Selbsterkenntnis

Einige von Ihnen wissen es: Der größte Idiot ist man meistens selbst. Um das Idiotische außerhalb von sich zu erkennen, muss man den Grad der außen erkannten Idiotie in sich haben, sonst würde man ihn nicht erkennen. Wer die Fremdsprachenkenntnisse eines anderen Menschen beurteilen will, einigermaßen objektiv, der sollte diese Fremdsprache beherrschen.

Soviel dazu. Nun zum Umgang mit Idioten und Selbsterkenntnis. Ich bin seit 53 Jahren mit Idioten und Volltrotteln, Antisozialen und Mitessern konfrontiert. Und erst jetzt komme ich so langsam in die Lage, mittels Praxis, Nachdenken und Literatur, dass die Lösung des Problems in einem selbst liegt.

Nehmen wir das Beispiel des Sprechens mit Dummen über Dumme. Wie oft war ich daran beteiligt? Unzählige Male. So lange und so oft, bis die Folgen in mir eine Unerträglichkeit erreicht hatten, dass ich mich diesem Phänomen genauer widmete.

Natürlich ist das Sprechen mit Dummen über Dumme vollkommene Zeitverschwendung. Mit 53 Jahren sind die Tage knapp, da kann und sollte man sich überlegen, was man mit ihr anfängt. Und seine Zeit damit zu verbringen, z. B. mit Dummen über Dumme zu sprechen, das wäre und ist das sprichwörtliche Totschlagen von Zeit.

Zeit ist aber kostbar, so oder so, und letztlich das Einzige, was wir sicher besitzen. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Die Erkenntnis bezüglich des Umgangs mit „Arschgeigen“ ist folgende: Handel ich selbst wie eine Arschgeige, dann bin ich wohl auch eine. Die andere Arschgeige kann ich nicht ändern (Erfahrung), also muss ich etwas in mir verändern, damit ich einigermaßen, bzw. besser als zuvor, mit deren Gesellschaft zurecht komme. Mich nach einer Begegnung mit ihnen nicht schlechter als vorher fühle.

In den Sinn kommt mir, sie zu erschlagen (verboten) oder ihnen mehr oder weniger deutlich mitzuteilen, dass ich sie für Arschgeigen halte. Beides ist eher von Übel. Im ersten Fall kommt man ins Gefängnis, im zweiten wird man meistens emotional „angefasst“, was dann zu üblen Gedanken und einem üblen Befinden führt.

Und die Tatsache, dass man von einer Begegnung mit einem Hornochsen emotional angefasst wurde, nur weil man sich sprachlich auf ihn eingelassen hat, das ist dann ein zusätzlicher Ärger. Einmal der
Ärger der Tatsache des außerordentlichen Vollidioten (schlimm genug) und zum Zweiten die falsche, praktische Herangehensweise an solch einen Trottel.

Also, was tun? Weiterhin doppelt ärgern?

Das kann keine Lösung sein. Die Lösung sehe ich in einer Art maximal gefestigten Befindlichkeit in mir selbst. Ich bin ich, ich habe mein Leben, meine Umgebung, meine Welt, meine Lebenszeitbegrenzung und den Rest, so er mich nicht körperlich angreift, sollte ich so gut es geht an mir vorbeiziehen lassen – ungefähr so wie einen Windhauch oder einen Donner. Wind kommt, Wind geht, Donner kommt, Donner geht, gute Laune bleibt.

Im Zentrum meines Interesses sollte (was es nicht immer tut), mein eigenes Befinden stehen. Ein gutes Selbstgefühl ist wohl das Zentralste und Wichtigste, was wir zunächst haben und worum wir und zentral und zuerst kümmern sollten.

Kinder, Hunde und geliebte Menschen haben da selbstverständlich ein deutliches Wort mit zu reden, aber soviel Kraft ist meistens da, dass man diese „mitverarbeiten“ kann.

Also: Da ich die meisten Menschen für Volltrottel halte, ihnen fast sowas wie eine Bewusstsein abspreche, sollte ich sie entsprechend behandeln. Nämlich möglichst gar nicht! Man nehme die Volltrottel als Naturphänomene, belasse sie als solche und mache sich mit ihnen sowenig gemein wie es geht.

Wenn also jemand bei der Arbeit blöd daherkommt – lassen! Konzentration darauf, was das zur Arbeit gehörend Unerlässliche ist, liefern und Schluss. Genauso auf der Gassimeile – wenn da jemand wie Doofmann auftritt – lassen! Zur Kenntnis nehmen, vielleicht kurz „Guten Tag“ sagen und weitergehen.

Wichtig ist, nicht noch auf die Idioten zuzugehen, außer man ist in seelischer Bestform. Dann können einem selbst die größten Affen nicht von der guten Laune abbringen. Aber Vorsicht!

Also, zur Kenntnis nehmen, wer da ist, wenn Vollhonk, das absolute Minimum an Höflichkeit bringen und weitergehen. Weg von ihm.

Der Kontakt zur Idiotie des Menschen, der der anderen Menschen, lässt sich nicht vollständig vermeiden. Der Mensch ist ein soziales Wesen, also wird er sich immer unter mehr oder weniger befähigten Trotteln bewegen. Aber man muss sie nicht noch gesondert aufsuchen, geschweige denn, ihnen im persönlichen Kontakt mehr Aufmerksamkeit widmen, als absolut und total notwendig ist.

Das macht das Leben zwar etwas einsam, aber wenn man gut mit sich klarkommt, dann gehts. Außerdem gibt es ja nicht nur Volltrottel. Die konsequente Reduktion des Kontaktes mit Arschgeigen verschönt dann auch die Momente, wenn man mal auf Menschen trifft, die es ja auch noch gibt.

Viel Erfolgt wünscht Ihnen – Ihr Jörg Baumann 🙂

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