Probleme

Ich glaube, ich habe mich zum Begriff des „Problems“ schon ausgelassen. Dennoch möchte ich hier noch mal darauf eingehen. Meine These lautete und lautet: Außerhalb von mir gibt es keine Probleme, sondern nur Phänomene. Ich habe im Laufe meines Lebens viele unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Nationen kennengelernt und bin zu dem Schluss gekommen, dass die meisten von ihnen „tötliche Langweiler“ waren, die über den Zustand einer Schaufensterpuppe nicht hinausgekommen sind.

Sicher gibt es Ausnahmen, aber die sind selten; jedenfalls begegne ich ihnen tendenziell nicht. Das Problem, mit dem ich mich immer noch herumschlage, das ist. meine Haltung, dass es da draußen Probleme gäbe – z. B. die ganzen Volltrottel und ihre Handlungen und Nichthandlungen.

Aber es sind nicht die Trottel das Problem, sondern meine mangelnde Fähigkeit, mit den Trotteln so umzugehen, dass ich von ihnen nicht genervt bin. Davon abgesehen wäre es sehr schwachsinnig, wenn ich mich verstärkt über Trottel aufregen würde, denn dann würde ich mich in jeder Gesellschaft in schlechte Laune versetzen.

Meine mangelnden Fähigkeit, mit Trotteln angemessen umzugehen, hat mich in der Vergangenheit dazu gebracht, Menschen so gut es geht zu meiden. Denn dann kam meine mangelnde Fähigkeit, mit Trotteln angemessen umgehen zu können, nicht zum Tragen. Aber dieser Entzug der Menschheit kann es nicht sein. Ich muss da schon etwas mehr riskieren. Denn unter 100 Trotteln ist vielleicht ein brauchbarer Mensch, den ich nicht kennenlernen würde, betriebe ich mein Menschenmeiden wie bisher.

Und natürlich können die Trottel nichts dafür, dass sie Trottel sind. Eine üble Kindheit, umgeben von Trotteln ohne Ausnahme, da wird man ja zwangsläufig zum Trottel; gerade auch bei unserem politischen System der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Armenbenachteiligung.

Heute, gerade eben zum Beispiel, sitze ich mal wieder (zwangsweise) mit solch einem von der Gesellschaft vernichteten Individuum in einem Raum. Der Typ ist im Grunde schon tot und würde sich (und mir) einen großen Gefallen tun, wenn er sich erschießen würde. So, bumm und Loch im Kopf und tot. Aber irgendwie scheint diese Leiche auf zwei Beinen am Leben zu hängen, obwohl ich an ihm nichts erkennen kann, was dieses lebenswert erscheinen lässt.

Solche Typen gibt es massenhaft, überall, an jeder Ecke, in jedem Land, einfach überall und immer. Menschen, die nichts mehr erleben, die nur noch auf den Tot zu warten scheinen und für die Menschen in ihrer Umgebung eigentlich nur noch einen Eimer Kotze darstellen. Manche riechen auch schon so.

Letztens traf ich jedoch auf einen jüngeren Menschen, der auch schon einige erlebt hatte, der die Kurve bekommen hat und voller Lebenslust zu sein scheint, der regelmäßig seinem Hobby nachgeht (welches recht komplex ist) und der einfach Bock auf die Dinge hat, die er so unternimmt. Aber solch ein Fall ist echt die Ausnahme.

Wie gehe ich also mit Trotteln um? Nichts von ihnen erwarten, sie möglichst sparsam bis gar nicht ansprechen, wenn man in ihrer Gegenwart sein muss und ansonsten fröhlich den Dingen folgen, auf die ich/man Bock habe/hat.

Und ich habe gerade Bock auf das Übersetzen von englischen Texten ins Deutsche. Worin diese Motivation im Ganzen begründet ist, will ich nicht ausmalen, ein Grund ist der, dass ich alle mir greifbaren Bücher auf deutsch gelesen habe, die über Bobby Fischer verfasst wurden, gelesen habe. Naheliegenderweise lese/ übersetze ich jetzt Bücher aus dem Englischen zum Thema Bobby Fischer. Eine weitere Sprache gänzlich neu zu erlernen, um vielleicht zu noch mehr Informationen über ihn zu kommen, dafür fehlt mir der Nerv, die Zeit und die Lust und die passende Gelegenheit.

Und meine neueste Absicht bezüglich des Übersetzens ist ein Buchleseständer. So muss ich nicht mehr mit der einen Hand das Buch aufgeschlagen hallten, während ich mit der anderen schreibe. Den Translator muss ich nämlich auch noch bedienen. Mit einem Leseständer ist meine linke Hand frei für den Translator und die rechte zum Schreiben.

Aber das nur am Rande. Ich ziehe nach wie vor mit Freude mit meinen Hunden durch die Gegend, genieße nach wie vor ihre Gegenwart, den Klang ihrer Atmung,

ich fahre nach wie vor mit Freude Auto

und hänge genauso gerne einfach nur rum und glotze irgendwelche Filme. Zuletzt habe ich mir alle Folgen der Serie „Der Kommissar“ angeschaut (sehr empfehlenswert), zuallerletzt die letzten Folgen der Serie „Auf Achse“, mit Manfred Krug in der Hauptrolle (ebenfalls sehr empfehlenswert – vor allem wegen der Bilder; die Welt wird noch lebendig gezeigt und nicht so abgefuckt clean wie ein gekacheltes Bahnhofsklo).

Auf das ihnen die Phänomene da draußen nicht die Stimmung versauen, viel Glück, ihr Jörg Baumann

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