Blockflöte

Die Blockflöte – sie läuft auch unter dem Motto: Folterinstrument für Kinder. Denn einige Kinder in meinem Land haben in der Grundschule Musikunterricht und das gängige Instrument hierfür ist die Blockflöte, genauer, die Sopran-Blockflöte. Ein helltönendes, von Kindern gespielt, grässlich quietschenden Etwas. Im Grunde eine Katastrophe.

Wie dem auch sei, mir war mit 18, 19 Jahren die Blockflöte genau das Instrument, das ich brauchte. Ich wollte Musik machen und eine alte Sopranflöte lag bei uns noch herum. Wäre es ein anderes Instrument gewesen, was da rumlag, dann wäre es wohl das geworden.

Die Blockflöte hat einige Vorteile: Sie ist günstig zu erweben, um sie an den Start zu bringen ist kein Firlefanz notwendig, die Pflege und Wartung ist minimal, sie klingt eher leise (im Gegensatz zu einer Oboe), sie ist relativ leicht zu erlernen und ist leicht zu transportieren. Die Sopranblockflöte klingt recht schrill, spielt man eine tiefer klingende Tenorflöte oder gar einen Bassblockflöte, dann ist das etwas ganz anderes. Die tiefer klingenderen Blockflöten haben einen warmen, beruhigenden Ton, ja sie haben einen Charme, dem man, hat man ihn einmal erfahren, kaum widerstehen kann.

Spielte ich zuvor überwiegend Tenorblockflöte, so bin ich jetzt auf die Bassblockflöte umgestiegen. Ihrem Klang wohnt eine gewisse Melancholie inne, den ich irgendwie mag. Zurzeit versuche ich pro Tag eine halbe Stunde zu spielen, und wenn ich mal ein, zwei Tage pausieren muss, dann ist das auch nicht schlimm. Ich bin da nicht mehr so zwanghaft wie früher.

Ein Zeit lang daddel ich auf den Tönen hin und her, rauf und runter, tonal und atonal, wie es gerade so kommt, dann wende ich mich den Übungsaufgaben zu und versuche mit mehr und mehr mit dem Bassschlüssel vertraut zu machen. Zu meiner Freude habe ich mir vier Notenhefte gekauft, die voll gespickt sind mit Stücken, die ich gerne spiele. Das sind überwiegend Tänze (Menuette, Sarabanden, Gigues usw.) und Sonaten aus der Barockzeit. Wohl klingend und einfach zu spielen. Daran habe ich Freude. In den vier Heften sind ca. 50 Stücke notiert, das ist ungefähr so, als hätte ich mir 50 Singles gekauft, die ich mir nach und nach anhöre. Nur, dass ich diese Singles selber spiele.

Am liebsten spiele ich allein oder mit Profimusikern. Wenn jemand kein Profimusiker ist, dann fehlt es ihm oft an Übungswillen und Fähigkeiten, was das Zusammenspiel zu einer Farce werden lässt. Mehr als eine Blockflöte ertrage ich übrigens nicht. Wenn ich Blockflöten-Ensembles höre, dann bekomme ich in der Regel vollständig die Kretze.

Natürlich ist es mein Ziel, irgendwann mal wieder vor Publikum zu spielen, aber das kann noch eine Zeit dauern, bis ich realisieren kann. Erstmal muss ich mit meinen Fähigkeiten auf Stand kommen und mir ein kleines Programm erarbeiten.

Durch das Spiel mit der Bassblockflöte bin ich auch mehr oder weniger gezwungen, auf meine alte Notensammlung zu verzichten, die insgesamt im Violinenschlüssel notiert ist. Die alten Stücke kann ich natürlich immer noch spielen, aber sie hängen mir zum Teil doch recht extrem zu den Ohren heraus. Ich brauche etwas Neues, neues Notenmaterial und das habe ich mir besorgt und damit geht es mir richtig gut.

Neue Noten, neues Instrument, denn auf der Bassblockflöte spielte ich bisher nur ab und an so nebenher. So richtig begeistert von ihr bin ich eigentlich erst seit ein paar Tagen. Ich habe mit ihr sozusagen eine neue Freundin gefunden. Das Instrument ist ungefähr 30 Jahre alt, ist vom Erhaltungszustand so gut wie neu. Da es schon länger rumlag, spiele ich es jetzt neu ein und ich kann sagen, dass sie nichts von ihrem angenehmen und warmen Klang verloren hat. Es ist eine Alexander Heinrich Flöte, gebaut in Markneukirchen zu Zeiten der ehemaligen DDR. Sie wurde mir von einem Großonkel während eines Besuch mitgebracht. Sie wurde auch Birnbaumholz gefertigt, dem, wie ich meine, idealen Holz für Bassblockflöten.

Nun, ich hoffe, ich werde mir meine Freude mit dem Instrument lange erhalten. Ihnen sei gewünscht, dass Sie auch zu den Musikanten zählen, dass Sie Freude an Ihrem Tun haben, in diesem Sinne, bis später, Ihr Jörg Baumann.

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