Entzug

Die wirkungsvolle Maßnahme des Lebens besteht darin, sich den Menschen zu entziehen. Der Haken an der Sache ist, dass man dann außerhalb der Zivilisation leben müsste, was auch seine Nachteile hat. Ein Kompromiss ist, in der Zivilisation zu verbleiben und alle Möglichkeiten zu nutzen, die Wasserköpfe so fern wie möglich von sich zu halten, bzw. sich denselben mit aller Kunstfertigkeit zu entziehen.

Wenn man, wie ich, einem Broterwerb nachgehen muss, dann ist das nicht so leicht. Während der sogenannten Arbeit bin ich dauernd mit Menschen konfrontiert. Mit keinem dieser Menschen, von zwei Ausnahmen abgesehen, würde ich in meiner Freizeit keine Sekunde gemeinsam verbringen wollen. Und die Gestalten, die mir in meiner Freizeit über den Weg laufen wirken ebenfalls so auf mich, dass es besser ist, deren Gegenwart so gut wie möglich zu meiden.

Mein Status Quo ist diesbezüglich ganz gut entwickelt. Selbst Menschen, deren Geist einigermaßen vorhanden ist, öden mich in der Regel nach drei Sekunden an. Eine der wertvollsten Erkenntnis meinerseits ist die, dass meine Stimmung durch die Abwesenheit von Menschen verbessert wird.

Zusammenkünfte von Menschen sind für mich immer ein elendes Blablabla bezüglich irgendwelcher Sachverhalte, hinter die ich längst einen Haken gesetzt habe. Ich vermisse dieses breiige Aufeinanderhocken von Stumpfsinnigen selbstverständlich sowenig wie Kopfschmerzen. Meinte ich früher, Aufeinanderhocken zu müssen, fliehe ich jetzt regelrecht vor den Menschen.

Und es tut mir gut. Schon wenn die Klingel an meiner Haustür läutet, was selten der Fall ist, bekomme ich Ansätze von Krämpfen. Dann kommt irgendjemand, setzt sich in die Küche, ich mich gegebenenfalls notwendigerweise dazu und dann werden Sätze ausgetauscht, die mich schon seit 10 oder mehr Jahren nicht mehr interessieren. Komme ich dann mit Sätzen, die mich interessieren, dann stoße ich damit meist auf Unverständnis und Unwillen, diese weiter auszuschmücken.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Flucht, in diesem Sinne, Jörg Baumann

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