Unter „Menschen“

Was ist ein Mensch? Ein irgendwie anders entwickelter Primat aus dem Zweig der Affen, also im Grunde ein Affe. Das, was der Mensch mehr kann, als ein Affe, das ist zum Mond fliegen (im Weltraummaßstab ungefähr gleich Nichts) und die Erde für sich selbst mit jedem Tag unbewohnbarer machen.

So, das war‘s – und sonst? Für mich ist der Mensch zudem noch ein Signalgeber, seine Gegenwart zu meiden. Mit mir bin ich ganz gern zusammen, aber dann hört das, bis auf geringste Ausnahmen, sofort auf. Immer wenn ich in der Gesellschaft sogenannter Menschen bin, wird mir deutlich, wie wichtig es für mich ist, Menschen zu meiden.

Mit Alkohol und Drogen kann man die Gesellschaft vielleicht gerade noch ertragen, nüchtern funktioniert das nicht. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum soviele Menschen Alkoholiker sind und/ oder drogenabhängig. Wer freiwillig die Gegenwart mehrerer Menschen erträgt, der ist entweder gehirnamputiert oder besoffen oder freut sich auf den nächsten, gemeinschaftlich unternommenen Rausch.

Mir geht es schon auf den Sender, wenn mir während des Gassigehens jemand entgegen kommt. Oft sind es bekloppte Hundebesitzer, die dann mit ihren Hunden stehenbleiben, ihrem Hund damit das Gefühl von Gefahr vermitteln, die ihrem Hund aber nicht das Gefühl vermitteln können, dass sie die Lage im Griff haben.

Und wenn Sie dann erst Menschen kennengelernt haben, die bei lebendigem Leib verfaulen, dann ist es vollständig aus. Die bei lebendigem Leib Verfaulenden… Im Denken langsamer als eine Schnecke oder langsamer, die körperlichen Bewegungen gehemmt, bis gelähmt wirkend aber irgendwie so auftretend, als sei alles „in Butter“… Dazu die dem vollständigen Wiederholungszwang Unterworfenen, die permanent zu hoffen wagen und ebenso permanent scheitern – wie ich mit meinem Vorhaben, entspannt irgendwo draußen abzuhängen. Während ich mir jedoch dieses Scheiterns vollkommen bewusst bin und etwas daran ändern kann, glauben die vollständig dem Wiederholungszwang unterworfen, so wie die geistig und körperlich Gelähmten, alles sei „in Butter“…

Dann gibt es noch die „glänzend“ aufgestellten Affen, die nach außen wirken, als sei nur wirklich alles bestens, bei denen irgendeine verborgene Realität mitschwingt, die alles bisher Geschilderte um längen abhängt. Im Grunde genommen sind die Menschen, denen ich begegne, zu 99,8 oder mehr Prozent absolut vergessenswert. Mich eine Sekunde an sie zu erinnern ist so gut, wie das Totschlagen von Zeit…

So, und da komme einer daher und behaupte, ein normalsinniger Mensch suchte Gesellschaft von „Menschen“.

Mit den Menschen, die halbwegs dieses Attribut verdienen, verhält es sich meistens so, dass sie ebenfalls Menschen meiden und auch die Gesellschaft derer, die nicht restlos der Verblödung anheim gefallen sind, nicht mehr als nötig in Anspruch nehmen.

Ich finde ein paar Menschen ganz o. k., aber regelmäßig längere Zeit in ihrer Gesellschaft will ich nicht verbringen und sie nicht in meiner. Wäre ich ein anderer, würde ich auch nicht längere Zeit in meiner Gegenwart verbringen wollen. Und als tabulastiger Mensch hat man es in meinem Dunstkreis eh nicht leicht.

Genau – die ganzen mit vielerlei Tabus Besetzten – furchtbar. Mit denen sprechen zu wollen ist ungefähr so, wie der Versuch, durch das Essen von Luft satt zu werden. Die Aussichtslosen…

Nee, das bringt‘s alles nicht und die Wiederholung macht es nicht besser. Ich bin froh, dass ich so bin, wie ich bin und für die „Gesellschaft“ habe ich in meine Hunde – und zwar im doppelten Sinne: Zum einen habe ich mit ihnen angenehme, lebendige Wesen um mich, zum anderen halten die Affen aufgrund meiner mitgeführten Hunde Abstand. Wenn ein Trottel meint, meine heilige Sternenkunde zu stören, dann genügt meist der Hinweis, dass ich im Kofferraum einen Hund mitführe, was seine kümmerliche Wahrnehmung dann zumindest soweit in Gang setzt, sich eher wieder von mir weg zu bewegen. Der Hund lenkt dich ab, öffnet mir bei dir eine schwache Stelle und da gehe ich mit allem rein, was ich habe – sonst noch was? Gut, danke und auf wiedersehen. Und wenn das nicht ausreicht, dann muss ich halt mit Gas nachhelfen.

Aber soweit zu gehen liegt nicht in meinem Interesse. Allerdings muss man dem Anderen, insofern er dabei ist, in ein rostiges Messer zu laufen, die Chance geben zu erkennen, dass es so ist.

Unter „Menschen“ hat man im Grunde genau zwei Möglichkeiten: 1. Man verzieht sich oder man bringt 2. den Anderen dazu, sich zu verziehen. Das Aushalten erfordert meiner Meinung nach sehr, sehr viel Übung und fast übermenschliche Kräfte. Gewichte stemmen kann jeder. Die Gesellschaft von „Menschen“ auszuhalten, das ist schon eine Kunst für sich.

Dabei ist auch immer im Auge zu behalten, dass es nicht nur das Aushalten ist, sondern auch die Fähigkeit, den Müll der anderen nicht so bei sich einziehen zu lassen, dass man selber ein Affe wird. A la Berthold Brecht: „Wer lange in den Abgrund schaut, aus dem schaut er irgendwann heraus.“

Menschen zu meiden ist also im Grunde erste Bürgerpflicht, gegen die man jedoch (wegen der Rechnungen) gezwungen wird, täglich zu verstoßen.

Na denn, ich hoffe, dass ich da noch etwas mehr die Kurve bekomme und auch sie nicht aus selbiger fliegen, in diesem Sinne, Ihr Jörg Baumann.

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