Ich und die Hunde

Ich und die Hunde

Den großen „turn“ bekommt man sowieso nicht hin, von heute auf morgen sowieso nicht und ich auch nicht. Aber es gibt die kleinen Entscheidungen und die bekommt man, denke ich, durchaus realisiert. Mein sich wandelnder Umgang mit den Hunden ist mein Beispiel aus der Praxis, dem wirklichen Leben.

Alina habe ich jetzt drei Jahre und ich habe mich drei Jahre stetig weitergebildet, was den Umgang mit Hunden betrifft. Hunde sind erstmal so, wie sie sind, ich bin erstmal so, wie ich bin und irgendwie bleibt alles, wie es ist, wenn ich mich nicht verändere.

Die entscheidende Einsicht im Umgang mit Hunden ist die, dass sie sich nur ändern, wenn ich mich ändere, dass sie sich nur weiter entwickeln, wenn ich mich weiter entwickel. Und Entwicklung braucht Zeit. Und ich kann, denke ich weiterhin, mit meiner Entwicklung bezüglich meiner Selbstwahrnehmung und meines Umgangs mit meinen Hunden recht zufrieden sein. Bis auf den nicht funktionierenden Rückruf Alinas und mein ausbaufähiges Verstehen, was die Hunde wollen, bin ich wirklich zufrieden. Die Hunde sind ausgeglichen, bauen keinen Mist, sie sind wachsam und weiterhin bemüht, meine Entwicklung mitzugehen.

Lange habe ich dies und mal jenes ausprobiert. Letztlich waren es die längeren Spaziergänge mit den Hunden, die in mir eine Verhaltensänderung, bzw. mehrere Verhaltensänderungen weckten. Ich gehe jetzt ganz verändert mit den Hunden los und bin verändert mit ihnen unterwegs. Das Wichtigste ist für mich im Moment, die Hunde zu beobachten und zu schauen, ob sie mir etwas mitteilen wollen und was sie mir mitteilen wollen. Wichtig ist auch, die Ruhe zu bewahren und erstmal zu prüfen, was los ist. Weiterhin halte ich für bedeutsam, Alina klar zu machen, dass sie nicht wild und frei nach ihrem Willen in der Gegend rumstromern soll und kommen, wenn ich sie rufe.

Hunde brauchen Zeit und für sie ist wichtig, dass sie bei mir sein können. Für sie ist weiterhin wichtig, dass ich ihnen Sicherheit/ Schutz und Geborgenheit liefere und im Zweifel entscheide und anzeige, was getan, bzw. unterlassen wird. Hunde wollen zudem Routine, gewohnte Abläufe und verlässliche Reaktionen meinerseits. Sie wollen durch die Gegend streifen, ihre Nase einsetzen und dabei ernst genommen werden und beobachtet. Mir obliegt es, dass sie sich nicht überfressen und irgendwann platzen.

Meine Hunde müssen von mir die Signale erhalten, die ihnen zu verstehen geben, dass wir ein Team sind, dass ich sie von unnötigem Stress fernhalte und mich ggf. schützend zwischen sie und der Stressquelle stelle.

Hunde brauchen Zeit, Geduld und Arbeit, eine Aufgabe. Zuhause bewachen sie die Bude. Wenn wir unterwegs sind, zeigen sie Auffälligkeiten an und melden mir diese. Es liegt an mir, diese Meldungen auch zur Kenntnis zu nehmen.

Der Umgang mit den Hunden hat mich auch in der Einsicht entwickeln lassen, dass ich meine Welt schaffe und der Mist, den ich an meinen Mitmenschen kritisiere, der Mist ist, den ich an mir und in mir nicht wahrhaben will. Der Hunde hört nicht – stimmt nicht, er hört sogar besser als ich, hält das, was ich will, nur nicht für wichtig. Wenn ich also kritisiere, dass mein Hund nicht das tut, was er will, dann sollte ich nicht den Hund dafür verantwortlich machen, sondern meine nicht vorhandene Fähigkeit, ihm dies klar zu machen. Und das ohne unsinnige Gewaltanwendung.

Hunde sind kein Menschenersatz. Ich muss jedoch für mich feststellen, dass ich nur wenige Menschen in meiner Gegenwart ertrage und dann auch nur für ein bis zwei Stunden. Und das halte ich auch nur aus, wenn die Menschen einigermaßen mit Verstand begnadet sind.

Mit meinen Hunden kann ich drei, vier Stunden unterwegs sein, ohne dass sie mir auf den Sender gehen und wenn wir dann nach Hause kommen, empfinde ich ihre Gegenwart weiterhin als wohltuend. So sieht‘s aus.

Hunde sind also wirklich die besten Lehrer. Warum? Weil sie mich dazu bringen, selbst zu denken. Ich muss mich beobachten, ich muss die Hunde beobachten, ich muss versuchen herauszufinden, was mit ihnen los ist, ich muss herauszufinden versuchen was mit mir los ist, ich muss verschiedene Theorien des Umgangs mit Hunden studieren und diese Theorien verwerfen oder in der Praxis prüfen, um sie dann beizubehalten oder zu nicht.

Ich muss mich, auf mein Gefühl und meinen Verstand verlassend, darum kümmern, „dass der Laden läuft“. Wenn ich mich nicht darum kümmere und mich nicht erfolgreich darum kümmere, dann zeigen mir meine Hunde einen Vogel und der „Laden“ läuft nicht.

Die Hunde entwickeln sich nur und schöpfen ihr Potential nur dann, wenn ich mich zuerst entwickele und mein Potential ausschöpfe. Der Umgang mit Hunden fördert das Selbstdenken, denn zu jedem Punkt in der Beziehung Mensch/ Hund gibt es widersprüchliche Auffassungen, Theorie. Und ich muss entscheiden, nach meinem Gefühl und aufgrund meiner Überlegungen.

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