Lösungsversuche/ freudige Erkenntnis

Die Welt ist nunmal mit sieben oder mehr Milliarden Volltrotteln besiedelt. Das ist wie verpestete Luft – man muss schauen, dass man damit klarkommt.

Auf youtube verfolge ich die Videos eines Typen aus Magdeburg. Der hängt auch gerne rum und baut sich Fahrradanhänger, genauer: Fahrradwohnwagen. Das sind so kleine Dinger, die man hinter ein Fahrrad mit Elektromotor hängen kann, so zwei Meter lang und 80 Zentimeter breit und 1,5 Meter hoch.

Der Typ fährt damit bei jeder Gelegenheit raus aus der Stadt und campiert mit diesem Ding in irgendeinem Stangenwald. Das finde ich gut: Rausfahren und irgendwo, möglichst dort, wo keine bis kaum Menschen sind, abhängen.

Das werde ich bei Gelegenheit auch machen. Die letzten Jahre stampfte ich beinahe täglich mit meinen Hunden um einen Sportflugplatz, wo ich ebenfalls keinem bis kaum einem Menschen begegnete. Mir ist meist schon das Grüßen verhasst, bzw. das gegrüßt werden.

Dieses Umrunden des Sportflugplatzes dauert in der Regel zwei bis zweieinhalb Stunden und ist von großer Gelassenheit geprägt. Die Hunde wissen grob, wo es lang geht, sodass meinerseits so gut wie keine sprachlichen Korrekturen notwendig sind. Ich folge einfach den Hunden. Manchmal werde ich dann doch von ihnen angeschaut und gefragt, wie es nun weitergeht, dann bestimme ich natürlich das weitere Vorgehen.

Mitunter bin ich während dieser Gänge um den Flugplatz genervt, bissweilen sogar schwer genervt. Da bekommt meiner kluger Hund Alina

natürlich mit. Wenn es ihr zu bunt wird, dann hält sie einfach an, setzt sich hin, wenn ich nach ihr schaue und wenn ich auf sie zugehe und knuddeln will, dann legt sie sich hin. Da ich weiß, dass sie meine körperliche Nähe unterwegs wenig schätzt, weiß ich dann: hinlegen und pausieren!

Nach Jahren des Zusammenlebens verstehe ich meine Hunde ein wenig. Aber dieses Verhalten ist wirklich klasse. Ich muss mich dann manchmal etwas überwinden, um mich auf die Erde zu legen, tue das aber in fast allen Fällen, und siehe da: das war es, was ich brauchte, eine Pause. So als hätte Alina zu mir gesagt: „Komm mal runter Alter!“

Je Kommandos ich meinen Hunden unterwegs gebe, desto schlechter geht es mir. Das heißt, wenn es mir schlecht geht, dann gebe ich viele Kommandos. Geht es mir hingegen eher gut, dann erfüllt unserer gemeinsamer Ausflug tendenziell ein Schweigen. Dann werden nur Blicke und kurze Geräuscshe ausgetauscht und alles läuft glatt.

Ich sollte mir ab jetzt bewusster sein, wie kostbar diese gemeinsame Zeit ist – allein mit meinen Hunden um den Sportflugplatz zu ziehen, bessere Realitäten sind schwer herzustellen. Im Vergleich dazu, wo ich jetzt bin, ist das geradezu das Paradies.

Es ist ein Vorteil, wenn man im Paradies ist, dieses auch als solches zu erkennen. Und vermutlich muss man so wie ich jetzt an einem außerordentlichen Scheißort sein und die Selbstverarschung mal gänzlich beiseite lassen, um das Paradies als solches zu erkennen.

Im Grunde ist jede Zeit, die ich mit meinem Hunden verbringe, Paradieszeit. Die Zeit, die ich mit Menschen verbringen muss, ist meistens Kotzscheißhauszeit. Und die, die das anders sehen, sind vermutlich Alkohol- oder Drogenabhängig und/ oder selbst total verblödet und/ oder Selbstverarschungsfanatiker.

Ich weiß, wovon ich spreche. Selbstverarschungsfanatismus ist mir nicht fremd. Nur pflege ich diesen mit jedem Tag weniger und was dabei herauskommt, das ist ziemlich niederschmetternd. Aber man gewöhnt sich dran.

Ist halt die Frage, wie schon mehrfach erwähnt, wie man damit umgehen kann. Und der richtige Umgang bedarf eben der Übung – es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ich habe mir vorgenommen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, irgendwohin zu fahren, nicht weit, wo möglichst wenig bis keine Menschen sind, ob mit oder ohne Hunde, meinen Campingstuhl auszupacken und ein Weilchen gepflegt abzuhängen.

Mit den Hunden bin ich doch eher in Bewegung. Ich sollte auf jeden Fall testen, wie das mit dem Abhängen auf dem Campingsstuhl ist. Ich vermute, dabei komme ich besser zur Ruhe. Ungefähr so, wie ich besser zur Ruhe komme, wenn ich auf der Wiese liege, nachdem mich Alina eindringlich darauf hingewiesen hat, dies zu tun.

Einfach nur so irgendwo rumsitzen oder rumliegen, vielleicht ein Zigarettchen rauchen, Kaffee trinken und sonst nichts tun. Den Vögeln zuhören. Den Vögeln zuzuhören ist ein gutes Mittel, um sich dem Unsinn seiner Umwelt positiv zu entheben.

Fern von Menschen, möglichst in der „Natur“, auf einem Campingstuhl sitzend, Zigarette rauchend, den Vögeln beim Zwitschern zuhören. Das ist auf jeden Fall eine Lösung, zumal wenn der Himmel dauerhaft bedeckt ist und Teleskopie nicht möglich.

Entweder man sitzt in seinem Bunker und ist so von den Menschen abgeschirmt oder man begiebt sich dorthin, wo möglichst keine sind und hängt dort ab. Telefon am besten zuhause lassen. Das Telefon möglichst ausgeschaltet zu lassen, das ist auch eine Form von Lösung von der Verblödung. Die Tage hatte ich das Mobiltelefon ein paar Tage ausgeschaltet und es war einfach nur gut. Diese stete Geglotze auf dieses Müllgerät, das geht mir schon die längste Zeit auf den Sender. Ich werde heute Abend noch ein Telefongespräch führen und das Ding dann erstmal wieder für Tage ausschalten. Mobiltelefonverzicht ist auch eine Form der Lösung.

Naja, und Filmchen von Menschen schauen, die es irgendwie besser machen als man selbst – da kann man sich immerhin ein wenig orientieren. Arthur Schopenhauers Texte zu lesen ist ja auch eine Form von Orientierung und vermittelt einem das Gefühl, dass man nicht das einzige denkende Wesen auf der Welt ist. Wobei ich sagen muss, dass mein Hund Alina und auch mein Hund Lea gut orientiert sind, auf jeden Fall besser als 99,8 Prozent der Menschheit. Von uns dreien ist Alina die am besten orientierte. Ihr Wahrnehmung schlägt meine und die von Lea – nicht um Längen, aber in den meisten Fällen.

Man kommt auf die Welt, in eine Gesellschaft von Vollidioten und ehe man sich versieht, ist man selbst seiner. Ich habe mich schon in jüngsten Jahren in meiner eigenen Welt verschanzt. Das war kein Zuckerschlecken, aber half mir, nicht zum Vollidioten zu werden. Zum Glück traf ich dann später auf einen Menschen, der mir geholfen hat, mich aus meiner Verschanzung zu befreien, sodass ich zwar viele Jahre der Einsamkeit ertragen musste, aber immerhin nicht zum Volltrottel und Vollidioten geformt worden bin.

Als Erwachsener und unabhängigerer Menschen trat ich also aus meiner Verschanzung heraus und stellte fest: die Verschanzung hatte keinen bleibenden Schaden hinterlassen. Als Erwachsener ist man der Vollidiotie seiner Mitmenschen nicht mehr ganz so schutzlos ausgeliefert und mit dem entsprechenden Rüstzeug und verschiedenen Übungen, kann man die weltumspannende Verdummung immerhin ertragen. Es ist halt die Kunst des Vermeidens. Aus dem Verschanzen ist eine Vermeidung geworden. Im Erwachsenenalter kann man, im Vergleich zur Kindheit oder Jugend, recht gut vermeiden.

Wenn sich die Menschen mehr vermeiden würden, dann wäre das auch alles nicht so trost- und aussichtslos und vollständig verblödet. Wenn zum Beispiel Herr Putin oder irgendein anderer Leib von den Menschen gemieden würde, dann stünde er da alleine und dumm herum und fertig, würde Schweine mästen und in der Nase popeln.

Aber die Menschen sind eben sehr dumm und doof und suchen die Nähe dieser eitrigen Schleimbeutel, ja kriechen ihnen richtig in den Arsch hinein, jeden Tag, Woche für Woche usw., usw., und was dabei herauskommt, das kann man jeden Tag in den Nachrichten sehen. Die Dummköpfe suchen die Nähe der Dummköpfe, sie tuen alles für sie und kriechen ihnen auch noch mehrfach täglich in den Arsch – tolle Gesellschaft!!??

So, und das ist überall auf der Welt so, auch in Alaska. Und auch wenn ich in Alaska bin, kriechen weiterhin alle allen in den Arsch.

Also, Hauptlösung: Menschen meiden. Hunde als Gesellschaft haben. Dann Orte aufsuchen, an denen man gepflegt abhängen kann. Und zu guter Letzt irgendeine Beschäftigung, die vor Selbstverarschung schützt (zum Beispiel Astronomie).

Wenn ich diesen Text lese, und ich lese ich, da ich ihn schreibe, dann stelle ich mal wieder fest, dass der schlimmste Idiotismus mein eigener ist. Warum bin ich nicht längst in jeder freien und möglichen Minute irgendwo draußen und hänge dort ab? Beziehungsweise wie kommt es, dass ich das täglich Gassigehen mit meinen Hunden nur so „viertelparadisisch“ wahrgenommen habe, obwohl es das Paradies ist? Der größte Idiot bin noch immer ich selbst.

Daraus folgt, dass ich mein Sein mit meinen Hunden, wenn wir da um den Sportflugplatz ziehen, neu betrachten muss. Ich muss wieder meinen Servicerucksack mitnehmen und mir es während dieser Zeit auch kulinarisch so gut wie möglich ergehen lassen. Das kann ich selbst tun. Und das ist eine freudige Erkenntnis.

Und diese Erkenntnis ist das, was das Leben einigermaßen lebenswert macht. Ich gehe schließlich jeden Tag mit meinen Hunden um den Sportflugplatz. Zuletzt ließ ich den Rucksack zuhause, wohl auch deshalb, weil ich den Inhalt selten benutzte.

Ich muss mich einfach neu orientieren, in dem, wie ich was tue.

Immerhin sind diese zwei oder zweieinhalb Stunden mit den Hunden richtig gute freie Zeit, fernab von jeder Arschgeige. Und wenn ich einer Arschgeige begegne, was nicht ausbleibt, dann kann ich sie gut auf 30 Meter Entfernung halten. Das ist doch gut, mehr ist in diesem Drecksloch nicht zu erwarten. Und was mache ich daraus? Was machte ich daraus?

Spätestens um 14 Uhr muss ich los, dann habe ich zweieinhalb Stunden und die reichen locker, um in ausgelassener Ruhe den Sportflugplatz zu umrunden, inklusiver ausgiebiger Mäusebuddelei und einem kulinarischen Genuss. Also muss ich mir geeignete Verpflegung besorgen und mich entsprechend zu einer Pause zwingen. Vielleicht brauche ich auch keinen Rucksack, weil ein guter Wurstzipfel und ein kleines Messer ausreichen, um einen Anfang zu machen. Aber dann will ich auch etwas trinken und dann kommt doch wieder ein Rucksack ins Spiel.

Also, Aufgabe für morgen: Rucksack neu organisieren.

Bleibt mir, auch Ihnen eine erfolgreiche Neuorganisation von was auch immer zu wünschen, in diesem Sinne, Ihr Jörg Baumann.

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