Reisebericht Schwarzwald 09.2021, Teil 1

Schwarzwald, Bonndorf, 01.09.2021 – 08.09.2021

Ein holpriger Start

Seit Jahren fühle ich mich etwas unwohl. Immer am gleichen Ort, wenn ich mal ausfuhr, dann nach Wolfsburg oder Kiel oder Garlstorf, wenn ich mal wegflog, dann in die Türkei, nach Mallorca oder die Canaren.

Alles öde und nicht mehr meins. Dem Fliegen haben ich seit 2019 sowieso abgeschworen, da ich nicht mehr ohne meine Hunde verreisen werde. Mein Versuch, mit den Hunden unter freiem Himmel im Wald zu übernachten hat sich bis jetzt auch nicht verwirklichen lassen. Mein letzter Versuch in diese Richtung landete auf der Rasenfläche eines Gehöfts in Tempel oder Krempel, irgendwo bei Lüneburg, wo ich bei der Abfahrt meinen Mitsubishi an eine Birke setzte. 

2020 und 2021 war nicht groß verreisen, weil Corona alles verbat. Zum Kotzen, aber vielleicht auch die Voraussetzung, um vor ungefähr zwei oder drei Wochen auf die gloreichen Idee zu kommen, in den Schwarzwald zu fahren, mit meinen beiden Hunden. 

Die Unterkunft, in welcher ich zwei Sommerferien als Kind mit meinen Eltern die Zeit verbrachte, ein Bauernhof bei Wolfach im Mittelschwarzwald, war für den September ausgebucht; eine zweite Unterkunft, die Dörti schon mal frequentiert hatte, ebenfalls. Mein Versuch, im Nordschwarzwald, bei Bad Herrenalb eine Unterkunft zu besorgen, scheiterte an der Anzahl und Größe meiner Hunde. 

Vor ein paar Tagen stieß ich dann auf eine brauchbare Internetseite, die Unterkünfte speziell auch für Hunde anbietet. Dort fand ich eine bleibe im Südschwarzwald, der Kontakt war schnell hergestellt und der Termin innerhalb von 24 Stunden gelegt. 

Nun ist die Reise gebucht und bezahlt, übermorgen um zwei Uhr in der Früh soll es losgehen. Die meisten Dingen habe ich parat, morgen noch einkaufen und dann kann es losgehen. Einen geeigneten fahrbaren Untersatz habe ich, Musik, Tabak und ein paar Kröten ebenfalls. 

Diese Reiseplanung hat mich angeregt, weitere Reisedanken zu fassen. Die Reise in den Schwarzwald soll der Auftakt für weitere Fahrten in Richtung Süden sein. Ich würde gerne nach Südtirol fahren, in die Pyrenäen und nach Zentralspanien – mal schauen. 

01.09.2021

01.30 Uhr Abfahrt, kaum geschlafen,

wollte musste einfach los. 16.30 war ungefähr am Ziel. 15 Stunden action. Viele Stops auch an schönen Stellen.

 

Die Hunde waren prima. Jetzt fühle ich mich etwas einsam. Die Straßen im Schwarzwald erfordern viel Konzentration, mehr noch als die Autobahn. Und das Auto wird stark beansprucht.

Heute nur ausgeladen, ein paar Chips und Cracker gegessen und mit Alina und Lea noch ein paar Schritte gegangen. Die beiden sind müde und erschöpft. Alina zeigt mir deutlich, was ist, wie es ihr geht, was sie will, was nicht und ob ich entscheiden soll. Lea freut sich, sammelt Eindrücke und ist happy dabei zu sein.

Den Oldtimergedanken werde ich nicht umsetzen. Mit so einem Teil sieht man bei einer Reise wie meiner kein Land, keine Chance. Mathias hat mich auf meine Einlassung entgeistert angeschaut. Der Ford ist gut und erhaltenswert.

02.09.2021

Der Ritt quer durch Deutschland war interessant. Ich machte die Erfahrung, dass die Autobahnen nie, also nie fertig sind; ungefähr so, wie der Kölner Dom. Baustelle reiht sich an Baustelle, ab und zu ist freie Fahrt und der Belag der Bahnen ist sehr verschieden. 

Die Raststätten ähneln zum Teil total verschissenen Müllhalden, zum Teil sind sie ordentlich, einige richtig heimelig. Gerade im Süden, ab dort, wo die A7 in die A81 übergeht, scheinen die Menschen mehr Wert auf Sauberkeit zu leben. Aber vielleicht sind die Strecken dort einfach nicht so frequentiert. 

Von Neustadt-Glewe ging es mit der Autobahn, aber die Strecke in Richtung Hannover ist vom Belag her unterirdisch. Ansonsten ging es, bis auf einen Teilabschnitt der A81, der mich an alte Reichsautobahnen erinnerte.

Alina und Lea haben die Fahrt ganz gut überstanden. Wir haben viele Pausen gemacht und uns dabei Zeit gelassen. An der Fulda bei Kassel stiegen wir eine Anhöhe hinauf und genossen die Frische des Morgens.

Selbst das Kurvenkarussel auf den letzten Kilometern bis zur Zielankunft, das Hoch und Runter, haben sie ohne Kotzen ausgehalten. Nach unserem Morgenspaziergang liegen jetzt beide auf der Couch und machen Silencium.

Der Morgen ist klar und frisch, keine Wolke am Himmel. Heute fühle ich mich etwas beruhigter. Gestern Abend kam ich mir doch ganz schön verloren vor. Aber das gehört dazu, wenn man nur mit seinen Hunden auf Achse ist. Und ich habe ja Alina und Lea, bin also nicht allein. Außerdem sind hier im Haus auch Menschen, im Dorf und überall, also die Einsamkeit schlechthin ist das hier nicht. Ist auch gut so.

Die Fahrt war doch langwieriger als ich ich angenommen hatte. Rund 15 Stunden waren wir auf der Piste und haben, bis auf die Pausen, nicht getrödelt. Wie ich schon andeutete, ist ein Oldtimer, um im heutigen Straßenverkehr mitzuhalten, vollständig ungeeignet. Der Ford hat echt gute Dienste geleistet. Der Motor ist stark genug, schwächer dürfte er allerdings nicht sein. Und unter 1500 Touren braucht er einen Tritt in den Hintern. Ansonsten bin ich sehr zufrieden und hoffe, dass er mich eine Weile begleitet.

So aus dem Hamsterrad oder dem Rattenrennen geworfen, ja katapultiert, muss ich mich erstmal orientieren, wie es so mit mir und den Hunden läuft. Aber ich bin ja nicht völlig aus der Welt. Der Ryhthmus ist ja da, schon allein wegen Alina und Lea. Morgens hoch, kleinen Spaziergang, fressen, schlafen – so sieht es aus. Dann geht es nach der Mittagszeit auf eine größere Runde, fressen, schlafen. 

Mal schauen, wie sich das hier gestaltet, vermutlich ähnlich, mit einigen neuen Elementen, vor allem neuen Gerüchen für Alina und Lea. Die mussten auch mal raus. Schon die Fahrt hierher mit den Raststätten, dann die Gerüche vor Ort, das rüttelt die Sinne wach. Meine übrigens auch, wenn auch etwas zähflüssiger.

Langsam merke ich, dass das Leben voranschreitet, egal ob im Schwarzwald oder Mecklenburg. Und egal auch ob ich im Arbeitsrhythmus bin oder im Urlaub. Die Zeit läuft. Und das ist auch gut so, soll sie laufen, lach ab.

So, kleines Frühstück und fortgesetztes Studium der Unterkunftsgegebenheit bezüglich Müll usw.

Das Wichtigste ist, dass man ab und zu den Arsch hoch bekommt. Tage, ja Wochen habe ich davon in Tagträumen geschwelgt, wie toll es wäre, endlich mal wieder auf die Piste zu kommen, raus aus dem Alltagstrott, hinein in Ferne. Als es dann losging, war es auch gut so. Eine halbe Stunde früher als geplant, aber genau richtig. 

Unterwegs muss ich dann immer aufpassen, dass ich den Ball flach halte und mich nicht über irgendwas aufrege, was nicht aufregenswert ist. Ganz besonders gilt das für die Ankunft und die erste Bewertung der Unterkunft. Die Bude hier ist etwas in die Jahre gekommen, aber im Grunde genau nach meinem Geschmack. Die Küche und das Bad sind superclean, der Rest ist rustikal und ebenfalls sehr sauber. Ich mag es sauber, obwohl ich auch das verstaubte Chaos liebe. 

Die Hunde liegen beide auf der Couch und verarbeiten die letzten Erlebniss. Gut so.

Nochmal zur Ankunft – wichtig ist, dass ich erstmal ankomme und die Dinge verarbeite. Meist ist die Bewertung der Unterkunft lediglich eine Verschiebung der innerlichen Befindlichkeit auf die Umgebung. Alina und Lea fühlen sich offensichtlich ganz wohl, also ist alles o. k. 

Ich bin hier halt auf mich zurückgeworfen und habe Alina und Lea als Begleiterinnen. Das ist eine Erfahrung, die ich so noch nicht über einen längeren Zeitraum erleben durfte. Mir war, neben dem Tapetenwechsel, wichtig, mal 24 Stunden mit den beiden Clowns abzuhängen und neue Erfahrungen zu machen. 

Was ist bemerke ist, dass mich das Fehlen einer vorgegebenen Struktur, wie ich sie zuhause tagtäglich erleben, etwas verunsichert. Ich frage mich oft, was kommen wird, was ich machen werde, wovor ich Angst habe usw. Dabei brauche ich die Zeit einfach nur laufen lassen, der Rest findet sich. 

Wichtig ist, ab und zu den Arsch hoch zu bekommen. Jetzt bin ich endlich dort, wo ich sein wollte. Im Grunde ist das auch eine Art Testfahrt, denn eigentlich möchte ich gerne in die Pyrenäen, nach Zentralspanien und nach Südtirol. Zuletzt auf Tour war ich ungefähr 2008, also vor 13 Jahren, in Schweden, allein, mit em Toyota Corolla. Das war eine interessante Erfahrung, derart, dass ich mich noch recht genau an vieles dieser Fahrt erinnere. So gemeinsam unterwegs geht doch vieles den Bach runter. Allein mit zwei Hunden ist das für mich mal was Neues. Ganz allein finde ich irgendwie doof. Mit einem anderen Menschen frisst sich einfach zuviel Geblubber und Alltag ins Geschehen, da kann ich auch zuhause bleiben.

Im Grunde soll diese Reise nur der Auftakt zu einer kleinen Veränderung meinerseits werden. In gewisser Weise ist der Anfang schon gemacht, nun geht es weiter. Anstatt dauernd kleine Dinge im Internet zu kaufen, Bücher, Schachspiele, Klamotten etc., von denen ich mehr als genug habe, bis an mein Lebensende sozusagen, will ich dieses Geld künftig sparen und damit kürzere und längere Reisen bezahlen. Darauf habe ich zurzeit richtig Lust.

Alina und vermutlich auch Lea müssen sich von der gestrigen Tour erholen. Ich war zweimal los mit den beiden, aber Alina wollte nach ein paar hundert Metern und nachdem sich alle 🙂 gelöst hatten, wieder zurück. Jetzt liegen sie faul auf dem Sofa und dösen vor sich hin.

Ich habe mal gelesen, dass Hunde ungefähr 24 Stunden brauchen, um sich von einer langen Autofahrt mit all den Eindrücken zu regenieren. Natürlich richte ich mich da nach den Hunden.

Jetzt habe ich endlich eine Ortsumgebungswanderkarte, ich weiß wo der Geldautomat und der Edeka sind (Bonndorf) und habe mir erstmal einen Kaffee gemacht. Das Gute ist, ich bin nicht von außen gezwungen, irgendwelche Sensationen zu realisieren. Die Fahrt hierher war für mein Befinden schon ziemlich sensationell. Damit habe ich mir gezeigt, dass ich es noch kann und konnte erfahren, wie es mir damit und dabei geht. Verbesserungsfähig ist noch die Auswahl der Rastplätze, aber irgendwie wollte ich auch ankommen. Und 15 Stunden ohne große Abfahrten von der Autobahn sind schon eine ziemlich lange Zeit. Aber gut, kommt Zeit, kommt Rat.

Gut, was ist zu tun? Irgendwas wollte ich machen – genau, ein paar Bilder auf meine Internetseite hochladen, damit das hier auf Sendung gehen kann… Gesagt, getan.

Der Text hier ist etwas lose aneinandergereiht, aber das ist auch gut so. Meine Fotos, die ich mit dem Mobiltelefon (Huawei P8 lite) gemacht habe, sind kein Hochglanzstandard. Aber das ist im Grunde genau gut so. Hochglanz und Schreibordnung und so, das kann ich nicht gebrauchen.

Also – loser Text und schwache Bilder. Gut, passt. Wenn ich das professioneller haben wollte, dann müsste ich mehr Zeit damit verbringen, hundert Mal den Text durchlesen, mit teurem Kameraequipment Bilder nachbearbeiten usw., usw., und darauf habe ich keinen Bock. Ich will rumhängen, meine Eindrücke schriftlich festhalten, darlegen, was mich bewegt. 

Die Hunde ruhen. Sie brauchen Silencium. Sollen sie haben. Ich sitze an einem alten Kneipentisch in einer Essecke meiner Bude, welche ebenfalls kein eher so lose zusammengestellt ist. Dennoch ist alles sehr sauber und ordentlich. Im Grunde genau das, was ich mir vorgestellt hatte, als es darum ging, wie eine geeignete Bude für mich und die Hunde aussehen soll. 

Diese aufpolierten, nach dem letzten Standard eingerichteten Ferienunterkünfte sind nix für mich, da fühle ich mich nicht wohl. Zur Not ginge das natürlich auch, aber ich brauche Heizkörper aus den sechziger Jahren, altes Mobiliar, alles halt so zwanzig Jahre alt. Das Bad ist allerdings neuwertig, die Dusche eng und die Küche hat alles, was ich brauche. 

Einen Wlan-Zugang gibt es ebenfalls, eine Glotze (die ich nicht brauche), Strom an jeder Ecke und super Bettzeug, ein Kissen, das hat die Welt noch nicht gesehen. Davon bin ich echt begeistert. Die Aussicht ist landschaftlich, wie es sich für einen kleinen Flecken in den Bergen gehört.

Ich gehe jetzt erstmal eine rauchen.

Alles haarklein darlegen, was man so auf einer Reise erlebt, das geht nicht. Warum unternimmt man eine Reise? Um alles bis auf das Genaueste schriftlich zu wiederholen? Sicher nicht. Ich setze mich, wenn ich Lust habe, an meine Schreibmaschine und halte fest, was mir gerade so einfällt. Ich muss auch nicht alles fotografieren. Fotografieren ist mir eh eher ein Graus. Anhalten, Telefon raus, draufdrücken, Einstellung suchen, knippsen, das geht mir echt gegen den Strich. Ich eiere lieber mit den Hunden so vor mich hin und bediene dabei am liebsten gar nichts.

Jetzt packe ich mich erstmal wieder in die Waagerechte und schaue ein bisschen bei youtube herum. Die Hunde dösen vor sich hin, vor allem Alina.

So, der Tag neigt sich dem Ende. Viel geschlafen, etwas gegessen, ein paar Mal mit den Hunden draußen gewesen, wobei Alina immer nur ein paar Minuten gehen will und dann zurück möchte. Vielleicht will sie zurück nach Neustadt-Glewe. Ich stecke nicht in ihr drin. Ich denke, Alina braucht ein bisschen Erholung und Eingewöhnung. Mal schauen, wie es morgen aussieht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.