Reisebericht Schwarzwald 09.2021 Teil 4

Die Hunde sind am Pennen – nix da mit hoch um 11 Uhr. Gut so, ich lasse sie pennen, sollen sie sich ausruhen, sie werden sich melden, wenn es soweit ist.

05.09.2021

Die Tage vergehen. Das Wetter ist wunderschön, blauer Himmel. Geschlafen habe ich einwandfrei. Nachdem ich mich mit dem Einschlafen etwas schwer getan hatte, ging es dann richtig in die Tiefe. Heute Morgen weckte mich das Klackern von Alina Krallen auf dem Fußboden. Also anplünnen und los, die übliche Strecke. Lea hatte sich bald gelöst, allerdings nur so zwei Köttelchen. Also gingen wir noch auf die Golfrasenwiese hinter dem Haus. Dort ließ sie dann ein ordentliches Pfund ab. Alina war schon vorher dabei gewesen. Zu meiner Freude tobten die beiden dann noch eine bisschen herum, mit Knurren und einer jagt den anderen. 

Ich bin heute morgen etwas groggy aufgewacht. Der gestrige Fußmarsch war also doch nicht so ganz ohne. Wie wir gestern zurückgekommen waren, saßen ja die Wirtin und ein großer, einheimischer Anhang am Lagerfeuer und ließen es sich gut gehen. Dort hätte ich mich unmöglich dazusetzen können. Wie ich vorhin den gleichen Platz, nun verlassen, aufsuchte, kam ich mir ein bisschen seltsam vor. Wäre die Grundlage für eine rührende Geschichte. Der, der nicht dazugehört, sucht am darauffolgenden Tag die Stätte des Jubels und der Heiterkeit auf, um wenigstens ein bisschen daran teilzuhaben.

Naja, ganz so schlimm war es nicht. Die Feier verlief auch sehr gesittet, ohne die Spitzen besoffener Volltrunkenheit und war um 21.30 auch Geschichte. Scheint ein guter Haufen zu sein.

Mit den Hunden habe ich heute bis 13 Uhr oder so Silencium geplant. Falls Alina wieder ihre Anwandlungen bekommt und meint, um 11 Uhr in Bewegung zu geraten, dann werde ich nur kurz mit ihnen runtergehen, vielleicht in den Garten schauen. Danach wieder Silencium und dann mal zur gewohnten Zeit testen, ob Alina die ersten paar hundert Meter wieder so bockig unterwegs ist. Kann spannend werden.

So langsam habe ich das Gefühl, dass meine Tage hier gezählt sind. Sind sie ja auch, waren sie von Anfang an. Mittwoche ankommen, Donnerstag aklimatisieren, Freitag die erste Runde und Samstag die Bestätigung des Freitages. Heute ist Sonntag. Gut, den kann ich noch voll nutzen, den Montag ebenso. Am Dienstag können wir auch noch normal durchs Gestrüpp laufen, allerdings heißt es dann schon packen und verladen. Am Mittwoch werde ich dann in Ruhe ausschlafen, mit der aufgehenden Sonne die Hunde versorgen, den Rest packen und Abfahrt.

Vor der Strecke habe ich ziemlichen Respekt, vor allem was die Länge betrifft. Aber ich werde mir, wie auf der Hinfahrt, eine Kanne Kaffee für unterwegs kochen, ein paar Reste an Verpflegung werde ich noch haben und ansonsten kann ich mich an den Autohöfen versorgen, die wirklich einwandfrei sind. Sie bieten günstigen Diesel und eine halbwegs brauchbare Ernährung. So werden wird über die Runden kommen, denke ich, hoffe ich.

Bei der Beurteilung meiner action des Trips in den Schwarzwald und meines hier Verweilens muss ich bedenken, dass ich im vorletzten Monat auf Kante gearbeitet habe und im letzten noch etwas darüber hinaus. Einen Tag vor der Abfahrt um 01.30 Uhr, habe ich noch bis 6 Uhr in der Früh gearbeitet. Und da ich zuhause keine Bäume ausreiße, gibt es auch keinen Grund, dies hier zu tun. Ich habe einfach keinen Bock durch die Gegend zu fahren. Die Anfahrt zur Unterkunft, die letzten zehn Kilometer, waren wunderbar, keine Frage, aber ich muss mir das jetzt nicht wieder und wieder geben. Erstens stehen die Hunde nicht drauf und ich bin nicht zum Autofahren hier runter gekommen, sondern um ein bisschen durch die Gegend zu wandern, ganz in Ruhe, in meinem Tempo, von Umfang und der Anstrengung so, wie es mir gut damit geht. Und das hat bisher einwandfrei gepasst.

Ich stelle mir natürlich die Frage, ob ich so weit in den Süden fahren muss, um angenehme Wanderverhältnisse zu haben. Es ist doch ein ziemlicher Ritt hier runter, so oder so. Aber was ist die Alternative? Mecklenburg, da kann ich Kurztrips unternehmen, so für einen Tag. Landschaftlich finde ich es dort jedoch tendenzielle megaöde. An die Ostsee zu fahren ist auch nicht so mein Ding, zum Einen herrscht da im Sommer eine Invasion und ansonsten mag ich die Küste nicht. So ein bisschen Wasser ist in Ordnung, aber schon die Hinterküstenlandschaft versetzt mich in den Tiefstschlaf. Küste ist nichts meins.

Bietet sich der Harz an. Ich denke, das ist die realistischste Alternative, zumal ich im Jahr nicht dauernd 14 Tage am Stück frei habe. Der Teuteburger Wald, das Rothaargebirge und der nördliche Westerwald wären weitere Möglichkeiten, die Eifel, der Taunus und der Vogelsberg wären ebenfalls Orte, die anzufahren lohnen könnte.

Aber jetzt bin ich erstmal hier im Schwarzwald. Ich werde keine Autotouren unternehmen, keine Schluchsee, kein Fichtelberg, weil ich hier genau das habe, was ich gesucht habe, vor Ort und das in einem Umfang, den ich zu Fuß kaum Ansatzweise bewältigen kann. Ich kenne meine Hunde, nach zwei Stunden fragen die schon, wann es nach Hause geht und nach dreieinhalb, vier Stunden wollen sie schlafen. 

Wichtig ist, dass ich meine freien Tage nutze, um einfach mal andere Orte anzufahren. Ist zwar Mecklenburg, aber besser als nix. Wie heißt es: Im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste auswählen. Wenn ich mal eine Woche oder fünf Tage frei habe, dann sollte ich wohl mal den Harz ins Auge fassen. Dort gibt es sicher auch ruhige Ecken und für Wanderer erschlossen ist er allemal. Ich glaube, dass mich selbst die toten Bäume nicht abschrecken, Hauptsache keine Leute, die mir unnötig oder allein schon durch ihre Anwesenheit auf den Sender gehen.

Ich glaube, ich werde mit dem Harz anfangen. Selbst der ist, von Neustadt-Glewe aus, ein gutes Stück entfernt. Das ist nicht so wie von Wolfsburg aus, meiner alten Bleibe, wo man jetzt mittels Schnellstraße in nullkommanix im Harz ist. A39, A 36, A369 und schwubbs ist man im Harz, von Wolfsburg aus. Und vielleicht ist es besser, von Neustadt-Glewe über Wolfsburg und die folgenden Autobahnen in den Harz zu fahren, als über Hamburg und Hannover. Zum Einen ist letztere Wahl ein Umweg und die Autobahn von Hamburg raus nach Hannover ist so ungefähr ziemlich das Allerletzte.

Aber das muss ich ja nicht jetzt entscheiden. Von Neustadt-Glewe nach Wolfsburg sind es ungefähr drei Stunden, mit Pausen. Von Wolfsburg nach Bad Harzburg schätze ich mal auf eine gute Stunde Fahrzeit. Also in vier Stunden wäre das zu machen.

In meiner Gegend, Neustadt-Glewe, da gibt es echt nur Äcker, abgelöst durch ein paar Flecken Stangenwald. Im Grunde hat dieses Umfeld für mich nichts zu bieten, also gar nichts. Kennt man einen Flecken, kennt man alle Flecken. Ziemlich öde und ich bin etwas ratlos dahingehend, was mich motivieren sollte, nicht die Flughafengassirunde zu gehen. Vielleicht sollte ich mich auf Gewässer spezialisieren.

Im Vergleich zum Mecklenburg ist der Schwarzwald landschaftlich und von den Wegen her das Paradies. Soviel steht fest. Aber die Strecke hier runter zu fahren ist echt an act. Also werde ich mich wohl auf den Harz konzentrieren.

Trotzdem brauche ich irgendwie einen Aufhänger, der mich losfahren lässt, unabhängig vom bloßen Losfahren. Letztens sah ich einen Film, das fuhr ein Typ meilenweit durch Deutschland, um Meilensteine aufzusuchen. Gut, er war von Beruf Landschaftsvermesser oder sowas, da kann ich das verstehen. Eigentlich ist es jedoch egal, was einen in die Ferne treibt. Einige besuchen Kirchen, andere Schlösser und Burgen, wieder andere stehen auf Flüsse und Bäche, Museen, was weiß ich – ist ja egal, die Hauptsache ist, man bekommt seinen Hintern in die Höhe.

Das Motiv ist gefragt, ich brauche ein Motiv, außer einfach durch die Gegend zu fahren, denn dafür ist Mecklenburg einfach zu flach, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Zumindest das, was ich von Mecklenburg kenne. Die Strecke nach Neubrandenburg sah einigermaßen zumindest etwas versprechend aus. Aber als Motiv reicht das nicht. Ich bin halt an Landschaften interessiert, und die ist in Mecklenburg immer gleich – flach, Äcker, Stangenwaldflecken, aus, fertig, Ende Gelände.

Von Wolfsburg aus kann man immerhin noch in den Elm fahren. Der ist zwar maximal 320 Meter oder so hoch, aber immerhin etwas und dort gibt es einen Ort, der durchaus an eine Gebirgslandschaft erinnert, mit Bach und Wiesen und Anhöhen. In Mecklenburg gibt es nur Äcker und Stangenwäldchen und mürrische bis doofe Mecklenburger. So sieht’s aus, thats the facts.

Nichtsdestotrotz muss ich versuchen, das Beste daraus zu machen. Motiv! Mir fehlt ein Motiv! Von mir aus können es auch mehrere sein, aber eines würde mir ausreichen. Die Landschaft ist schon mal kein Motiv, denn die ist in Mecklenburg schrecklich bis katastrofal. Da gibt es keinen Irrtum. Ein Motiv könnte sein, die am wenigsten schreckliche Landschaft zu suchen.

Aber das ist echt ein wenig aufbauendes Ziel. Kirchen hätte ich als Zielorte noch akzeptieren können, wenn ich noch Kirchenmusik machen würde. Aber da ich mit meinen Hunden unterwegs bin, meine Flöten jetzt sozusagen meine Hunde sind, muss ich da etwas umdisponieren. Und Kirchen sind, ehrlich gesagt, nicht gerade der Ort, um mich irgendwie positiv aufzubauen, von der Akustik während des Flötenspiels mal abgesehen. Meist sind sie düster, kalt und deprimierend, nee, nix gut.

Auch wenn es hier auf ein Mecklenburg-bashing hinausläuft – landschaftlich gesehen könnte man dort auch Schrottplätze als Zielorte auswählen, um eine brauchbare Alternative zu haben :):):)

Aber gut, das mag zwar lustig sein, hilft mir aber nicht weiter. Ich stecke fest. Wenn ich an Mecklenburg denke, dann denke ich zwanghaft an Äcker, Stangenwäldchen und mürrische bis doofe Mecklenburger.

Was soll ich tun? Auf Anregung von anderen warten? Das kann ich vergessen. Die Anregungen von anderen diesbezüglich waren bisher immer der totale Flop, brauche ich nicht, hilft mir nicht. Keine Chance.

Andere fliegen auf einsame Inseln, zum Beispiel nach Isla de la Palma (Canarische Insel), um dort zu wandern und der Einsamkeit zu frönen. Der Flecken ist ganz o. k., aber um dorthin zu kommen, müsste ich fliegen und Fliegen ist für mich passé. Aber immerhin kommen solche Typen mal raus. Also, was tun? Die ganze Küstenregion verbietet sich für mich, weil ich es dort zum Kotzen finde und vom Gefühl her rundherum ablehne.

Ich kann hier meinen Kopf aufstützen wie ich will, Kaffee trinken soviel ich will, eine Zigarette nach der anderen rauchen, aber mir fällt für Mecklenburg einfach kein Motiv ein, für das es sich lohnt den Motor des Autos anzuwerfen. Wobei ich meinen Ford liebe, ein prima Wagen. Ein starker Motor, viel Platz und Komfort. Aber ohne Motiv? Es ist zum Verzweifeln. Aber wenn ich meine Sinne und mein Denken weiter in die Richtung der Motivsuche und Motivfindung lenke, dann habe ich vielleicht irgendwann einen Treffer. 

Meist kommen solche Einfälle zwischendurch, so zack und dann stehen sie da vor dem geistigen Auge, kristallklar wie ein Hochgebirgssee.

Im Moment habe ich nur den Raum hier, die Schnaufis, die schnatternden Gäste und Wirte im Garten, wo aktuell die Ponys grasen. Nun gut, das muss reichen. Das Problem ist echt, dass sobald ich an Mecklenburg denke, mir ausschließlich diese beschissenen Äcker und Stangenwäldchen den Kopf verstopfen. Habe ich diese mühsam beiseite geschoben, dann betreten sofort die mürrischen bis doofen Mecklenburger die Bühne. Und wenn ich die auch noch weggetreten habe, dann fällt mir nix mehr ein. So sieht’s aus, ein Trauerspiel, würde mein Vater gesagt haben.

Ein mögliches Motiv könnte sein, die am wenigsten besiedelten Orte Mecklenburgs zu suchen. Gebe ich bei Google ein „verlassene Orte Mecklenburgs“, dann kommen wirklich verlassene Orte als Treffer – Geisterdörfer sind aber auch nicht gerade das, was mich aufbaut. In dem, ich fasse mal zusammen: landschaftlich beschissenen Mecklenburg auch noch verlassene Dörfer aufzusuchen, das ist ungefähr so, als eine Leiche zu schänden. Muss ich auch nicht haben.

Die Lüneburger Gegend sieht vom Satellit aus anziehend aus, aber auf Lüneburg und Umgegend habe ich auch keine Lust. Zu lange dort gewohnt. Müritz und seine Seen könnten auch was sein, aber da sehe ich die Millionen Touristen mit Fahrrad und Gebärmutterfahrzeugen, da bekomme ich auch einen Anfall.

Meine kurze Recherche eben hat ergeben, dass die Mecklenburgische Seenplatte das Naheliegenste sind, wenn es darum geht, mal ein paar Tage die Ortschaft zu wechseln. Die Angebote auf meiner Internetseite sind reichhaltig und tendenziell kostengünstig. 

Der Plan ist folgender – die Mecklenburger Seenplatte ist auch für Kurztrips geeignet. Das Angebot scheint relativ reichhaltig zu sein. Ich darf mich einfach nicht auf irgendeine Hütte einschießen und glauben, dass ich dort den Rest meiner Tage verbringen werde, sondern einigermaßen geeignete auswählen, buchen und gut. 

In der Realität zu bleiben schützt davor, mich in Tagträumen zu verlieren und den Hintern überhaupt nicht hoch zu bekommen. Sicher sind Südtirol, die Pyrenäen und Zentralspanien weiterhin die Ziele der Wahl, aber dafür brauche ich Zeit. 

Die Nummer mit dem Schwarzwald ist ja mehr oder weniger aus der Not geboren worden. Ich wollte, musste und konnte raus, wohin also? In den Schwarzwald. Dort war ich schon, das klang vielversprechend und war bisher auch o. k. so. Die lange Anfahrt ist halt das Problem. Mal eben so hier runterkurven ist nicht. Schon gar nicht mit Dörti. Und die Hunde können sich bestimmt auch Besseres vorstellen.

Südtirol ist vergleichbar zu machen, wie der Südschwarzwald. Die Pyrenäen sind da schon aufwendiger. Dafür brauche ich mindestens 14 Tage Zeit. Aber ich bin ja erst am Anfang, mal schauen wie es weitergeht.

Aktuell pennen die Hunde, Alina hat noch keine Anzeichen gemacht irgendeine action zu bringen, gut so.

 

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