Zickzackkurs die 2.

1969 ritt der Cowboy Jim durch die Prärie, etwas Proviant dabei, seinen Hund. Er ritt im Zickzackkurs, ohne Ziel, langsam, immer der Nase nach. Dort, wo es ihm gefiel, machte er eine Pause, aß etwas, rauchte ein paar Kippen, kochte sich vielleicht einen Kaffee. So war er tagelang, ja mitunter wochenlang unterwegs. Ortschaften mied der so gut es ging, größere Ansiedlungen umritt er im großen Bogen.

So will ich es auch auch machen, nur mit Auto anstatt eines Pferdes und mit zwei Hunden. Dafür muss ich allerdings Alina noch ein bisschen auf den Zahn fühlen, sie testen, inwieweit sie sich auf solch ein Vorhaben einlassen kann. Aber das kann ich in den nächsten Wochen ja machen.

Und ich werde bei meiner Canon Ixus 175 bleiben. In den letzten Tagen habe ich mich eingehend mit der aktuellen Kameratechnik beschäftigt. Gute kosten viel Geld und weniger gute habe ich – also werde ich bei den weniger guten bleiben, Fotos machen sie nämlich, und das Geld in den Tank meines Fords fließen lassen, um so Zickzackkurs in Mecklenburg fahren zu können. 

Natürlich würde ich das lieber im Zentralmassiv, den Pyrenäen oder in Zentralspanien tun, aber dafür habe ich aktuell nicht die Zeit. Aber wenn ich die Zeit haben werde, dann will ich soweit sein, auch mit Alina, dass ich es realisieren kann und vorbereitet bin.

Fakt ist, dass ich bis zum 23. diesen Monats warten muss, denn erst dann habe ich ein paar Stunden Zeit für mein Vorhaben; am 24. dann den ganzen Tag. Der kleine Ausflug an die Raststätte Meynburg oder so, der war schon ganz informativ. Sind ja alles Eindrücke, welche die nächste Ausfahrt beeinflussen. 

Und sicher, Mecklenburg ist wirklich nicht die Sahnegegend für einen Roadtrip, aber besser als gar kein Roadtrip. Und ein Roadtrip durch Mecklenburg ist allemal besser, als seine Zeit dort zu verbringen, wo die ganze Zeit Vollversager vor den Augen herumtappsen. Die paar Flaschen, denen ich während eines Roadtrips begegnen könnte, sind da marginal. 

Freitzeit ist durch nichts zu ersetzen – Arbeit und so, sicher, kann mal toll finden, kann man von begeistert sein und man kann auch völlig in ihr aufgehen, ja den Sinn seines Lebens darin finden – ich finde ihn dort nicht. 

Roadtrips, soviel habe ich gelernt, sind eine gute Voraussetzung dafür, ein paar neue Denkmöglichkeiten und damit auch Lebensmöglichkeiten zu etablieren. Im Hamsterrad gibt‘s halt einen selbst, den Hamster, und das Rrad – nicht besonders abwechslungsreich oder vielfältig.

Und wenn ich die Säufer auf dem Netto-Parkplatz des Assiviertels Parchim höre und sehe, dann drängen sich Roadtrips noch viel stärker auf. Denn im Grunde lebe ich, ohne specials im Alltag, so wie sie – jeden Tag das Gleiche, fertig.

Also raus – wohin? Das kann ich entscheiden, wenn es soweit ist oder sich etwas besonders aufdrängt. Andere zu fragen, wohin es denn gut wäre zu fahren, das halte ich für unsinnig, nicht zielführend.

Obwohl ein Kollege die Tage meinte, in Pritzwalk sei es interessant, weil dort die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, was sich wirklich gut anhört. Andererseits ist das an einem Tag zwar zu schaffen, hin und zurück, aber doch eine recht lange Strecke für einen Tag, sodass ich die Tour dorthin verschieben werde. Hinfahren werde ich wohl, denn Grenzgebiete, bzw. ehemalige Grenzgebiete sind in der Regel infrastrukturmäßig zurückgeblieben, und das klingt  vielversprechend.

Ratschläger anderer einzuholen kann sinnvoll sein, in der Regel ist man mit 55 Jahren besser bestellt, wenn man selber ausprobiert. Gerade bezüglich des Zickzackfahrens – das Zickzackfahren ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass man einfach losfährt und der Richtung seiner Nase folgt und nicht irgendwelchen selbstgesetzten Zielen oder Ratschlägen anderer.

Sei es wie es ist – da habe ich auf jeden Fall voll Bock drauf. Einfach Diesel in den Tank, Raststätten- und Hunderucksack und Hunde ins Auto und los. Richtung südosten, nördlich der Elbe bleibend. Die Müritzer Seenplatte sieht vielversprechend aus, aber da lege ich mich jetzt sowieso nicht fest. 

Ich werde, wenn‘s passt, am 23. ins Auto steigen, Equipment rein und los. Dann werde ich ja sehen, wo die Reise, der Zickzackkurs hingeht. Am 24. habe ich dann den ganzen Tag Zeit und auch an diesem Datum werde ich mich überraschen lassen.

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