Die Last des Alters

Die Last des Alters besteht darin, dass man meine Menge Geschichten gehört und gelesen hat. Diese Menge kann so groß sein, dass man keine Lust mehr hat, sich noch eine weitere Geschichte anzuhören oder zu lesen und schon gar keine, die man bereits eine Million Mal gehört oder gesen hat.

In diesem Fall bleibt einem im Grunde nur noch die Flucht, so sie denn möglich ist. Auf meinem Campingstuhl sitzend, nachts, nur in Begleitung meines Hundes, das ist eine Art gelungener Flucht auf Zeit – immerhin…

Menschen sind ab und zu ganz gut zu ertragen, in meinem Fall ist das halt seltener der Fall. Und da ich jobmäßig zwangsweise mit Menschen zusammen bin, brauche ich in meiner Freizeit eher niemanden um mich. Meine Hunde sind gute Zeitgenossen, die quatschen nicht und schon gar keinen Unsinn.

Aber das ist ja alles hinlänglich bekannt.

Ich esse gerade ein Stück guter Torte und denke über meine leichtsinnigen Zusagen bezüglich gemeinschaftlicher Aktionen in meiner Freizeit nach. Also über Zusagen, die ich einem anderen Menschen gegenüber treffe, zwecks gemeinsam verbrachter Freizeit. Wenn ich zusage, dann denke ich, alles ist o. k., aber schon Minuten danach beschleicht mich oft oder meist das Gefühl, einen Fehler begangen zu haben und wie ich diesen korrigieren kann.

Wie ich letztens mit dem Fernglas nach Sternen sah, beobachteten mich dabei zwei Typen aus Syrien. Da sie Interesse zu haben schienen, sprach ich sie kurz an und schon kurz darauf suchten wir eine dunkle Stelle, um die Sterne besser sehen zu können, vor allem das Sternbild des Orion. Und nach einer weiteren kurzen Zeit fragte mich einer der beiden, ob wir nicht mal gemeinsam Sterne schauen könnten, mit meinem großen Teleskop.

Meine Antwort hielt sich im möglichen Bereich. Zum Glück konnte ich heute einem der beiden verständlich machen, dass Sternguckzeit für mich sehr knapp ist und diese deshalb sehr kostbar und in meinem Auto nur Platz für eine weitere Person – faktisch und tatsächlich. Lea muss mit, die Ausrüstung, da ist im besten Fall vorne ein Platz zu haben. Der Typ war und ist blickig und ergänzte, dass es auch nächste oder übernächste Woche sein kann.

Vermutlich hat er wirklich ein wenig Interesse und so werde ich schauen, dass ich mit ihm eine kleine Sesssion realisiere. Aber insgesamt muss ich natürlich genau hinschauen. Die Sternenzeit ist einfach sehr kostbar und die mit einem Menschen zu teilen eigentlich idiotisch.

Mir fehlt noch immer die Bestätigung der Sichtung einer Galaxie. Von zweien bilde ich mir ein den Hauch ihres Schattens gesehen zu haben. Ein befindet sich allerdings auch in einer Entfernung von 55 Millionen Lichtjahren, ist also ziemlich lichtschwach.

Aber heute ist Vollmond, die nächsten Tage wird der Mond auch noch die Hälfte des Himmel mit Licht verschmutzen, da ist es nicht so bedeutsam, ob ich in Begleitung den Himmel anglotze. Vielleicht komme ich ja durch den Anderen auf neue Gedanken bezüglich meiner Sternensitzungen. Vielleicht glotzen wir ein bisschen den Mond an, ach ja, so richtig gut finde ich den Gedanken an Begleitung auf jeden Fall nicht.

Gut, das ist ja jetzt nicht aktuell. Aktuell sieht es so aus, dass ich die nächsten viereinhalb Nächte nicht zum Teleskopieren komme. Danach könnten noch zwei gute Nächte kommen, dann ist laut Vorhersage erstmal Schluss mit Lustig. In ein paar Tagen erhalte ich ein 7 mm Okular, von dem ich mir einiges erhoffe. Denn sollte ich eine Galaxie finden, dann wird mir dieses Okular ggf. eine gute Abbildung liefern.

Den Orionnebel mit 10 mm war schon gut. Ich hatte das Okular zuvorletzt so zusammengesetzt, dass es eine höhere Brennweite hatte und das war nicht so der Bringen. Das waren vielleicht 13 bis 15 mm Brennweite und der Orionnebel sah wenig differenziert damit aus. Mit 10 mm war ich echt begeistert und von 7 mm verspreche ich mir natürlich noch etwas mehr. Wobei letzteres für Teleskope ab f/6 geeignet sein soll und meines ein f/5 (Brennweite dividiert durch Öffnung = 5). Ich hoffe, es spielt keine allzu große Rolle.

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