Was tut mir gut?

Das Schöne am Altern ist, dass man immer mehr Klarheit darüber erreicht, bzw. erreichen kann, was einem gut tut. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, hat man verschiedene Sachen ausprobiert und kann bezüglich eines erwarteten Wohlbefindens aus einer recht breiten Palette auswählen – wenn man Glück hat. Die meisten verschlammen im Stumpfsinn und schon sie auf dieses Thema anzusprechen endet fast immer in der Offenbarung maximaler Ahnungslosigkeit.

Wenn man jedoch Glück hatte, dann hat man die Fähigkeit entwickeln können, sich ein wenig von den Umständen zu distanzieren, um aus dieser Position eine gewisse Vielfalt an Möglichkeiten zu erwägen.

Ich bin zurzeit am liebsten mit meinen Hunden draußen unterwegs, möglichst so ein, zwei oder drei Stunden, ohne dass zum Ende dieses Tuns irgendein Termin gesetzt ist. Das Gassigehen mit den Hunden ist im besten Fall von der Zeit nach hinten offen. Ich mag das Wetter, die verschiedenen Umstände desselben, am meisten schätze ich schon seit längerem die trüben Herbsttage, die ich einst so verabscheute. Aber im Grunde ist mir jede Wetterlage recht, außer Dauerregen, denn dann wollen die Hunde nicht groß draußen rumlaufen und extreme Hitze, welche die Hunde ebensowenig schätzen. Alles andere passt mir bestens.

Und natürlich schätze ich Ruhe, das Rumliegen, das glotzen von Filmchen zu irgendeinem Thema, da bin ich breit aufgestellt. Das kann eine Dokumentation sein, das können Filme von jungen Männern sein, die hubraumstarke, im Einkauf günstige Autos kaufen und reparieren und bewerten, das können alte Krimis sein, Dramen, Komödien, sonstwas. Da bin ich sehr offen.

Schlafen ist natürlich auch wichtiges Element. Was gibt es schöneres, als völlig müde, ja fast übermüdet in den Schlafe zu versinken? Meditatives Dehen gefällt mir auch immer besser, vor allem weil es eine bestimmte Form der Ruhe herstellt und zudem meine Schmerzpunkte entspannt.

Mit dem Auto über die Landstraße rollen, irgendeine gute Musik hören, die Hunde dabei, eine Zigarre am Glühen, das übt ebenfalls einen gewissen Reiz auf mich aus.

Gelegentlich etwas zu lesen gefällt mir auch, aktuell schwerpunktmäßig das Lesen englischsprachiger Texte. Das Lesen solcher Texte geht bei mir nur sehr langsam, immer wieder muss ich Wörter in die Übersetzungsmaschine eingeben, was allerdings eine gewisse Langsamkeit erzwingt, die mir gefällt, die mich entspannt.

Ein hübsches Frauengesicht anzuschauen empfinde ich auch als Wohltat, als mir gut tuend, vor allem wenn hinter dem Gesicht ein kluger Geist befindlich ist. Es ist eine Art des Zustandes von Verliebtsein, der mir gefällt. Verliebtsein, das Wahrnehmen dieses Gefühls lässt vieles verschwinden, was ohne diesen Zustand unberechtigten Raum im Denken einzunehmen droht. Der Zustand des Verliebtseins lässt dieses ganze Rationale verschwimmen, degradiert es auf eine Ungenauigkeit, auf eine gesunde Ungenauigkeit.

Feuermachen, am Lagerfeuer sitzen, das ist ebenfalls eine angenehme Situation oder ein Mal im Jahr fahrradfahren. Am besten finde ich jedoch den Zustand, bzw. am wertvollsten, der kein bestimmtes Ziel hat. Der Zustand, in welchem ich gedanklich in verschiedenen Vorstellungen herumstochere, um herauszufinden, was zu diesem Zeitpunkt das wäre, was mir gut tut. In diesem Zustand liege ich meist irgendwie herum, grüble nach, stehe auf, gehe dahin und dorthin, ohne etwas Bestimmtes zu finden. Dann bleibe ich an irgendetwas hängen, beschäftige mich eine Weile damit, bleibe vielleicht dabei oder gehe zu anderem über. Das tut mir gut, das ist für mich echter Luxus. Aus diesem Zustand heraus komme ich auch mal zu etwas anderem als zu dem, zu dem ich jeden Tag wieder und wieder komme.

Aber das verstehen die wenigsten. Und denen, denen ich diesen Gedanken mitteile, habe diesen sogleich nach meiner Darlegung wieder vergessen. Überhaupt bin ich zu der Meinung gekommen, dass es keine Rolle spielt, anderen Menschen etwas zu erzählen. Reden ist für mich mittlerweile nur noch eine Art „Grunzen der Befindlichkeit“, wobei der Inhalt des Gegrunzten einfach nicht zu anstößig zu sein hat, um seine Aufgabe zu erfüllen. Sympathie wird selten über Inhalte vermittelt.

Also, tun, was einem gut tut. Das können kleine Dinge sein, große Dinge, aufwendigere, was auch immer. Ich bin froh, gewisse Vorstellungen darüber zu haben, denn was wäre sonst?

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