Reisebericht Schwarzwald 09.2021 Teil 3

Immer noch der 03.09.2021 – der Tag neigt sich dem Ende zu. Irgendwo auf einer Wiese tuckert noch ein Traktor, in der Wohnung nebenan wird noch etwas getobt, alles friedlich. Dass Alina so bockig war, ging mir etwas auf die Nerven. Lea war munter und würde überall mit hin kommen. Der Vorteil von Alinas Verhalten ist, dass sie mich vor Übermut schützt und nach wie vor die beste Pausenzeitentscheiderin und Pausenplatzfinderin ist.

Das Eine ist ohne das Andere vermutlich nicht zu haben. Aber sie ist ja heute mitgekommen, wenn auch mit viel Gezeter. Morgen werde ich sie wortlos mitziehen. Die Hunde brauchen eine Eingewöhnung und Erholung nach einer Anfahrt von 850 Kilometern, aber irgendwann geht’s halt weiter. Und ich bin schließlich auch noch da. 

Ist halt so eine Gemengelage, durch die ich irgendwie hindurch muss. Leider habe ich den Kollegen zuhause versprochen, eine Ansichtskarte an sie zu schreiben. Leider deshalb, weil ich keine Lust verspüre, mein Auto hier auch nur einen Milimeter mehr als absolut notwendig zu bewegen. Das Fahren in den Bergen macht mir keinen Spaß. Die Aussichten sind zwar klasse, aber als Fahrer muss ich auf die Straße schauen und die Kurven und Steigungen erfordern erhebliche Konzentration, vor allem dann, wenn man die Strecke nicht kennt.

Bei meiner Zigarette ist mir eben eine Idee gekommen, welche das Problem vielleicht löst. Ich werde die Wirtin ansprechen und ihr sagen, dass ich eine Postkarte brauche, eine Briefmarke und jemanden, der sie in den Briefkasten wirft. Dazu werde ich meine absolute Unlust mein Auto zu bewegen einzuflechten versuchen – mal schauen. Auf jeden Fall versuchen. Dann wäre das nämlich auch erledigt. Ich habe nämlich echt null Bock auf Ort und Straßen und Parken und Leute und Geschäfte und suchen usw. Null!!! Also, es muss klappen.

Mit meinen Lebensmitteln müsste ich bis Mittwoch hinkommen. Ich esse erheblich weniger, als zuhause. Dieses Vielessen ist eh für den Eimer. Was weiß ich. Hier esse ich tendenziell dann, wenn ich Hunger verspüre. Und auch den verspürte ich bis jetzt nur so halbgar. Richtiger Hunger ist mir einfach fremd. Das ist zwar ganz gut so, aber so fettwanstig durch die Gegend zu laufen, das kann es auch nicht sein.

So, ich glaube einer meiner mobilen Akkus lädt sich nicht mehr auf, kann aber auch sein, dass er lange braucht. Ich ahne nichts Gutes. Aber ich habe ja noch einen Reserveakku. Die Akkus sind wichtig für mein Telefon, das brauche ich nämlich für die Navigation zurück nach Hause. Ich habe keinen Bock auf Karte-Glotzen.

04.09.2021

19.26 Uhr – was für ein Tag. Im Grunde wie immer: Früh aufstehen, mit den Hunden einen kurze Gassimeile (wobei Alina sie gerne noch kürzer gehabt hätte), zurück, eine kleines Frühstück. Um 11 Uhr meint Alina Aktion bringen zu müssen, also Geschirr an und los. Die Runde von gestern in leicht verkürzter Version, Abendessen, Youtube Filmchen (Helmut aus Thailand) und schlafen.

Puhu, ich habe wirklich tief und fest geschlafen und das geschlagene zwei Stunden. Und obwohl die Runde verkürzt war, merke ich sie noch jetzt im Körper.

Eines der über mir schwebenden Probleme war ja meine Zusage an jemanden zuhause, dass ich eine Postkarte verschicken würde. Also fragte ich heute morgen die Wirtin, wie es damit stünde und siehe da, sie hatte noch ein paar alte Postkarten und erklärte sich auch bereit, für das Porto zu sorgen. 

Das war sozusagen die Sensation des Vormittages. Bei dem Versuch, den Weg von gestern abzugehen, diesmal ohne die Zweifel, ob ich auf dem richtigen Weg sei, stellte sich Alina wieder bockbeinig hin und glotzte doof aus der Wäsche, wollte nicht weiter. Immer wieder musste ich sie weiterziehen, wobei sich meine Stimmung wieder und wieder verfinsterte. 

Ich habe keine Ahnung, was sie dazu veranlasst, so unlustig unterwegs zu sein. Zuhause, da bekommt sie fast Anfälle, wenn es mal nicht die komplette Runde um den Flughafen gibt, hier fängt sie nach zweihundert Metern an zu bocken. Vorgestern, gestern und auch heute. Keine Ahnung was sie bewegt. Immerhin meinte sie im Talgrund, dass wir einen anderen Aufstieg wählen wollten, wofür ich mich bereit erklärte, wobei mir die Abkürzung trotzdem etwas gegen den Strich ging. 

Aber siehe da, der Aufstieg war viel schöner als der, den wir zuletzt gegangen waren,

allerdings auch steiler. Auf dem Hauptweg angekommen war ich ziemlich fertig. Und zuhause angekommen war ich mir bewusst, dass die Runden nicht länger werden dürfen, sich also in diesem Rahmen halten sollten. Das Auf und Ab hat doch seine eigenen Gesetze.

Nach der Wanderung gab es erstmal eine ordentliche Portion Essen für alle und wie erwähnt, den wohlverdienten Schlaf. Heute sind hier ein paar Gäst abgereist und die Wirtin und deren Frau nutzen vermutlich die Gelegenheit, lustig am Feuer mit Freunden aus der Umgebung einen Grillabend zu veranstalten. Der Jäger ist auch da.

Natürlich schaute und schaue ich ein wenig sehnsüchtig auf die lustere Runde, aber so wie ich bin, wäre ich da sicher der Stimmungskiller und so richtig Bock auf eine Fleisch- und Bierrunde habe ich eh nicht.

Ich sitze jetzt hier an meinem Maschinchen und gleiche meine Wasserhaushalt aus. Die kleine Gassirunde vorhin, hätte Alina am liebsten wieder allerkürzest gestaltet – wir hielten sie kurz. Vielleicht gehe ich nachher noch mal in den Garten, wenn die fröhlichen Feuersitzer denselbigen verlassen haben. Könnte aber spät werden.

Am Mittwoch bin ich hier angekommen, heute ist Samstag. Mal schauen wie es mir morgen geht, gerne würde ich wieder die bekannte Runde anschneiden, aber vielleicht wähle ich mal eine etwas crossigere Route durch den Wald, also so einen Halbweg, der eigentlich nur von schweren Forstfahrzeugen befahren wird.

Da ich genug Essensvorräte mitgenommen habe, muss ich nicht in ein Dorf fahren, worauf ich echt keine Lust habe. Allein die Fahrerei – früher hätte ich das unter Heldentat abgetan, aber heute ist mir das Material lieber als die Kurverei. Ich erinnere mich an unsere Überquerung des Apenningebirgszuges in Italien – das war gefühlt 70 Kilometer im zweiten Gang bergan und die gleiche Länge imm zweiten runter. Mit Kurven, die sich um ungefähr 360 Grad eindrehten. Das war echt am Limit. Die Alpenbrennerstraße bin ich auch schon hoch- und runtergefahren, das Atlasgebirge mittel Pass überquert – also die Kurverei ist mir nicht ganz neu. Scharf drauf bin ich dennoch nicht.

Deshalb bin ich froh, dass sich die Wirtin um die Post kümmert. Und ich bin auch froh, dass sie so fröhlich am Feuer mit dem Grillgut sitzen können, die Hunde dabei. Mich freut, wenn sich die Menschen freuen, dann gehen sie mir nämlich nicht auf den Sender.

Morgen ist Sonntag. Da werde ich wie üblich morgens die Hunde und mich ausführen, danach ein wenig abschlaffen und vielleicht etwas später losgehen. Unsere normale Losgehzeit nach der Morgengassirunde ist nämlich um 14 Uhr herum. Manchmal auch um 13 Uhr, aber nie um 11 Uhr. Also werde ich, wenn Alina morgen um 11 zum Tanz auffordert, ein bisschen mit ihnen runtergehen, mit der sicheren Erwartung, dass Alina gleich wieder zurück will. Dem werde ich dann auch nachgeben und schauen, wie sich das Ganze um 14 Uhr verhält.

Auf den Fotos, die ich gemacht habe, sind fast nur Wege. Wege, Wege und nochmals Wege mit Bäumen und Büschen rechts uns links. So liebe ich es. Gut ausgebaute Wege, endlos lang, mit vielen Variationsmöglichkeiten. Im Tal ein Bach und eine gescheite Quelle mit Säufe – das finde ich einwandfrei. 

Und es läuft da draußen einfach kaum jemand rum. Dem Forstarbeiter und seiner Monstermaschine bin ich zwei Mal begegnet, mal habe ich aus der Ferne irgendwelche Clowns mit Golden Retriver gesehen, vermutlich aus Zürich, und das war’s gewesen. Keine blöden Radler, keine blöden anderen Gassigänger, niemand, der seinen Hund mit dem Auto Gassi führt, keine Autos (obwohl heute es die Schotterpiste runter ist, als nähme er an einer Rally teil), keine Jogger, keine blöden Spaziergänger, keine Motorradcrosser, niemand aus der Simson-Clique, keiner von denen. 

Das ist, im Vergleich zu den Strecken die ich in meiner Umgebung zuhause habe, die reinste Wohltat. Zwar ist der Wald hier Fichtenstangenwald, aber er kommt nicht ganz so rüber wie die Gitterstäbe im Knastfenster, wie die Waldkiefer in Norddeutschland. Vor allem gibt es hier Fichten, die mehr Jahre auf den Buckel haben, als alle Waldkiefern am Neustadt-Glewener Sportflughafen zusammen.

Na denn. so war der Tag. Ich werde jetzt noch ein Zigarettchen rauchen gehen, vorher noch den Text hochladen und gut.

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