Hinter der Vorstellung

Hinter der Vorstellung befindet sich die Maus, welche gefressen wird. So ist das Leben, kürzer oder länger…

Schön ist, wenn man, wenn ich bei mir sein kann. Heute las ich einen schönen Satz bezüglich des Zustandes der Einsamkeit, der ja mitunter durchaus negativ belegt ist. Dieser Satz geht ungefähr so: Positiv erlebtes Für-Sich-Sein. Das ist kein Satz, aber egal, es steht dort, was ich meine. Einsamkeit kann als Last empfunden werden, wenn die Qualität der Beziehungen zu Menschen nicht mit dem Wunsch korrespondiert. Wenn man sich also zum Beispiel geistreiche Gesellschaft wünscht und nur Deppen bei sich sitzen hat und umgekehrt.

Da ich weiß, dass „Qualität“ nicht weit verbreitet ist, habe ich mich damit abgefunden. Es macht für mich keinen Sinn, auf Qualität in Beziehungen zu hoffen, wenn ich weiß, dass diese Hoffnung fast immer enttäuscht wird. Ich bin zu oft enttäuscht worden, sodass ich damit leben gelernt habe, für mich zu sein. Ab und zu begegne ich einem gewissen Lichtblitz, meine Mitbewohnerin ist so einer, mein Nachbar ist auch mit Verstand in Berührung gekommen, vielleicht sogar etwas mehr als ich – naja, und ein paar weitere Lichtblitze gibt es noch, aber die muss ich nicht jeden Tag um mich haben.

Und der Alltag ist nunmal nicht so angelegt, dass Lichtblitze hier besonders viel bringen. Oft reicht ein freundlich /respektvoller Umgang und gut ist. Und wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass ich überwiegend freundlich/respektvollen Menschen begegne, also bezogen auf die Begegnungen, bei denen auch noch ein paar Wörter gewechselt werden.

Aber eigentlich wollte ich von dem sprechen, was sich hinter der Vorstellung befindet. Die Vorstellung wird aus irgendeiner Quelle gespeist, deren Ort ich nicht kenne. Irgendwo in uns entstehen Vorstellungen und mit denen sind wir mehr oder weniger zufrieden. Ich stelle mir zum Beispiel vor, in meinem Ford zu fahren. Das klappt auch meistens. Oder ich stelle mir vor, mit meinen Hunden durch die Gegend zu ziehen. Klappt ebenfalls sehr gut.

Dann gibt es jedoch Vorstellungen, die mit dem Tun, welches den Inhalt dieser Vorstellungen darstellt, wenig bis nichts zu gemeinsam hat. Mit dem Ford und meinen Hunden nach Spanien fahren – eine Vorstellung, die jedoch nicht zur Folge hat, dass ich tatsächlich in meinem Ford und mit meinen Hunden nach Spanien fahre. Das ist dann mehr so ein Tagtraum. Und diese Tagträume nerven mich aktuell. Gegen Tagträume ist generell nichts einzuwenden, treten sie jedoch häufiger auf, dann nerven sie mich und machen mich unzufrieden und das gefällt mir dann erst recht nicht.

Ich bin zum Glück in der privilegierten Stellung, viele Stunden der Muße leben zu dürfen. Manchmal ist um mich herum mehr oder weniger schmale Kost vertreten, die aber meinem Zustand der Muße im Grunde nicht besonders abträglich ist. Das läuft dann so unter Hintergrundgeräusche, die nunmal ab und zu da sind, wie die Geräusche von Flugzeugen, Autos auf der Straße, die vorbeirauschen, Vögel oder das Rauschen des Windes in den Bäumen. Nichts Bewegendes. Im schlimmsten Falle blöd, aber eigentlich nicht bemerkenswert, abhakbar sozusagen.

Und wenn ich dann in diesem Zustand bin, dann kann ich genau ablesen, was es denn mit meinen Vorstellungen auf sich hat. Ich stelle mir zum Beispiel vor ein paar Bücher über Wilhelm Steinitz und Bobby Fischer aus der entlischen Sprache auf deutsch zu übersetzen, für mich, tue jedoch in dieser Beziehung recht wenig. Stattdessen schauen ich lieber Filme und sinne so vor mich hin. Oder ich will mich eingehender mit den Finessen des Schachspiels vertraut machen, schauen aber auch hier stattdessen lieber Filme, wie „Der Kommissar“ oder „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ (die schwarz-weiß Folgen). Oder ich schauen Filme über moderne V8 Wagen von Mercedes oder Oldtimer oder Segelyachten oder was auch immer.

Also – Vorstellungen und Handlungen sollten in bestimmtem Maße zusammenpassen, sonst wird es haarig. Und es ist besser eine Viertelstunde pro Tag eine Sache zu tun, zum Beispiel zu übersetzen, als irgendwann alle ein paar Tage mal hier und dort. Die tägliche Beschäftigung mit etwas ist es. Das ist wie mit den Hunden – täglich bin ich mit ihnen zusammen, unternehme mal mehr mal weniger mit ihnen, mal dieses, mal jenes, mal Außergewöhnliches, so wächst man zusammen, wird zu einem Team.

Und mit dem Zeug ist das auch so. Als ich noch musizierte, hatte ich ein bestimmtes Equipment und mit diesem wuchs ich über Jahre zusammen. Nun mache ich zurzeit keine Musik mehr, sondern habe vor, englischsprachige Texte zu lesen und zu übersetzen und nebenbei meine Schachkenntnisse zu erweitern. Das Material hierfür habe ich komplett zusammen, fehlt nur noch die Verpackung, die äußerste Form, für den Inhalt:

1. Zigarren und Tabak

2. Fotoapparat Canon Ixus 170

3. zwei Kladden

4. drei Füllerfederhalter

5. Bücher von und über Wilhelm Steinitz und Bobby Fischer

6. eine Schachkassette

7. I-Pad und separate Tastatur mit entsprechendem Ladekabel

8. Feuerzeug und Zigarrenabschneider verstehen sich von selbst

 

Das muss da alles rein und zwar genau das. Und wenn dann noch eine kleine Wasserflasche aus Edelstahl reinpasste, dann wäre das Equipment komplett. Damit kann ich losziehen, damit wäre alles beisammen. Wie damals mit meiner Tenorblockflöte, den Noten, dem Notenständer, das passte auch hervorragend und war in der Vaude-Umhängetasche aus „Lastwagenplane“ auch gut aufgehoben.

Na denn – hinter den Vorstellungen…

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