Aufpassen

Man muss wirklich sehr darauf achten, abhakte Handlungen nicht zu wiederholen. Das gelingt zwar oft nicht, aber man kann sich wenigstens Mühe geben.

Alte, abgehakte Verhaltensmuster – sicher kann man sie sich von Zeit zu Zeit mal anschauen, so versuchsweise, aber es ist dabei wirklich Vorsicht geboten.

Heute saß ich einer Frau gegenüber, einer Ausländerin, die sich für einen relativ hochwertigen Ausbildungsberuf bewerben wollte. Ich sollte ihr dabei helfen. Aber anstatt mich sogleich an die Bewerbungsunterlagen zu setzen, checkte ich erstmal die Lage. Und ich erfuhr: Sie kannte weder die korrekte Berufsbezeichnung, noch war klar, ob ihr Schulabschluss für die Ausbildung ausreichen würde, ebensowenig war geklärt, ob ihre Sprachkenntnisse anerkannt würden.

Da ließ ich natürlich alles sofort fallen und bat um vorherige Klärung der Sachverhalte und zeigte ihr die zu gehenden Schritte auf. Mal schauen, ob sie diese gegangen sein wird.

Früher hätte ich mich vermutlich um das von ihr Gewünschte, die Unterlagen gekümmert. Heute sehe ich das alles distanzierter. Die gute Frau fiel in das Schema von Bewerbern, die einen bestimmten Status anstreben, ohne sich bewusst gemacht zu haben, ob das Ziel realistisch erreichbar ist. Sie wollte und will einen Status, nicht das Erreichbare.

Das ist mir alles zu verblendet. Für diese Einstellung habe ich keine Zeit mehr. Früher hätte ich mich wie ein Adler auf die Bewerbung gestürzt und meine und ihre Zeit verplempert. Aber dafür bin ich zu alt, ist meine Zeit zu kostbar.

Da laufen sie draußen herum, die Illusionsbeladenen, die Wahnsinnigen, die glauben, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern, würde sich irgendetwas in ihrem Leben bezüglich ihrer Wünsche und Träume ändern.

Da sitzen sie Nacht für Nacht bei Alkohol und dummem Gelaber, schlafen bis zum Mittag und wundern sich darüber, dass sie im Schlamm verbleiben.

Ich habe diese Sorte Mensch gründlich satt. Je weiter sie mir vom Leib bleiben, desto besser. Wenn ich außerhalb der Arbeit unterwegs bin, habe ich meist meine Hunde bei mir, die schaffen natürlich Abstand zu den Verblödeten. Und wenn ich ohne Hunde unterwegs bin, strömt aus jeder meiner Poren, dass es besser ist, mir nicht nahe zu kommen. Deshalb trage ich auch gerne Militärstiefel jeder Sorte und Klamotten, die auch dem letzten Affen vermitteln: Geh weiter!

Wie ich noch in Hamburg zu allen Zeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, war diese Aura und dieses Auftreten notwendig, um in U-Bahnen und auf Bahnsteigen gar nicht erst angelabert zu werden. Es geht letztlich um Abschreckung.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich von Arschgeigen angesprochen werde, liegt bei 99 % – also versuche ich dafür zu sorgen, möglichst nicht angesprochen zu werden. Ich muss bei der Arbeit schon dauernd Menschen um mich ertragen, die vollständig abgehakt sind und nie eine Chance bekommen werden (weil sie keine Voraussetzungen dafür in sich herstellen können). Da muss ich außerhalb der Arbeit umso strikter darauf achten, dass mir die Blödis vom Leib bleiben.

Und dafür sind Hunde natürlich die erste Wahl. Und meine Hunde haben seltsamerweise ein gutes und sicheres Gespür für Arschgeigen. Freundlichen und zurückhaltenden Personen sind sie friedlich gegenüber gestimmt, Desorientierte und unterschwellig aggressiven Menschen begegnen sie aufmerksam und warnend.

Mein kleinerer, schwarzer Hund, Lea, ein holländischer Schäferhund-Mix ist da sehr sensibel und zeigt mir sofort, wenn ihm jemand nicht koscher ist. Er ist, vom Aufgabenbereich, ein vorderer Wächter. Er gibt Signale und braucht die Leitung und Führung des vorderen Leithundes und mir, dem „Zentralleithund.“

Wenn wir in unbekannten Terrain unterwegs sind, das Gras hüfthoch ist und die Lage für die Hunde unklar, dann geht Lea vorneweg, ich in der Mitte und Alina, der schottische Schäferhund-Mix am Ende der Reihe. Der Hund vorne ist sozusagen der Sensor, der Hund hinten der Gefährliche im Glied und der in der Mitte, ego, der Entscheider.

Und meist sind wir einer Meinung. Wir sind eine gute Streetgang.

In diesem Sinne, Ihr Jörg Bauman

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