Ball flach halten

Was offenbart die eigene negative Rede bezüglich eines abwesenden Dritten, das sogenannte Lästern? Es offenbart das, was man an sich selbst verdrängt. Mache ich zum Beispiel die Unpünktlichkeit anderer Menschen schlecht, ziehe diese in den Dreck, dann habe ich anscheinend selbst mit dem Begriff der Pünktlichkeit ein Problem.

Wie das? Vorausgesetzt ich bin pünktlich – tja, wie das? Es kann sein, dass ich mich, um immer und ständig pünktlich zu sein, ganz schön anstrengen muss und mir diese Mühen einfach lästig sind, dass ich einfach mal unpünktlich sein will. Und vielleicht geht mir meine Zwanghaftigkeit auf die Nerven, die mich immer wieder aufs Neue zur Pünktlichkeit drängt. Oder mir geht meine Inkonsequenz auf den Sender, welche mit trotz besseren Wissens, mit unpünktlichen Menschen verabreden lässt. Oder mich stört, dass ich es nicht schaffe, zu verstehen, dass, wenn ich mich mit einem unpünktlichen Menschen  verabrede, diese Unpünktlichkeit einzukalkulieren ist.

Wie sie an diesem Beispiel vielleicht sehen können, ist das, was man am anderen Menschen schlecht macht, in den meisten, wenn nicht in allen Fällen das, was da unbearbeitet in mir selbst unklar und/ oder unbewältigt ist, als nicht zu mir gehörig behandelt wird.

Das mir auffällige negative Verhalten des Anderen ist im Grunde ein Indikator für das, was ich mir näher anschauen sollte und zwar derart, dass ich das Problem, welches ich da draußen zu erkennen meine, in mir suche. Das ist allemal erhellender, als das dauernde negative Geschwätz über andere und für letztlich zu einem entspannteren und angenehmeren Leben. Viel Erfolg damit, Ihr Jörg Baumann

(Kurz: Wenn ich Verhalten „R“ am Anderen abwerte, dann sollte ich das Verhalten „R“ in mir suchen und mich fragen, was denn damit los ist. Noch kürzer: Was interessiert mich der Mist der Anderen, wenn ich mir noch nicht mal meinen eigenen Mist anschauen?)

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