Phänomenologisch oder emotional?

Natürlich beides, jedoch nicht unbedingt gleichzeitig – manche Situationen, vielleicht die meisten, machen eine phänomenologische Herangehensweise lukrativ, weil ich, wenn Scheiße durch die Gegend fliegt am besten schaue, wie ich sowenig wie möglich davon abbekomme.

Bin ich hingegen mit meinen Hunden zusammen, dann ist die Situation, dann ist der Augenblick entscheidend und um schnell genug auf diesen Augenblick zu reagieren, verhalte ich mich besser emotional mit nur einer kleinen Prise Verstand.

Die Reihenfolge scheint entscheidend zu sein. Bin ich mit meinen Hunden zusammen, dann schätze ich das Einlassen meinerseits auf die Situation, mit kurzen, nachfolgenden gedanklichen Prüfungen. Die Hunde sagen mir nicht rational, was sie gerade so für wichtig halten. Die wesentliche Kommunikation mit ihnen wird durch eine extreme Sinnlichkeit realisiert – also mittels sehen. Und es ist dabei kein einfaches Hinglotzen, sondern ein Verfolgen der Bewegungsabläufe in der Zeit. Ein Hund ist selten ein Foto, sondern, in der Kommunikation mit ihm, eher wie ein Film.

Wenn ich mit gutem Gefühl mit meinen Hunden kommuniziere, dann ist das fast immer lautlos, abgesehen von dem leisen Grunzen, dass sie in solchen Momenten von sich geben. Aber es gibt auch die Kommunikation bezüglich der Klärung des Weges, der Frage, wohin gegangen werden soll, was getan werden soll. Das ist dann eine beidseitige Überprüfung der Absicht des Anderen.

Es gibt Situationen, da schaut mich mein Hund an und fragt mich etwas. Zum Beispiel fragt er, wo das Fressen bleibt, ob ich ihn nicht streicheln will, ob wir nach rechts gehen wollen oder nach links, bzw. ob ich mit nach rechts oder links kommen will.

Die Kommunikation meiner Hunde in meine Richtung, vor allem die des älteren Hundes, ist meistens sehr klar und immer freundlich. Will er zum Beispiel eine Pause machen, dann setzt er sich hin, schaut mich dabei an, checkt, ob ich auch Bock drauf habe, dann legt er sich hin und fragt mich mit seinem Blick weiter, ob das nicht eine gute Idee ist. Und ich muss sagen, meistens, also in 99 Prozent der Fälle, ist die Pausenidee meines älteren Hundes absolut passend; auch wenn ich das nicht immer gleich verstehe. Lasse ich mich darauf ein und prüfe, dann komme ich wirklich fast immer zu dem Ergebnis: passt.

Menschen labern einfach zuviel, ohne was davon zu verstehen. Und nebenbei sind sie auch meist noch extrem miese Unterhalter. Das Entertainmentniveau der meisten meiner Mitmenschen ist echt dürftig. Das wieder und wieder festzustellen ist jedoch müßig und im Grunde überflüssig. Jeder weiß es.

Emotionalität ist ungefähr so, wie das Betreten eines Raumes, den man nicht kennt – hat also viel mit Vertrauen zu tun tun. Wenn ich mich auf meine Hunde vorbehaltlos einlasse, weiß ich, dass sie einfach nur weich und freundlich sind. Natürlich können sie auch anders, aber warum sollten sie? Ich kann ihnen vertrauen, also kann ich mich in ihren Raum begeben und sie zeigen mir kristallklar, wie sie gestimmt sind. Und das kurz und eindeutig und entschieden.

Der selbstwusstere Hund steht, wenn er genug gestreichelt worden ist, einfach auf und geht weg. Dem weniger selbstbewussten Hund muss ich da eher Gelegenheit geben, wegzugehen, also eine Streichelpause einlegen, um ihn gehen zu lassen, wenn er will. Der ältere Hunde geht einfach. Alles ohne Gesabbel und Geblubber. Das ist alles schnell, kristallklar und freundlich.

An Menschen heranzugehen, mit ihnen umzugehen – dafür empfiehlt sich in den meisten Fällen eher die phänomenologische Methode, aber dazu ggf. später mehr, bis dann, Ihr Jörg Baumann.

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