Nichts vormachen

Hunde machen einem nichts vor, im Sinne von, dass sie einen verarschen. Hunde sind so, wie sie sind, ehrlich, offen und klar. Wenn das von uns nicht so gesehen wird, dann deshalb, weil wir die Kommunikationsformen der Hunde nicht richtig und umfassend verstehen. Sei‘s drum, ist so.

Problematisch wird es, wenn es um unser Verstehen unseres Selbst geht. Da machen sich viele nicht mal die Mühe, Verstehen aufzubauen und ich hoffe, sie gehören nicht zu denen. Denn falls doch, dann sind sie vollständig verloren und werden niemals glücklich. Aber es wollen ja vielleicht auch nicht alle Glück verspüren, was weiß ich…

Ich denke, um in entwickelten Gesellschaften Glück zu erreichen, bedarf es der Hinwendung zum Ich und Verminderung des Konsums von Dingen.

Und da liegt das Problem: Um sich sein eigenes Ich verständlicher zu machen, bedarf es nicht selten professioneller Unterstützung, z. B. durch einen Psychotherapeuten, einem Menschen, der sich mit dem Seelenleben auskennt, wie vielleicht ein Zahnarzt mit Zähnen oder ein ein Pilot mit dem Fliegen von Flugzeugen, ein Koch mit der Zubereitung von Speisen.

Wenn man sich nicht intensiv mit sich und seinem Verhalten beschäftigt, dann ist und bleibt man erster Kandidat für Selbstbetrug. Und Selbstbetrug halte ich für eine der traurigsten menschlichen Erscheinungsformen.

Ich bin jetzt 53 Jahre alt und bemerke jeden Tag Veränderungsbedarf meines Verhaltens. Und zwar in Bezug auf den Umgang mit mir, mit meinen Mitmenschen, den Tieren und den Dingen. Die Veränderungen haben dabei natürlich den Sinn, mein Zufriedenheitsgefühl zu steigern. Ich wünsche mir für mich inneren Frieden. Denn nur aus diesem heraus kann ich das finden und anstreben, was mir gut tut, was mir gute Gefühle verspricht.

Natürlich ist die Realität nicht immer so toll wie die Vorstellung der angestrebten Realität – aber auch diese Erkenntnis hilft mir auf dem Weg zu meiner inneren Zufriedenheit und Beurteilung meines Handelns, Planens und Bewertens. Es ist nunmal, wie es ist.

Sich nichts mehr vorzumachen ist vermutlich nicht erreichbar. Aber es geht nicht um 100% oder irgendeine Zahl, sondern um den Weg. Und der Weg zum Unrat ist ein anderer, als der zum Licht oder zur Geborgenheit. Welchen Weg wollen Sie gehen?

 

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