John Smith Teil 3 – Wieder in der Prärie

Ich ritt eine Weile, bis ich weit genug von der Siedlung entfernt war und suchte einen geeigneten Platz für ein Lager. An einer Felsengruppe fand ich schließlich eine gute Lagerstätte. Zuerst versorgte ich das Pferd, dann entzündete ich ein kleines Feuer. Vom Wirt hatte ich ein wenig Proviant kaufen können, diesen ließ ich mir jetzt schmecken. Die Welt war seltsam, dachte ich so am Lagerfeuer sitzend, satt und mit einer Selbstgedrehten. Dauernd begegnete ich entweder völlig inhaltsleeren Menschen oder bösartigen Ratten, die darum bettelten, erschossen zu werden. Der Vorteil der Ratten war, dass sie mir meist eine satte Prämie einbrachten. Und wenn ich ehrlich war, genoss ich es, wenn sie da großspurig vor mich hintraten, am besten in eindeutiger Überzahl, um anschließend ihren letzten Lebenshauch auszublasen, nicht recht verstehend, wie das geschehen konnte. Mehrmals sagte ich laut ins Feuer „Rattenjäger, Rattenjäger, Rattenjäger“.

An die letzte Begegnung mit einem halbwegs interessanten Menschen konnte ich mich kaum noch erinnern. Immer nur leere Wesen oder Ratten, leere Wesen, Ratten. So allein in der Prärie, nur mit meinem treuen Pferd und dem Sternenhimmel, das konnte ich gut ertragen. Was für eine dumme Idee war es von mir gewesen, in Duran City abhängen zu wollen. Vermutlich war ich einfach zulange allein in der Prärie unterwegs gewesen. Dann bekam ich manchmal solch seltsame Anwandlungen. Menschen waren doch in fast allem nur Müll, dachte ich. Sie stellten Unmengen an Müll her, verpesteten jetzt neuerdings die Luft in den Städten, sie knallten sich gegenseitig über den Haufen, sie rotteten bestimmte Tiere aus und gingen miteinander um wie der letzte Abschaum. Darüber hinaus waren sie unendlich dumm. Sie hörten einfach nicht zu. Wie oft hatte ich meinen Kontrahenten gesagt, sie sollten es sein lassen und sich einfach verziehen. Aber nein, sie blieben, dachten irgendeinen Mist und waren kurz darauf einfach nur tot.

Da war dieser Superheld in Veigan. Schwarze Klamotten, ein Colt für tausend Dollar und ein Auftreten, als wäre er Gott. Ich hatte ihn im Mietstall getroffen. Den Pferdepfleger hatte er wie eine Amöbe behandelt. Er hatte wohl auch einen berühmten Namen gehabt, aber mein Namensgedächtnis war schon immer eine Katastrophe gewesen. Der Pferdepfleger hatte jedenfalls vor der schwarzen Vogelscheuche gekuscht, als ginge es um sein Leben. Weil mir danach gewesen war, hatte ich zu dieser Zeit im Mietstall genächtigt. Manchmal waren mir Hotels und der ganze Klimbim einfach zuviel. Das Verhalten des Revolermanns hatte ich allerdings nicht ertragen können. Als er den Mietstall hatte verlassen wollen, hatte ich mich ihm in den Weg gestellt. Von ihm war dann das übliche Gemurmel gekommen. Ich hatte ich kaum zugehört und gesagt: „Pass auf Kumpel, Du kannst jetzt ziehen und schießen. Dann bis du tot. Oder Du setzt dich wieder auf dein dreihundert Dollar Pferd und machst die Fliege.“ Daraufhin hatte mich die Kanaille nur angschaut, so, als würde er mich weggucken können. Ich war jedoch einfach stehen geblieben und hatte darauf gewartet, dass er seinen Colt schnappte. Das hatte er dann auch getan. Aber bevor er ihn auch nur halb aus dem Holster gezogen hatte, sah er in die Mündung meiner Kanone. Das Abdrücken hatte ich mir erspart. Der Kerl war kreideweis geworden, hatte seinen Colt wieder fest ins Holster gesteckt, sein Pferd gesattelt und Verigan verlassen. Der Mietknecht war mir dankbar gewesen.

Bei diesen Gedanken prasselte das Lagerfeuer beruhigend vor sich hin. Der Himmel war sternenklar. Es war noch angenehm warm und ich genoss den Kaffee. Während ich mir eine Zigarette dreht, musste ich daran denken, dass ich im Grunde ein Satteltramp war. Das ganze Geld ermöglichte mir, nicht ständig einen Job suchen zu müssen und für ein paar Dollar meine Gesundheit zu ruinieren. Ich liebte, unter freiem Himmel zu nächtigen, niemanden bei mir, der mir mit seinem sinnlosen Geschwätz auf die Nerven ging. Bei diesen Gedanken nahm ich vorsichtig meinen Colt aus dem Holster und betrachtet ihn liebevoll. Dieses Stück Metall beruhigte mich. Es konnte nicht sprechen, war immer bei mir und zuverlässiger als jeder Sattelkumpane. Außerdem war er gefährlicher. Ich steckte ihn zurück an seinen Platz und schaute in die Flammen.

Die nächsten Tage würde ich mir ein Packpferd besorgen müssen und meine Ausrüstung vervollständigen. Ich wollte weiter Zickzackkurs durch das Land reiten. Was ich auf keinen Fall wollte, war, meinen Colt an irgendjemanden zu vermieten, auch nicht an das Gesetz. Mir hing der ganze Schleim der Zivilisation mächtig zum Hals heraus, dachte ich, am Feuer liegend, wärmend in meine Decken eingehüllt.

Kurz bevor ich einschlief, hörte ich, dass sich etwas in meiner Nähe bewegte. Erst dachte ich, es sei irgendein wildes Tier. Aber nachdem ich eine Weile gelauscht hatte, sah ich auf der anderen Seite des Feuers einen Hund nervös hin- und herlaufen. Er schnüffelte mit seiner Nase über den Boden und schien sich nicht sicher zu sein, ob es ratsam wäre, näher zu kommen. Ich pulte mich langsam aus meinen Decken und griff mir etwas von meinem Proviant. Sicher hatte er Hunger und erhoffte sich von mir etwas Beute. Vorsichtig warf ich im ein paar Brocken Trockenfleisch vor die Nase. Zuerst sprang er kurz zur Seite, schnüffelte sich dann aber langsam an das Fleisch heran, prüfte und verschlang es hastig. Mir war die Begegnung sehr angenehm, denn die Gesellschaft von Tieren, speziell von Hunden, war in der Regel stets von Freundlichkeit und Respekt geprägt.

Der Hund war weder groß noch klein, er sah aus wie ein helles Scheckenpferd und legte sich, nachdem er alle Brocken gefressen hatte, neben das Feuer. Liegend schaute er aufmerksam in meine Richtung.

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