Verstehen

Vielleicht können Sie jetzt verstehen, warum ich es so sehr schätze, allein, nur in Gesellschaft Leas,

unter dem Sternenhimmel zu sitzen und mein Sein zu genießen, bzw. mich darüber zu wundern; bei einer Tasse heißen Tee und einer Zigarette. Meine kleine Lea liegt dann bei offenem Kofferraumdeckel meines Kombis im Kofferraum, bei Minusgraden unter einer wärmenden Schafwolldecke und ruht sich aus, während ich mal durch mein Teleskop in den Weltraum schaue, mal auf meinem Campingstuhl sitze und sinniere.

Was ich in solchen Momenten überhaupt nicht gebrauchen kann, und auch nicht während der Gassirunden mit meinen Hunden, das ist irgendein Dummschnacker, der mir Zeit und Leben raubt. Die Zeit mit meinen Hunden während des Gassigehens und der Sternbeobachtung ist heilig. Und ich werde mir zehn Mal überlegen, ob ich da jemanden mitnehme oder nicht, bzw. nehme ich niemanden mit. Bisher ist es mir gelungen, zumindest die letzten Jahre, auf Gesellschaft während des Gassigehens zu verzichten.

Bei der Teleskopie bin ich noch nicht so lange dabei, aber da will ich auch keinen Menschen dabeihaben. Ggf. jemanden, der sich dafür interessiert, aber bisher habe ich noch keinen getroffen. Und ich suche auch niemanden. Mir fehlt nichts, wenn während des Gassigehens oder Teleskopierens keine Menschenseele in meiner Nähe ist. Im Gegenteil.

Echte Interessenten an Teleskopie teleskopieren. Wer nicht teleskopiert, der hat, zumindest in Nordeuropa, kein Interesse daran. War bei mir nicht anders.

Und heute Nacht ist klare Sicht auf den Himmel, während der letzten Tage alles bedeckt war und ich Urlaub hatte. Jetzt, bei klarem Himmel sitze ich im Drecksloch und frage mich, was das soll. Vielleicht soll ich es ja mit dem Teleskopieren nicht übertreiben. Vermutlich ist das die Antwort. Ich habe keine Lust süchtig nach Himmelsbeobachtungen zu werden. Etwas doof ist es allerdings schon. Drecksloch mit über hundert Volldeppen versus Betrachten des Weltraums – Drecksloch versus Weltraum…

Verstehen Sie was ich meine? Wenn man sich einmal gründlicher mit dem Sternenhimmel befasst hat, gibt es zur Bekloppterie kein zurück mehr. Manche scheinen sich an der Bekloppterie regelrecht zu wärmen, mir verursacht sie nur noch Brechreiz.

Aber anstatt allen dauernd zu übermitteln, für wie doof ich die Sachlage aktuell einschätze, ist es besser, mich positiven Dingen zuzuwenden.

Um mich vor ungebetenen Selbsteinladungen zum Teleskopieren zu schützen ist es hilfreich, meinen Mitmenschen das Teleskopieren so zu schildern, dass sie keine Lust verspüren, es zu tun. Sie sollen denken: „Was für ein Bockmist, dafür ist mir meine Zeit zu schade“ und mich unterlassen zu fragen, ob sie mir Gesellschaft leisten dürfen.

Deshalb sage ich meinen Mitbürgern auch immer, wie winzig die Galaxien im Okular des Teleskops zu sehen und das es nachts einfach nur arschkalt ist und es sich insgesamt um ein Scheißhobby handelt. Das genügt meist, um mir die meisten vom Leibe zu halten.

Letztens hätte ich fast jemanden mitgenommen. Aber als er fragte, ob man dort auch ein Lagerfeuer machen könne, war die Sache entschieden – ein Lagerfeuer beim Teleskopieren… Der Typ wollte nicht Teleskopieren, sondern am Lagerfeuer abhängen, was vollkommen o. k. ist, sich jedoch mit dem Teleskopieren beißt. Rumstehen am Lagerfeuer mit Menschen – habe ich auch keinen Bock drauf. Auf ein Lagerfeuer schon, aber nicht auf Gesellschaft währenddessen.

Im Grunde habe ich hinter allem einen Haken stehen. Wie sieht es mit Ihren Haken aus?

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