächster Programmpunkt sondern 12 Stunden am Stück die Unzulänglichkeiten menschlicher Existenz einatmen.

Immerhin kann ich nach so einer Abhängerei in Ruhe mit meinen Hunden ums Eck ziehen. Schon die Autofahrt nach Hause erfüllt mich mit Freude, weil ich sehr gerne Auto fahre. Zuhause begrüßen mich dann die Hunde, der eine ganz cool, der andere etwas aufgeregter. Nach der Begrüßung liegen wir dann eine Zeit zusammen und gehen liebevoll miteinander um. Danach geht jeder auf seine Position, ich ziehe meine Wechseljacke an, die Hunde warten darauf eingeschirrt zu werden und los geht‘s.

Wir kennen die Meile in und auswendig, dort werden die neuesten Nachrichten gelesen und mitgeteilt, ich schaue den Hunden dabei zu, achte darauf, dass keine Affen bedrohlich nahe kommen und irgendwann sind wir wieder zuhause, fressen und schlafen.

Mittags komme ich dann nicht immer ganz so leicht hoch, weil meist zuwenig geschlafen und steif in den Gelenken. Irgendwann geht‘s, einen kleinen Happen essen, Kaffee trinken, Zigarette und dann sind die Hunde meist auch schon parat, um zu einer längeren Runde aufzubrechen. Da sich die Hunde zwischendurch immer mal wieder auf dem Rücken wälzen, gehe ich davon aus, dass es auch ihnen gut gefällt, mit mir ums Eck zu ziehen.

So ungefähr sieht‘s aus – ein Hoch auf die Freizeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.