Die große Gassirunde

Die große Gassirunde beginnt mit dem richtigen Schuhwerk! Und das ist der Stiefeln Commander GTX von Haix. Alles darunter sind Spielzeugschuhe. Und wenn ich mit meinen beiden Hunden

unterwegs bin, dann brauche ich sicheren Stand im Stiefel, auch auf unebenem Gelände und wasserdicht muss das Ganze ebenfalls sein.

Was ich noch brauche, will ich solche eine Runde dokumentieren, ist eine Digitalkamera, die auch von Vollidioten bedient werden kann, die alles automatisch macht und schnell am Start ist, wie zum Beispiel die Canon IXUS 175. Wobei ich auf der Suche nach einer Kamera bin, die ähnlich simpel zu bedienen ist, welche aber hellere, schärfere und farbintensivere Bilder macht.

Die Gassirunde mit meinen beiden Schätzchen ist immer ein Highlight des Tages, vor allem wenn es sich um die Runde um den Flughafen dreht.

Um dorthin zu kommen braucht man ohne Hunde knapp 10 Minuten, mit Hunden dauert es etwas länger. In beiden Fällen muss ich jedoch durch mein Viertel gehen, einem Viertel mit Plastikgärten von Plastikmenschen.

Der Start auf die große Gassirunde ist die kleine Gassirunde.

Hier, auf den ersten Metern außer Sichtweite der Plastikgärten schnüffel die Hunde schon mal ausgiebiger, leeren den gröbsten Druck ihrer Blase und fressen etwas Gras. Manchmal kommen Fahrradfahrer vorbeigeschossen, auf die ich natürlich besonders achten muss, da sie meinen, die einzigen Menschen auf der Welt zu sein.

Nach dem ersten 90 Grad Winkel sieht es ungefähr so aus. Es handelt sich um einen sehr schönen Pfad, den natürlich auch andere Hundebesitzer nutzen, von denen die meisten eine Schraube locker haben, bzw. nicht ganz dicht sind. Sie haben weder Ahnung von Menschen noch von Hunden. Es handelt sich um verschreckte, ungebildete Schisshasen, deren Hunde genau wissen, wen sie da an der Leine haben. Zwei angenehme Begegnungsmöglichkeiten habe ich hier, aber auf diese treffe ich eher selten.

Der Weg führt mich dann in ein weiteres Plastikgartenviertel, in dem wenigsten die Garagen eine gewisse Ausstrahlung haben.

Der folgende zu sehend Gang zeigt ungefähr, um was es sich in diesem Viertel handelt.

Rechts ein Grundstück mit Vollverblendung, damit ja niemand auf das Grundstück schauen kann (auf die Idee, dass die Insassen auch nicht herausschauen kommen, sind diese vermutlich noch nicht gekommen), auf der anderen Seite ein mit den hässlichsten Steinen der Welt verpflasterte Parkfläche des Eigentümers. Sein Gehirn dürfte ebenso verpflastert sein. Der eine verblendet, der andere verpflastert.

Am Ende dieses Weges geht es nach rechts, wo es so aussieht:

Im Grund ganz angenehm. Hier gibt es für die Hunde auch viel zu schnüffeln, da dort viele andere Hundebesitzer ihrer Wege ziehen. Am Ende dieses Streifens kommt man dann auf eine große Wiese, von der sich rechts, wie auf einer Perlenkette aufgereiht, weitere plastikhafte Gärten befinden, mit Eigentümern, die an Primitivität kaum zu überbieten sind.

Auf der Wiese nehmen die Hunde gerne einen Grassnack, während ich mir die geistesgestörten Auswüchse meiner Mitmenschen anschauen darf.

Dort wohnen sie, die Deppen der Vergangenheit und Gegenwart. 67 Jahre alte DDR-Renter, Alkoholiker mit Vollmeise, die nach außen hin versuchen (mittels ihrer Gärten) einen geordneten und klaren Eindruck zu hinterlassen, während sich in ihnen nur eine gequirlte Latrine dreht.

Diese Realität jeden Tag sehen zu müssen, ist schon ziemlich anstrengend. Aber es geht ja weiter über die große Wiese,

entlang der Überreste des ehemaligen Außenlagers des Konzentrationslagers Ravensbrück,

welche zu streifen auch immer wieder gedankliche Teerstreifen hinterlässt.

Aber um eine weitere Ecke gebogen, erreiche ich dann die Straße zum Flughafen, wo es dann endlich richtig lässig zur Sache gehen kann.

Die Hunde bekommen jeder eine zehn Meter lange Leine angelegt, sodass sie sich einigermaßen frei und unabhängig voneinander bewegen können.

Auf dem Weg um den Flughafen haben beide Hunde zumeist die Nase tief im Gras. Sie gehen kreuz und quer, immer in der Hoffnung, eine Mauseloch zu entdecken, vor dem sich gerade ein Mäuschen sonnt oder leicht auszubuddeln ist.

Der Flughafen ist ein Sportflughafen mit drei Start- und Landebahnen mit Grasoberfläche. Der Rest des Geländes ist eine Wildwiese, auf der wächst und kreucht und fleucht, was auf einer Wildwiese halt so zuhause ist.

 

Die Hunde fühlen sich auf dieser Runde sau wohl. Zum einen haben sie ständig die Nase am Boden, also beinahe ständig, was zeigt, dass sie sich sicher fühlen und zum anderen wälzen sie sich regelmäßig auf dem Rücken, was einfach nur Ausdruck maximalen Wohlbefindens ist.

Mitunter herrscht, wie das an einem Flughafen zu erwarten ist, Flugbetrieb, der mehr oder weniger intensiv ausfallen kann. Auf dieser Runde stiegen nur ein paar einmotorige Kleinmaschinen auf und landeten.

Manchmal ist jedoch bedeutend mehr los, dann ist alles in der Luft was fliegen kann, Sportmaschinen, Segelflugzeuge, Falschirmspringer, Motorgleiter, Gleiter ohne Motor. An solch einem Tag dürfen dann natürlich auch die Modellbauflieger nicht fehlen, die zum Teil mit Düsenflugzeugen in die Luft gehen.

Und an diesen Tagen sind nicht nur alle in der Luft, sondern irgendwie alle unterwegs, also auch Jogger, Fußgänger mit und ohne Hunde, Fahrradfahrer, Mopedfahrer, Autofahrer. Muss ich mit leben, kann ich mit leben, finde ich dennoch wenig erquicklich.

 

Das ist einer unserer Pausenplätze, Alina kennt ihn.

Hier hängen wir dann oft eine Zigarettenlänge ab, ruhen ein wenig aus, schauen ins Nichts und genießen den Wind oder das Lüftchen, der oder das uns um die Nasen weht.

Dann geht es diesen Abschnitt entlang, wo sich einige Duftmarken anderer Hunde befinden sowie das ein oder andere Mauseloch, das vom Tiefbauamt bearbeitet wird.

Das ist auch der am weitesten entfernte Punkt von zuhause, wo wir auch öfter mal eine Pause einlegen.

Bzw. ich eine Pause einlege, weil die Hunde intensiv mit der Mäusejagd beschäftigt sind.

Man kann es auf dem Bild oben nicht sehen, aber Lea kaut in diesem Fall gerade auf einer Maus herum. Buddelten sie zu beginn unserer Um-den-Flughafen-gehen Karriere zunächst nur nach Mäusen, gnatschten irgendwann auf ihnen herum; mittlerweile brauchen sie ungefähr 30 Sekunden, bis die gute im Schlund einer der Hunde verschwunden ist.

An dieser Stelle ist, wie gesagt, für mich die extremste Zeit der Muse. Manchmal ist Zeit, um mich ein wenig lang auf die Wiese zu legen, eine Zigarette oder einen Zigarillo zu rauchen, dem Rauschen des Windes zu lauschen, dem Zwitschern der Vögel und den Wolken beim Vorbeiziehen zuzusehen.

An der Waldkante in Alinas Blickrichtung geht es dann weiter bis zu den Gebäuden und Hangars des Flughafens. Dort machen wir in der Regel eine weitere Rast, mitunter ziehen wir aber auch gleich weiter. Durch das Gestrüp geht es wie auf der Perlenkette aufgereiht. Meistens geht Lea vorneweg, in der Mitte folge ich und am Ende Alina. Aber die Reihenfolge kann ich auch beliebig ändern, je nach Tagesform und Höhe des Grases.

Nach dem Stelle mit dem hohen Gras geht es dann einen schmalen Pfad an einer Schonung entlang, bis wir wieder auf einen Weg treffen, der uns sogleich in die Siedlung mit den Plastikmenschen führt.

Auf diesem Abschnitt befindet sich, seltsamerweise, eine alte Wippe, auf der Kinder wippen können, mitten im Wald. Ich dachte, vielleicht ist diese Wippe ein Überbleibsel des Konzentrationsaußenlagers, aber im Nachhinein kommt mir das sehr unwahrscheinlich vor.

Dann kommen die letzten Meter, bevor wir wieder die große Wiese erreichen, an deren einer Grenze sich die Plastikmenschenhäuser mit den Plastikgärten und Plastikmenschen aneinanderreihen.

Und natürlich wird zwischendurch immer wieder ordentlich und ausgiebig geschnüffelt.

Wie gesagt, von hier aus geht es an den Plastikgärten vorbei, dann wieder über die Straße, ein Stück der kurze Gassimeile längs, nach Hause.

Der „Ritt“ ist knapp 6 Kilometer lang und kann von 1 Stunde 45 Minuten bis 3 Stunden 30 Minuten dauern, je nach Tag, Tagesform und Lust und Laune.

Dieses Gassigehen ist im Grunde wie einer kleiner Urlaub vom Alltag. Kein Mobiltelefon dabei, nichts zum Aufschreiben, nur genug Wasser, Zigaretten und Energieriegel. Pausen sind wichtig, das ruhige Abschlaffen aller.  Im Schnitt sind das  für mich jeden Tag oder fast jeden Tag zwei Stunden Abstand und Erholung von der Blödheit meiner Umgebungen.

Auf diesem Weg habe ich nur mich und die Hunde und wenn doch einmal eine Blödfrau oder ein Blödmann unseren Weg kreuzt, so sind diese Wesen auch schnell wieder weg. Manchmal treffe ich auch freundliche Menschen, aber das ist die Ausnahme der Ausnahme. Meistens treffe ich Affen in Autos oder Affen auf dem Fahrrad. Aber im Großen und Ganzen haben wir hier unsere Ruhe und können uns allesamt etwas Gutes tun und darauf kommt es an.

 

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