Außen ist alles Phänomen

Meine Hunde, übrigens Säugetiere wie wir Menschen auch, machen es mir vor – sie leben in einem Moment und wenn der Moment vorüber ist, leben sie bereits im nächsten, ohne sich einen großen Kopf darüber zu machen oder sich gar das Hirn darüber zu zermatern, was eine Minute vorher passiert ist.

So nehme ich es zumindest an. Ich kann genauso wenig in den Kopf meiner Hunde schauen, wie in die Köpfe anderer Menschen. Bei den Menschen läuft es vermutlich in Teilen ähnlich ab wie bei mir, bei meinen Hunden etwas anders.

Sicher kann ich mir nur darüber sein, was so in meinem Kopf abläuft und das ist mitunter ziemlich chaotisch und vor allem kaum zu überschauen. Ich lebe auch im Moment, wie meine Hunde, mache mir aber viele Gedanken bezüglich dessen was war und was sein wird. Wie meinte doch mal ein Filmheld: „Wenn die Leute nicht soviel darüber über die Vergangenheit und über die Zukunft nachdenken würden, dann wäre die Gegenwart nicht so beschissen“.

Fakt ist, dass die meisten Leute nichts vom Denken verstehen – ungefähr nullkommanichts. Ich, der ich mich eine ganze Weile mit dem Denken beschäftigt habe, verstehe ebenso ungefähr nullkommanichts davon. Meine Hunde ebensowenig.

Der Vorteil, den meine Hunde haben, der ist der, dass sie die Welt um sie herum als Phänomen zu behandeln scheinen und, im Gegensatz zu mir, extrem in der Gegenwart leben; also nahezu komplett. Ich hingegen denke dauernd an Vergangenes und bewerte es, an Zukünftiges und bewerte es und was dabei herauskommt, das ist eine mehr oder weniger, tendenziell weniger, gelungene Gegenwart.

Was interessiert mich der Scheiß das draußen über die Tatsache hinausgehend, dass da draußen irgendwas ist und irgendwas passiert? Selbstverständlich unterscheide ich bezüglich der Phänome außerhalb meines Selbst. Und ich bewerte die Phänomene auch. So bewerte ich meine Hunde ungefähr so ein, dass ihrem „Wert“ vielleicht 200 Millionen Menschen entsprechen oder zwei Millarden – so genau kann ich das nicht sagen. Und viele Tiere, ich denke die meisten, sind mir lieber als die meisten Menschen.

Menschen sind im Grunde für mich auch nur Phänomene und die meisten dieser mir bekannten Phänomene verhalten sich so, dass ich ihnen gerne einen Hammer auf den Kopf schlagen möchte. Was ich natürlich nicht tue, da mich andere Menschennphänomene daraufhin in eine Zelle sperren würden – soviel zu den Menschen…

Wenn ich die Außenwelt letztlich oder ersteinmal als Phänomenwelt bestimme, dann komme ich nicht so schnell dazu, diese zu bewerten. Meine Bewertungen kotzen mich an, aber frei von ihnen kann ich mich nicht machen. Aber ich kann versuchen, sie zu reduzieren. Und ich kann versuchen, Themen, die andere Menschen an mich herantragen, so schnell wie möglich ins Nichts verlaufen zu lassen, insofern sie mich nicht interessieren. Und ich muss sagen, dass mich die meisten Themen der meisten meiner Mitmenschen und ungefähr null interessieren.

Ich kenne kaum jemanden, zumindest fällt mir im Augenblick niemand ein, der irgendwas zu erzählen hätte, was mich interessiert. Gut, ein Kollege erzählt von seinem alten VW-Bus – das interessiert mich schon, aber sonst?

Die Leute erleben ja nichts, sie unternehmen nichts. Sie rennen die ganze Zeit, genau so wie ich, in ihrem Hamsterrad und das war‘s. Nichts von Bedeutung, nichts, worüber sich zu erzählen lohnen würde.

Und das liebe ich an meinen Hunden. Sie erzählen mir nicht dauernd den gleichen Scheiß der mich null interessiert. Sie schätzen die Routine, das Stöbern, das Umherschnüffeln, gelegentlich die Aufregung, das Abschlaffen, das Liebkosen, das Fressen, das Ruhen, das ist immer das Gleiche, aber sie lassen diese Vorlieben nicht noch von einem endlosen, sich immer wiederholenden Wortschwall begleiten.

Einer der Eigenschaften meiner Hunde ist, dass wie miteinander kommunzieren, ohne zu Sprechen. Menschen machen das auch, aber dazu texten sie dann immer noch und meist texten sie irgendeinen negativen Müll, der mich einfach nicht interessiert. Ein Idiot bin ich selbst. Der Idiotismus der Anderen übersteigt in der Menge meine Fähigkeiten, einigermaßen gesund mit Idiotismus umzugehen. Und wenn dann auch noch Psychopathen meinen Dunstkreis stören, dann bin ich völlig am Ende.

Also habe ich beschlossen, meine Umwelt nur noch als Phänomenwelt wahrzunehmen. Das bedarf sicher noch der Ausarbeitung, aber besser dass ich heute damit anfange, als nie. Der ist ein Psychopath, die ist eine Dauerjammerin die Verständnis für ihre 100 Millionen Probleme einfordert, der hält sich für Ricky Masurati mit dem Bleifuß, der denkt, er ist Arnold Schwarzenegger (und ist doch nur Billy die Bohnenstange), die hält sich für Greta Monroe usw., usw.

Interessiert doch keinen Arsch! Und wenn doch, dann einen Psychiater für seine klinischen Studien, seine Reputation.

Also – es lebe die Phänomenologie!

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