1869 Zickzackreiten durch die USA

Das Problem am Zickzackreiten durch die USA im Jahr 1869 ist, dass wir das Jahr 2021 haben. Man kann versuchen, auf alt zu machen, aber das funktioniert sowenig, wie als 55 Jähriger Baby sein zu wollen. Einige schaffen da zwar eine Annäherung, treffen aber, wenn sie nicht Vollinsassen einen Irrenhauses sind, diese Umsetzung nicht. Es ist wie Falschgeld.

Also, 2021 und nicht 1869 – was macht man nun, wenn man Zickzackreiten will und nicht im Jahr 1869 lebt und auch nicht in den USA? Man schnappt sich dort, wo man lebt, ein Auto, irgendeinen Wagen, der auf allen Straßen gut zurecht kommt und rollt diese ab. Irgendwie. Reinsetzen in die Karre und los. Tendenziell in gemäßigtem, ruhigen Tempo, so mitschwimmend, ohne den Verkehr aufzhalten oder sein Leben zu riskieren. Vor letzterem schützt übrigens wertvolle Fracht. Und da man sich ja doch ab und zu ein wenig vergisst, nimmt man am besten Hunde oder Kinder oder sowas mit. Dann bleiben die Sinne wacher.

Dann noch ein Rucksack gepackt für die Hunde, einer für den Fahrer und los geht‘s. Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich sofort meine Hunde und etwas Ausrüstung ins Auto schmeißen, einsteigen und an die südportugiesische Atlantiküste fahren.

Bei all dem ist es die Kunst herauszufinden, was realistisch ist und was nicht, um seinen Plan am realistischen zu orientieren. Und was theoretisch möglich ist, ist noch lange keine Praxis (außer der des Vorstellens).

Die Praxis des sich Vorstellens kann ganz gut tun, sollte aber regelmäßig zur angewandten Praxis führen, sonst gibt es nämlich auch keine Erinnerungen an die Praxis (des Plans), welche ebenfalls ganz angenehm sein können. Die Praxis als solche ist oft genauso beschwerlich wie in der Vergangenheit. Der Unterschied zum Alltag ist der, dass der die Dunkelheit des Horizonts aufgerissen wird. Man kommt einfach weiter.

Immer nur am gleichen Ort, tagaus, tagein, jahrzehntelang, das schlägt irgendwann negativ auf die Birne. Ich merke das recht gut, weil ich von klein auf immer auch woanders gewesen bin und dieses Woanderseins bis jetzt mehr oder weniger gepflegt habe. Immer so bin ich auf dem Friedhof und dort werde ich „so“ lange genug sein. Ich merke wie Leute, die echt noch nicht rausgekommen sind, große Sprüche klopfen, aber irgendwie recht schnell an ihre Grenzen stoßen. Ihnen fällt das nicht so auf, weil sie ja ihre kleine Zelle gewohnt sind, nie wirklich Platz und Raum hatten. Wenn man aber mal Platz und Raum gehabt hat, dann will man diesen auch immer wieder haben.

Und den besten Platz und Raum, den ich hatte, das war der unterwegs. Ob in Skandinavien oder auf endlosen Touren in Richtung Südosten. Eine Minimale Ausrüstung ist dabei immer anzuraten. Also nicht so eine Ersatzgebärmutter wie ein Wohnmobil oder Wohnwagen – dann kann man zuhause bleiben und weiterhin seine infantilen Träume träumen.

Man braucht freie Zeit. Zeit hat man sowieso, nur wird diese meist durch Arbeit und andere Müllhandlungen verbraucht. Und man braucht ein Team. Also ich brauche ein Team. Als Teamspieler braucht man ein Team, das ist logisch. Ich habe zwar ein ein Team, aber ein Teammitglied liegt lieber zuhause auf der Couch und ist für Abenteuer nicht zu haben, das andere Teammitglied ist anscheinend von meinen Plänen und Umsetzungen noch nicht so überzeugt; bleibt das dritte Teammitglied, welches in der Regel alles mitmacht. Auf das menschliche Teamitglied kann ich auf einem Roadtrip verzichten, auf das zögernde eher nicht, denn es ist ein gesundes Regulativ bezüglich einiger meiner Entscheidungen.

Also werde ich wohl die nächsten Wochen und Monate damit verbringen, dem wackeligen Teammitglied mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Letztlich ist das Alles jedoch eine Selbsterprobung. Es geht im Grunde darum, erstmal mir selbst auf den Zahn zu fühlen. Ich muss mich an das herantasten, an was ich meine Hunde herantasten lassen will. Der Scout sollte schon vorausreiten.

Da ist einiges zu trainieren:

1. das gemeinsame Abhängen an unbekannten Orten

2. die Gewöhnung an Entscheidungsfindungen in ungewohnten Situationen

3. die Nächte irgendwo und irgendwie zu verbringen

4. die veränderte Form der Nahrungszubereitung und -aufnahme

5. die Veränderungen der Wahrnehmung

6. die Gesamtschau auf sich ständig verändernde Umgebungen und Beziehungen zu diesen

Und vermutlich noch einiges mehr, was sich aber erst zeigt, wenn ich in die Praxis gehe.

In der nächsten Zeit ist erstmal Ausschauhalten nach Gelegenheit angesagt und wenn diese auftritt, sie auch zu nutzen. Es ist besser, 100 Kilometer in irgendeine Himmelsrichtung zu fahren, als hundert Mal vorgesteellt nach Portugal. Wie gesagt, Vorstellungen können gut und wichtig sein, aber allein, nur für sich sind sie letztlich Nichts.

Für einen Zickzackkurs durch Europa braucht man viel freie Zeit. Die habe ich im Moment nicht. Aber wenn ich mal wieder mehr freie Zeit habe, dann will ich wenigstens parat, bereit sein, diese in meinem Sinne zu nutzen. Also werde ich morgen einen Trip nach Lüneburg und zurück machen, mit Hunden und Anhang, auch wenn diese Fahrt eine Pflichtfahrt ist, weil ich einen Hund für eine Woche in Betreuung nehme. Aber egal, jede Ausfahrt ist Training. Und ich werde dabei mein Zögerlein genau in Augenschein nehmen und untersuchen, was da mit ihr los ist. So eine Schlappe mit ihr wie im Schwarzwald habe ich keinen Bock. Das werde ich dem guten Tier auch verständlich machen.

Und meine Ausrüstung muss ich optimieren. Ich brauche:

1. einen Küchenrücksack

2. einen Unterwegsrucksack

3. einen Beschäftigungsrucksack

4. eine Isomatte und einen Schlafsack

5. ein paar Klamotten

Das läuft auf drei Rucksäcke und eine Reisetasche hinaus. Daran werde ich die Tage mal eine bisschen herumwerkeln. Der ganze Krempel, den ich und die Hunde für einen oder mehrere Tage unterwegs brauchen, muss irgendwie auf einige Punkte zentriert werden. Und dafür bieten sich Rucksäcke hervorragend an.

Na denn, ab in die Zukunft.

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