Tapetenwechsel sinnvoll?

Ob das Verreisen sinnvoll ist oder nicht, das hängt natürlich vom jeweiligen Typen ab. Ich kenne Kranke, Angsthasen, Grenzdebile, Größenwahnsinnige und Selbstverblendete – diese Typen bleiben natürlich am besten zuhause und verlassen ihren Landkreis besser nicht. Natürlich gibt es noch ein Million anderer Gründe, um nicht zu verreisen, aber die muss sich der Leser hier einfach mal selbst überlegen. Das Folgende betrifft nicht den genannten Personenkreis und soll sich auch nicht mit ihm beschäftigen, da eine Reise ja auch dazu dient, diesen Menschen zu entfliehen.

Für alle anderen Menschen ist ein Tapetenwechsel, denke ich, essentiell. Kein normaler Mensch hält das Hamsterrad auf Dauer aus, ohne mental Schaden zu nehmen. Außerdem ist der Mensch in der Regel ein neugieriges Wesen, welches an immer dem gleichen Ort verödet und verblödet.

Und selbstverständlich braucht man Zeit, Geld und Gelegenheit, um es über den Tellerrand hinaus zu schaffen. Hat auch nicht jeder. Geschenkt. Ich denke selbst eine kleine Wanderung über zwei, drei Tage kann einem schon einen neuen, erweiternden Blick auf das Leben vermitteln.

Mein Trip in den Schwarzwald war im Grunde ein Nachgeben des Wunsches nach Tapetenwechsel, aber auch eine Art Experiment, ein Versuch, ein Test, um zu erleben, wie das denn ist, mal wieder on tour zu sein. Zuletzt war ich, wie berichtet, ungefähr 2008 in Schweden, allein mit einem Toyota Corolla. Das war eine spontane Reise, die innerhalb von 24 Stunden an den Start gebracht wurde.

Das Alleinreisen hat seine Nachteile, das Reisen mit einem Hund, der sich in der Fremde nicht bis schwer einlebt, ist allerdings auch nicht so toll. Dass Alina

derart versagt, hätte ich nicht gedacht. Sie wollte ums Verrecken nicht mehr als 300 Meter gehen, dann am besten zurück in die Unterkunft. Und das Tag für Tag – im Grunde ein Horror. Ich hätte sie vielleicht einfach zurücklassen sollen, aber allein in der Unterkunft wollte ich sie dann auch nicht verbleiben lassen. Ich muss darüber noch ein bisschen nachdenken, was es denn da war, was sie so unmotiviert sein gelassen hat.

Das war jetzt auch gleich ein ziemlicher Megatrip mit den Hunden. Zuvor ging es nach Wolfsburg, dort kennen sich beide aus und sie zeigten dort auch keine Auffälligkeiten. Das war jetzt ein 15 Stunden Ritt, mit den ganzen Rastplätzen, dann ein neuer Ort – wer weiß.

Meine Motivation mit Alina zu verreisen ist auf jeden Fall schon mal nahe dem Nullpunkt gesunken und ich habe keine Lösung. Mit Lea

ist alles kein Problem. Sicher ist sie etwas ängstlicher, aber so insgesamt kommt sie einfach mit. Sie hat im Schwarzwald und unterwegs auch nicht ein Mal rumgezickt. Sie ist aus anderem Holz als Alina. Lea ist mit mir zusammen und schon ist alles paletti. Das reicht ihr. Der Boss ist da, dann ist alles gut, mitmachen. Alina hingegen hat ihren eigenen Kopf und wird bockig, wenn ihr etwas auch nur im Anflug gegen den Strich geht.

Eine Lösung wäre, wenn die Unterbringung von Alina durch Dörti gesichert ist, dass ich Alina zuhause lasse und allein mit Lea auf Achse gehe. Aber das wird sich in der Zukunft alles klären.

Der große Pyrenäen-Trip ist jedenfalls erstmal in eine gewisse Ferne gerückt. Auch Zentralspanien sehe ich im Moment auch noch nicht unter meinen Füßen.

Es war gut, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, die Runden im Schwarzwald waren auch zufriedenstellend bezüglich dessen, was ich gesucht hatte; dass der Trip nicht ganz so lange gedauert hat, wie geplant, ist auch voll in Ordnung.

Ein Problem der Reise war ja auch die Unterkunft. Ich sage mal, ein paar hinterschwurbelige Badener als Wirtinnen, ein Garten, der so für mich und die Hunde nur sehr eingeschränkt bis gar nicht nutzbar war und eine Bude, die nicht so groß wirkte, wie beworben. Ein Zimmer konnte ich komplett abhaken und der Rest war einfach nur eng. Die Enge hat dann auch genervt.

Aber ich war nicht davon ausgegangen, mit der ersten Reise die ideale Unterkunft zu finden und dass alles glatt und problemlos verläuft. Dann wäre es ja kein Test, kein Experiment gewesen. Der Trip war aber, ganz klar von mir für mich im Vorwege Formuliert, der Auftakt für mehr, aus welchem ich Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen wollte. Und insofern hat, aus mehrer Hinsicht, diese Reise ihren Zweck vollkommen erfüllt.

Am wichtigsten ist eh, dass man so eine Runde heil übersteht und das ist der Fall – bis später, Ihr Jörg Baumann.

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