Alte, tote Menschen

Geboren ungefähr 1946 in Mecklenburg, Ostdeutschland. Der II. Weltkrieg war gerade vorbei, es gab von allem eher nichts und die alte gesellschaftliche Ordnung war aufgelöst. Das Elternhaus war lieblos, das Kind hatte auf Befehl zu gehorchen, tat es dies nicht, bekam es Gewalt zu spüren in Form von Schlägen. So ging das jahrelang. Dann kam die Schule, die nach kürzester Zeit genauso gehasst wurde wie das Elternhaus. In der Schule hatte man ebenfalls zu gehorchen. Und auch wenn es dort keine Gewalt in Form von Schlägen gab, so litt er doch unter dem psychischen Druck, den die in der Schule vermittelte sozialistische Weltordnung realisierte.

Nach der Schulzeit, die er mehr schlecht als recht abschloss, begann er eine Lehre in einem ungeliebten Beruf, mit ungeliebten Menschen. Auch hier herrschten Lieblosigkeit, Mitleidslosigkeit und ein Kasernenhofton. Ganz so, wie es die Menschen im III. Reich in Deutschland gelernt hatten.

Unser Mann war nun in seinem Beruf gefangen. Er war Maurer. Irgendwann lernte er seine Frau kennen, eine verdruckste, leicht primitive Hausfrau, die unserem Mann willig die Hausarbeit abnahm. Sie kochte für ihn, sie kaufte für ihn ein, sie reinigte die gemeinsame Wohnung, im Anschluss das gemeinsame Haus. Sie wusch und bügelte seine Wäsche, ertrug seine unzufriedenen Reden und gebahr im zwei Kinder.

Der Mann hatte mittlerweile den Alkohol kennengelernt, also holte sie ihm jetzt diesen aus dem Kühlschrank, wenn er nach getaner Arbeit erschlagen hinter der Glotze saß und seinen Missmut pflegte. So ging das Jahre, Jahrzehnte. Die Kinder wurden groß und verließen unser Paar, der Mann erreichte das Rentenalter, dann starb seine Frau. Allein zurückgelassen in seinem kleinen, sozialistischen Einheitsfamilienhaus mit grauem Putz vegetierte er so vor sich hin, die einzigen Beschäftigungen, die ihm verblieben, waren das Rasenmähen und Biertrinken.

So lebte er bis zum 73 igsten Lebensjahr und starb.

 

Von diesen Typen gibt es in Mecklenburg Vorpommern (Deutschland) hunderttausende. In jedem Dorf, in jeder Klein- oder Großstadt sieht man sie auf allen Wegen, an allen Ecken. Ideenlose Narren ohne jede Phantasie, intellektuell immer am Ende gewesen, je keinen Nutzen von Bildung erkennend, alt, starr, angetrunken, im Grunde tot.

So einen erlebte ich heute, zum Auftakt meiner Gassirunde. Er blubberte mich mit irgendeinem Mist an, aber ich erwiderte nichts und ließ ihn stehen. Die Tage werde ich ihm eine Totenkarte in seinen Garten legen. Ein Hinweis auf seinen nächsten ‚Karriereschritt‘.

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