Die Sensation ist der Alltag

Der Alltag ist die Sensation – wenn ich bedenke, dass hier Trinkwasser aus jeder Wasserleitung kommt, in jedem Haushalt, dass jeder Haushalt mehrere Stromanschlüsse hat, dass ich nur an einem Knauf drehen muss und die Hütte warm wird, dass ich nur ums Eck fahren muss, um alles an Nahrungsmitteln zu bekommen, welche meine Herz begehrt – dann kann man schon von Sensation sprechen.

Eben hatte ich die Begegnung mit einem Flüchtling – dem war das Trinkwasser im Haus nicht gut genug und er wollte Wasser aus einer Plastikflasche oder einem Tetrapack – das nenne ich dann mal sensationelle Vollbeklopptheit. Manche Köpfe sind echt so zugeschissen, dass man diesbezüglich ebenfalls von einer Sensation sprechen kann.

Mir ging es ja nicht anders – die außerordentlichen Realitäten, die hier zum Alltag gehören, habe ich nicht mehr wahrgenommen und gemeint, irgendwas unternehmen zu müssen, um in den Genuss einer Sensation zu kommen. Gut, solche Unternehmungen kann ich auch weiterhin durchführen, aber ich brauche sie nicht mehr so wie noch vor Tagen, wie ich vor Tagen noch meinte, sie zu brauchen.

So, mit meiner neuen Sicht auf die Dinge, kann ich meine Zeit hier auf Erden viel besser genießen. Ich habe es warm und trocken, ich habe genug zu essen, jederzeit Zugang zu bestem Trinkwasser und ab und zu angenehme Gesellschaft – das ist sehr gut. Und wenn ich es anders haben will, jetzt im Herbst, feucht, windig und etwas düster, dann gehe ich mit den Hunden raus und schaue was geht. Und seit ich wieder alles im Rucksack mitnehme, was mir unterwegs das Leben erleichtert, geht es mir noch besser. So kann ich es genießen, wenn die Hunde kreuz und quer die Wiese nach Mäusen abschnüffeln, hier und da anhalten, kürzer oder länger buddeln, um anschließen fünf Meter weiter den gleichen Vorgang zu wiederholen. Da bin ich mittlerweile ganz entspannt. Wenn es nieselt, dann ziehe ich einfach meine riesige Kapuze über den Kopf und fühle mich wie im Wohnzimmer, mit direktem Blick nach draußen.

Mit dieser Einstellung gehen mir auch alle Idioten, Affen und Volltrottel am Arsch vorbei. Und so soll es sein, so ist es gut. Das, was man hat, genießen und auf den Rest einen lassen.

Mein Kontakt zu meinen Hunden wird, obwohl ich schon fünf, bzw. vier Jahre mit ihnen zusammen bin – kaum zu glauben, aber wahr. Ich genieße ihre Gegenwart fast mit jedem Tag mehr. Wie ich schon mehrfach erwähnte, sind meine Hunde immer freundlich zu mir, schauen wie es mir geht, warnen mich vor allem und allen Fremden, oft noch bevor ich dies wahrgenommen habe. Dann sind sie wie ich Meister des Abschlaffens und wissen stets einen leckeren Happen zu schätzen.

Was soll ich mich da über die Vollhonks meiner Gegenwart aufregen? Sie sind es nicht wert. Eigentlich sind sie, zumindest für mich, nichts wert. Ich bin mir selber Vollhonk genug, da brauche ich die anderen echt nicht, zumindest nicht in meiner Gegenwart.

Nun, auf dass auch Sie die Sensationen Ihres Alltags entecken können, bis später, Ihr Jörg Baumann.

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