Scheitern

Solange Menschen glauben, durch den Erwerb von Gegenständen ein Glücksgefühl für sich herstellen zu können, wird die Menschheit scheitern. Wenn es einem Menschen schlecht geht und er wickelt sich eine Rolex um den Arm, geht es ihm dadurch substanziell nicht besser. Für einen Augenblick mag sich vielleicht ein gewissen Gefühl der Euphorie einstellen, ein gewisses Hoch ihrer Stimmung, aber nach ein paar Minuten ist dieses Phänomen verflogen, weg, auf nimmer Wiedersehen.

Bei Kindern mag der Effekt des Hochgefühls mittels neuer Spielzeuge usw. vielleicht ein bisschen länger anhalten. Vermutlich handeln die meisten Erwachsenen kindlich, bzw. sind sie in der Kindheitsphase steckengeblieben und auch bei ihnen hält dieses Gefühl längere Zeit. Wenn das nicht so wäre, würden sie sich ja auf die Spur kommen können und die Erfahrung machen, wie kurz dieses Gefühl ist.

Mein Rausch bezüglich neu angeschaffter Dinge ist mittlerweile der schwächste und kürzeste, also im Grunde nicht mehr existent. Ich weiß schon, bevor ich etwas kaufe, dass es mir lediglich dazu dient, bestimmte Handlungen auszuführen.

In der Mehrheit kaufe ich mir nur noch Bücher und diese meist in gebrauchtem Zustand. Mein Auto ist alt und ich habe nicht vor, es auszutauschen, bevor es Schrott ist. Wie ich in den letzten Tagen mit dem Gedanken spielte, mir einen VW-Bus zu kaufen, fühlte ich mich regelrecht schlecht. Und so bin ich froh, dass ich von diesem Gedanken abgerückt bin. Ich brauche keinen VW-Bus.

Was ich brauche:

Ich brauche es warm und trocken. Ich brauche Nahrung, Bewegung, geistige Herausforderungen und positive soziale Kontakte – fertig!

Dieses endlose Habenwollen usw., das ist eine Sackgasse und ich erlebe mich von Sackgassenmenschen umgeben.

Aber das ist erträglich, solange ich nicht das Gefühl habe, in einer Sackgasse zu sein und zu glauben, ich wäre es nicht. Ich bin ein großer Freund der Reduktion. Weniger ist mehr.

Was würde man tun, wenn man es ohne Arbeit warm und trocken hätte, wenn man ohne Arbeit genug zum Essen und Trinken hätte, freundliche Menschen kennen würde und jeden Tag Spaziergänge machen könnte? Eine Rolex kaufen? Einen Mercedes CLX? Eine Villa kaufen?

Die meisten Menschen erhoffen sich Glück durch Konsum, einem Konsum, der über Wärme, Trockenheit und Nahrung und positive soziale Kontakte und körperliche und geistige Bewegung hinausgeht. Die Schlimmsten suchen geistige und körperliche Herausforderungen im Bereich der Arbeit. Sie reißen sich für die Arbeit und während der Arbeit den Arsch bis zum Hals auf.

Natürlich ist es schön, wenn mein Chirurg bezüglich der anstehenden Operation gut informiert ist, körperlich fit und geistig auf der Höhe. Aber ich stelle in Frage, dass man sein „Hobby“ zum Beruf machen kann. Hobby ist ja gerade keine Arbeit. Arbeit heißt, mit Menschen zusammen zu sein, mit denen man nicht zusammen wäre, wenn man nicht arbeiten würde, Arbeit bedeutete Kontakt mit Kunden, Kollegen und Vorgesetzten. Arbeit ist gekennzeichnet durch Zeit- und Handlungs- und Raumvorgaben. Da gibt es für mich nichts zu idealisieren.

Wenn Dr. Sauerbruch ohne Arbeit das gehabt haben könnte, was er gehabt hat, dann würde er vermutlich nicht gearbeitet haben. Ebenso vermutlich ist, dass Dr. Sauerbruch außer seiner Arbeit nichts hatte.

Wie viele Menschen kennen Sie, die außer ihrer Arbeit nichts haben? Also ich kenne ein paar, die ihre Zeit sehr wohl angenehm zu verbringen wüssten, ohne zu arbeiten. Aber ich kenne auch ein paar, die außer ihrer Arbeit nichts zu haben scheinen. Das sind auch meist die, die dauernd schlecht daherreden und nix Positives ausstrahlen und ständig verdrängen und die Anderen zum Arsch machen.

Es ist zum Verzweifeln… Meistens ziehen Verrückte Verrückte an, die reden dann mitunter auch endlos miteinander und das Ergebnis ist Verrücktes. Prost Neujahr!

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