Reisebericht Schwarzwald 09.2021 Teil 2

So, Schwarzwaldreise Teil B, aber immer noch der 2. September. Ich hänge ein bisschen herum wie Falschgeld, aber das ist auch Alina geschuldet, die irgendwie nicht richtig in die Gänge kommt. Die Verdauung funktioniert, sie trinkt und pinkelt und frisst, aber wenn es um das Gehen geht, das Spazierengehen, da komme ich mit ihr nicht weit.

Aber gemach, wir grouven uns ja noch ein. Gestern die lange Fahrt, die für alle anstrengend war. Wie anstrengend sie für Alina gewesen ist, kann ich nicht genau beurteilen. Da sie aber recht trübe ausschaut und nicht weit gehen will, denke ich, dass sie noch Pause braucht. Sei es so. 

Und natürlich hänge ich ein bisschen wie Falschgeld herum, da ich noch keinen Bock habe, durch die Gegend zu kurven. Erstmal runterkommen. Ich und die Hunde sind solche Reisen nicht gewohnt. Gut, wir waren mal in Wolfsburg, da war Mohammad, dort war zwanzig Jahre mein Zuhause und die Strecke dorthin betrug 150 Kilometer und nicht 900. Die Fahrzeit nach Wolfsburg beträgt knapp 3 Stunden, hierher brauchten wir 15 und das im flotteren Galopp, mit Karusselstraße kurz vor dem Ziel.

Ich werde mich jetzt in die Waagerechte begeben und noch ein paar Filmchen auf Youtube anschauen. Beginnen werde ich mit dem Film Rostlauben und Oldtimer.

03.09.2021

Heute Morgen habe ich Alina dann mal weitergeschleift. Da musste ich etwas sauer werden. Einen Tag zur Aklimatisierung muss ausreichen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, würden wir nach ein paar hundert Metern schon wieder zurückgegangen sein. Aber so geht’s nicht. Und es ging dann auch. 

Die Wege sind einwandfrei und so wie es aussieht, habe ich hier in der Umgegend erstmal genug abzugehen. Auf Autofahren habe ich im Moment keine Lust. Die Straßen sind steil und kurvig, das muss ich jetzt nicht haben. Vielleicht fahre ich später mal wohin, aber heute bleibe ich erstmal hier. Morgen früh fahre ich vielleicht mal nach Bonndorf rein, ein paar Lebensmittel kaufen, und, was ganz wichtig ist, eine Postkarte, um die Kolleginnen und Kollegen in der Firma zu erfreuen. 

Wir waren heute Morgen zum ersten Mal im Garten. Ist eine prima Wiese, großer Auslauf und die Hunde sind schön gerannt, fanden sie gut. Abends und frühmorgens ist keiner im Garten, so können wir dann dort ein bisschen rumtoben. Jetzt ist Silencium angesagt, etwas dösen, schlafen.

Kurz nach 11 Uhr meinte Alina, dass es Zeit für Aktion ist – gut, ich mich angeplünt, Wanderstiefel aus dem Auto genommen, Rucksack fertig gemacht, Route angeschaut und los. Nach ein, zwei hundert Metern meinte Alina wieder bocken zu müssen, mit dem Signal, zurückgehen zu wollen. Diesmal hatte ich keine Geduld und zog sie einfach weiter. Ihr Unmut hielt dann noch eine Weile an, aber ich gab ihr zu verstehen, dass sie mir damit die Stimmung und den Urlaub versaut. Irgendwann fügte sie sich ihrem Schicksal und ich hatte die beste Zeit.

Vielleicht hatte ich mal bessere Zeiten, aber der Wanderweg, den wir abliefen, der war genau das, was ich hier im Schwarzwald gesucht hatte.

Im Grunde eine Kopie des Weges, den ich in meiner Jugend in den Dolomiten (Südtirol) gegangen war. Dort war ich mit einem Kumpel und einer ganzen Gruppe Jugendlicher für drei Wochen in einer Art Jugendherberge untergebracht. Absolut ab vom Schuss und einwandfrei. 

Gleich nach der Ankunft schlossen wir uns einem Gymnasiasten an, der gerade sein Abitur mit 1,0 oder so gemacht hatte. Der machte sich auf den Weg und ich und mein Kumpel folgten ihm. Nach kurzer Zeit entschlossen sich mein Kumpel und ich, wieder zurückzugehen und ließen den Schlaumann allein weitergehen. 

Oft habe ich bereut, dass ich nicht weitergegangen war, denn das Wetter war super gewesen, es gab hier und dort eine Quelle und der Weg war von der Oberfläche einwandfrei. Dazu gab es immer mal wieder eine hübsche Aussicht in eine Art kleines Tal. 

Diesem Abbruch des Marsches habe ich öfter nachgetrauert. Heute, vierzig Jahre später, war es soweit. Zwar war ich nicht in den Dolomiten, aber der Weg, den die Hunde und ich gingen, konnte kaum besser sein. Die Oberfläche schien fast die gleiche zu sein, wie der Weg damals, die Aussicht war super und das Anforderungsprofil gerade noch so zu bewältigen. 

Eigentlich hatte ich einen längeren Rundweg nehmen wollen, aber eine Waldarbeitermaschine versperrte arbeitend den Weg, wir warteten in der Sonne und drehten dann um, gingen zurück. Auf dem Weg hatte ich einen steilen Anstieg gesehen, der zu einem oberen Wanderweg führte. Diesen nahmen wir. 

Und es war anspruchsvoll. Ich musste sogar an Reinhold Messmers Worte denken, die da lauteten: „Immer ruhigen Schrittes“ Damit ging es ganz gut. Die Hunde kamen auch gut klar und nach kurzem Aufstieg hatten wir den Hauptweg erreicht. Dieser zog sich dann doch etwas in die Länge, sodass ich länger das Gefühl nicht loswurde, dass wir auf dem falschen Weg sind. Aber die Himmelsrichtung stimmte, es gab nur dieses kleine Tälchen – wir mussten richtig sein. Waren wir dann auch. Kurze Zweifel räumte Alina aus, die den Rückweg sicher erkannte.

Wieder in der Unterkunft wussten alle, ich, Alina und Lea, was sie getan hatten. Die Hunde fraßen mit Genuss und ich gönnte mir eine 800 Gramm Dose Chili con Carne. Nicht das Beste, aber nötig.

Danach machten wir ein bisschen Silencium. Eben sind wir von der Abendrunde zurück und die Hunde haben die Augen zu. Bis auf Lea, die ab und an mit gespitzten Ohren die Lage checken muss. 

Das war es bis jetzt. Morgen will ich die Runde von heute nochmal gehen, aber ohne dieses unterschwellige Gefühl, auf dem falschen Weg zu sein und ohne blöde Fotografiererei.

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