Menschen als Reflektor

Normalerweise sind die meisten Menschen für Kommunikation vollständig nicht zu gebrauchen. Die Umstände der Zivilgesellschaft machen es jedoch notwendig, dass man von Zeit zu Zeit dennoch mit ihnen kommunikativ in Kontakt treten muss.

Ich habe begonnen aus diesen, zuvor für mich unnützen und nervigen Begegnungen, etwas Positives zu ziehen. Für mich sind diese Menschen lebende „Reflektoren“ meines Selbst. Das Schema läuft wie folgt ab: Ein Mitmensch bedient sich in meiner Gegenwart vermehrt der Fäkalsprache. Das geht mir auf den Sender, weil Fäkalsprache einfach ungenau, zu unspezifisch ist und ich nicht dauernd an Fäkalien denken will. Also rege ich mich insgeheim über den Anderen auf und werte ihn innerlich zu einem Idioten und Blödmann.

Der springende Punkt ist der, und da kommt die Reflektorwirkung zum Tragen: Wenn ich die Sache genauer untersuche, dann muss ich feststellen, dass ich selber Fäkalsprache verwende, diese aber ausblende/ verdränge. Daraus folgt: Alles, was ich an einem anderen Menschen negativ wahrnehme existiert in mir, nur ist es verdrängt und auf den Anderen projiziert. Natürlich ist meine Verwendung der Fäkalsprache, trotz Verdrängung und Projektion auf einen anderen Menschen, noch immer in mir und wird diese auch von mir verwendet.

Der andere Mensch ist also insofern erkenntnisbildender Reflektor für mich, weil er mich darauf hinweist (dadurch, dass ich etwas an ihm als nervig wahrnehme), dass ich anscheinend etwas (das auf ihn Projizierte) an mir nicht wahrnehmen oder wahrhaben will.

Der Andere, so blöd er auch sein mag, ist somit, zu Zeiten, recht nützlich für mich. Aber natürlich gibt es noch Anderes im Leben, deshalb sollte man die Gegenwart von Idioten, auch wenn sie erkenntniserhellende Reflektoren sind, nicht zu lange auf sich wirken lassen.

Das ist, denke ich, insgesamt mal ein positiv-konstruktiver Ansatz. Sich mit anderen Menschen darüber zu verständigen ist allerdings in 99,9 Prozent der Fälle sinnlos, da fast alle Menschen irgendwie nicht anerkennen, bzw. verstehen können, dass der Müll, den sie über andere Menschen ausschütten 1:1 in ihnen ist.

In diesem Sinne, eine gute Zeit, Ihr Jörg Baumann

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