Kennenlernen

Man lernt Hunde kennen, man lernt Menschen kennen, man lernt den Umgang mit Dingen kennen, wenn man Glück hat, lernt man sich selbst etwas kennen.

Ich denke, dass ein spezifischeres Kennenlernen, von was auch immer, ein entwickelteres Kennenlernen des Selbst voraussetzt. Alles, was sich  z. B. im Umgang mit mir und meinen Hunden entwickelt hat, hatte zur Voraussetzung, dass ich bestimmtes Verhalten an mir erkannte und dieses änderte.

Nun ist das Verhaltensrepertoire von Menschen mitunter etwas komplexer, als das bei Hunden, zumal einem die menschlichen Möglichkeiten besser vertraut sind.

Man lernt sich also kennen. Sie wissen, wie das mit Schönwetterbekanntschaften ist – sie bleiben in der Regel Bekanntschaften. Bekanntschaften können zu Freundschaften werden, wenn die „Chemie“ der beteiligten passt und wenn gewisse Krisen gemeinsam durchschritte worden sind.

Die Chemie passt oder passt nicht, das ist ziemlich simpel, da braucht man nur auf sein Gefühl zu hören (so man denn einen Kontakt zu diesen hat). Mit den Krisen ist das schon schwieriger, weil da der Verstand mit im Spiel. Und um diesen ist es bei vielen, wie ich schon ca. hundert Mal anmerkte, nicht besonders gut bestellt. Daraus folgt, dass Krisen in der Beziehung zwischen zwei oder mehr Menschen häufig dazu führen, dass man im Anschluss nicht mehr miteinander umgeht.

Man lernt sich halt so kennen, schätzt sich, meint, den anderen zu verstehen, vermutet, verstanden zu werden, um dann irgendwann etwas zu erleben, was dieses Verständnis in Frage stellt. Naja, dann gibt ein Wort das andere und schon ist man bei Beschimpfungen und dem Entschluss, mit dem Anderen nichts mehr zu tun haben zu wollen. Kennt man.

Etwas blöde wird es nur, wenn man meinte, einen recht verständigen Menschen kennengelernt zu haben und sich dieser dann als doch nicht so verständig zeigt. Dann sollte man die Sache nicht weiter entwickeln, sich nicht groß aufregen, den Sachverhalt als gegeben hinnehmen und darauf hoffen, vielleicht irgendwann wieder einen passenden Menschen zu finden, mit dem man es einigermaßen aushält und der zu Respekt und Aufmerksamkeit fähig ist, der entwicklungsfähig ist und zur Selbstreflexion.

Einen schönen Abend und weiterhin fröhliche Bekanntschaften wünscht Ihnen Ihr Jörg Baumann.

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