Sonnaufgang

Wenn man so für sich durch die Landschaft geht, dann bedarf es schon einer gewissen Einstellung, um dies regelmäßig zu tun. Mit Hunden hat man immer irgendwie ein Alibi bei sich – „… der geht mit seinen Hunden…“ und mitgedacht: „Muss er ja!“

So allein durch den Wald schleichen, das ist irgendwie nichts für mich. Ich denke, dass ich für andere als Bedrohung wahrgenommen werde, besonders bei Sonnaufgang und Sonnenuntergang oder gar im Dunkeln. Mit Hunden geht man immer Gassi, ist also harmlos und alles ist gut. Wenn mir ein einsamer Wanderer entgegenkommt, dann denke ich „arme Sau“. Da ich für fast jeden Spaß zu haben bin und mit meinen Hunden unterwegs bin, sehe ich einsame Wanderer nicht als Bedrohung. Wenn sie in Rudeln daherkommen, dann ist das natürlich etwas anderes. Aber so allein?

Allein ist doof. Und wer kommt schon jeden Tag mit, zum Sonnenauf- und -untergang? Und so zwischendurch? Da kommt ja niemand mit. Und wenn jemand mit käme, bliebe zu klären, ob derjenige tauglich ist. Ich kenne jedenfalls niemanden, der mitkommen würde. Taugliche kenne ich, aber niemanden, der mitkommt.

Dabei liebe ich es draußen unterwegs zu sein, bei Wind und Wetter. Und meistens treffe ich morgens, zum Sonnenaufgang doch jemanden – ich habe also nicht ganz die Wahrheit gesagt. Es handelt sich um einen älteren Typen, der Oldtimer-Motorräder fährt und mit einem Ridgeback (ausgewachsen, weiblich, freundlich, fröhlich)  unterwegs ist. Mit ihm und seinem Hund und meinen Hunden kann ich gemütlich am Waldrand entlangschlendern, irgendwas erzählen, lachen, schweigen und einig sein. Das geht gut.

Nun bin ich auch nicht der Typ, mit dem jeder auf jeden Fall draußen rumgehen will. Ich bin ein großer Freund von Gefühlen, von der Wirklichkeit, von schlüssigen Gedanken und Plänen. Das ist nicht unbedingt das, was gerne wahrgenommen wird, von meinen Mitmenschen.

Und deshalb ist es ganz gut so, wie es ist.

 

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