John Smith Teil 2 – Duran City

Duran City. Ein Drecksnest. Ein paar Hotels, zwei Saloons, ein Sheriff-Office, zwei Mietställe, ein paar Stores und Wohnhäuser sowie ein Verladebahnhof für Rinder. Eine Bank besaß das Städtchen ebenfalls. Wie ich nach Duran City einritt, es war gegen Mittag, spürte ich die neugierigen Blicke der auf der Straße befindlichen Leute. Mein Auftritt brachte sie sicher aus dem Rhythmus, denn wann kam schon mal ein fremder Reiter mit neun Leichen über den Pferden in ihre Stadt geritten. Mir war das Geglotze egal. Ich hielt vor dem Sheriff-Office, band die Pferde fest und klopfte an die Tür. Nach dem „Herein“, trat ich ein. Der Sheriff saß an seinem Schreibtisch, die Füße auf dem Tisch. „Was kann ich für sie tun, Fremder?“, fragte er mit gelangweiltem Tonfall. „Ich habe da draußen neun Leichen und würde gerne die ausgesetzten Prämien einstreichen“, erwiderte ich in ebenso gelangweiltem Ton. Der Sheriff nahm die Füße vom Tisch, sah mich kurz erstaunt an und trat dann an mir vorbei, um sich meine Beute anzuschauen. Er ging von Pferd zu Pferd, packte die Köpfe der Leichen und sah kurz in ihr Gesicht. „Ich denke, da lässt sich was machen.“ Daraufhin ging er zurück ins Office und kam mit einem Stapel Steckbriefe zurück. Nachdem er alle Gesichter mit den Steckbriefen verglichen hatte, sagte er: „Ja, das sieht gut aus. Für alle sind Belohnungen ausgesetzt, tot oder lebendig. Kommen sie mit rein, dann erledigen wir die Formalien.“ Wir gingen ins Office, setzten uns an den Schreibtisch und rechneten die auszuzahlende Summe aus. „Das wären Zwölftausend Dollar, John Smith. Ein hübsches Sümmchen. Sie sind jetzt reich“, stellte der Sheriff nüchtern fest. „Wir können gleich zur Bank gehen und dort die Summe auszahlen lassen. Ein Teil des Gewinns für die Pferde, Waffen und Sättel müssen wir ihnen jedoch für die Beerdigung der Banditen abziehen.“ Ich war damit einverstanden  und machte mich mit dem Sheriff auf den Weg zur Bank. Auf dem Weg dorthin kamen wir beim Totengräber vorbei. Dieser erhielt die Anweisung für den Verkauf der Sachen und Pferde der Banditen. In der Bank zahlte man mir die Prämien aus.

Nun war ich gut im Rennen, dachte ich. Der Sheriff war schon in die Jahre gekommen. Er machte zwar einen verkommenen Eindruck, aber irgendwie hatte er sich einen Rest an Moral erhalten können. Auf der Straße befanden sich nur einige Bürger. Da und dort lungerten ein paar zwielichte Gestalten herum. Mein Pferd brachte ich im Mietstall unter. Im Hotel wurde ich sehr höflich behandelt. Dennoch spürte ich das Befremden des Hoteliers. In seinen Augen musste ich ein Killer sein, ein gefährlicher dazu. Mir war es gleich.

Nach einem ausgiebigen Bad und einer Rasur, zog ich mir neue Sachen an. Der Saloon war mein nächstes Ziel. Ich brauchte jetzt ein saftiges Steak und ein kühles Bier. Der Saloon war nur von ein paar nichtssagenden Gestalten besucht. Der Wirt nahm freundlich meine Bestellung auf. Das Steak war hervorragend. Das frische und kalte Bier verwöhnte meine Kehle. Bei einer Zigarre ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen. Auch hier bemerkte ich, wie mich die Leute verstohlen ansahen. Einer der Männer erhob sich und kam an meinen Tisch. „Mister, darf ich ihnen einen Drink spendieren?“ fragte er und machte sich bereit, Platz zu nehmen. Mir war zwar nicht nach Gesellschaft, aber da ich beschlossen hatte, es mir in Duran-City einige Tage gutgehen zu lassen, willigte ich ein.

„Mein Name ist Jack Calahan. Ich bin der Besitzer des Verladebahnhofs“, stellte er sich vor. Er war ein in die Jahre gekommener Geschäftsmann. Seine beste Zeit, zumindest körperlich, hatte er lange hinter sich gelassen. Seine Kleidung war solide, aber abgewetzt. Auf seinem Kopf trug er eine schwarze Melone. „Da haben sie aber ein nette Grüppchen beim Sheriff abgeliefert, Mister….“, sagte er. „John Smith. Mein Name ist John Smith. Tja, die Penner wollten Streit. Jetzt sind sie tot“, erwiderte ich in bewusst beiläufigem Wortklang. „Mir gehört die halbe Stadt, Mister Smith. Allerdings sind die Zeiten im Moment etwas rau. Sie sehen so aus, als würden sie auch in solchen Zeiten gut zurecht kommen.“ „Ich kann nicht klagen“, antwortete ich und zog genüsslich an meiner Zigarre. „Vielleicht wundern sie sich, dass ich mich so einfach an ihren Tisch einlade, aber ich habe ein Anliegen. Es wäre ihre Chance, ihren ohnehin beachtlichen Gewinn, erheblich zu vergrößern.“

Mir war klar, was jetzt kommen würde. Mister Calahan suchte Revolverschutz. „Sehen sie“, sprach er weiter, „bis vor kurzem hatte ich eine ziemlich gute Mannschaft. Aber dann kamen die Cisco Brüder und schoss sie bis auf den letzten Mann zusammen. Dann ritten sie in ihr Camp in den Bergen und meinten, wenn sie wiederkämen, sollte ich verschwunden sein.“ Dabei sah mich der fettleibige Mann mit Augen an, aus denen die Furcht deutlich herauszulesen war. „Aber ich kann hier nicht einfach verschwinden. All die Sachen, die ich hier aufgebaut habe, die kann ich nicht im Stich lassen.“ Er ließ sich zurück in seinen Stuhl fallen und machte einen verzweifelten Eindruck. Er musste verzweifelt sein, denn sich einem Fremden derart zu offenbaren, war alles andere als üblich. „Die Cisco Brüder…“, murmelte ich leiste vor mich hin. „Das sind vier üble Burschen“, sagte der Mann, „und sie sind nicht allein. Zu ihnen gehört ein halbes Dutzend übelster Gestalten, die vor nichts zurückschrecken.“ Dem Mann schien jetzt die Furcht aus jeder seiner Poren zu kriechen. „Ja dann ist es wohl das Klügste, wenn sie ihre Sachen zusammenpacken und schnellstmöglich verschwinden“, riet ich ihm, denn ich hatte keine Lust, mich auf ein Geschäft mit ihm einzlassen.

Kaum hatte ich meine Worte ausgesprochen, hörte ich, wie sich auf der Straße wilder Hufschlag näherte. Der Mann beugte sich jetzt vor und sah mir eindringlich in die Augen. „Ich gebe ihnen zehntausend Dollar, wenn sie mir helfen.“ Ich stieß ein leichtes Schnauben aus der Nase und lockerte schon mal meinen Colt. Mir war klar, dass es Ärger geben würde, ob ich Mister Calahan nun meine Zusage geben würde oder nicht. Und so kam es auch. Kaum hatte ich mich auf meinem Stuhl etwas aufrechter hingesetzt, wurde die Schwingtür zum Saloon aufgestoßen und vier wilde Gestalten traten hinein. Aus Erfahrung hatte ich mich mit dem Rücken zur Wand gesetzt, den Eingang im Blick. Die Eingetretenen sahen sich kurz im Saloon um und traten dann an den Tresen. Der Wirt schenkte ihnen sogleich vier Whiskey ein, den die vier Kerle in einem Zug in sich hineinkippten. Dann drehten sie sich zu uns um und einer von ihnen meinte: „Hey, da ist ja der Fettwanst. Du solltest doch verschwunden sein, wenn wir wieder hier aufkreuzen, was ist, willst du sterben?“ Bei diesen Worten lachte die Gruppe lauthals auf. Die vier Raubeine waren vermutlich die Cisco Brüder. Auf ihren Kopf waren je fünfhundert Dollar ausgesetzt. Ich kannte ihre Steckbriefe.

Diese Art Typen nervte mich vollständig. Am Lagerfeuer, an der Wasserstelle, in Pferdewechselstationen, überall traf man auf dieses Pack. Meine Laune verdunkelte sich mit jeder Sekunde. „Und du da, glotz nicht so blöd“, sagte einer der Brüder und meinte damit offenbar mich. Ich war bereit zum Spiel, also sagte ich zu meinem Tischnachbarn: „Das sind die vier Wanzen, von denen sie mir berichteten?“, wobei ich ihn fragend anschaute. Calahan nickte nur schwach mit dem Kopf. Er wischte sich mit seinem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. Sein Körper schien in sich zu zerfließen. „Ey Du Penner, wen meinst du mit Wanzen?“ sagte der Sprecher Brüder und baute sich mit seinem Körper vor dem Tresen imponierend auf. „Na euch Pissnelken meine ich oder seht ihr hier noch andere Wanzen?“ Die Gesichter der am Tresen Stehenden wurden nun düster und ich sah, wie sie sich bereit machten, zu ihren Colts zu greifen. Ich entschloss mich, den vier Banditen einen miesen Abgang zu verschaffen, stand auf und stellte mich breitbeinig und herausfordernd vor die vier Brüder.

Wie erwartet schnappten sie nach ihren Colts. Sie hatten ihre Hände noch nicht an den Kolben, als ich allen eine Kugel ins Knie verpasst hatte. Schreiend und stöhnend brachen sie zusammen. Einer bekam noch den Colt hoch, konnte ihn aber nicht mehr abschießen, da ihn eine weitere Kugel von mir direkt zwischen die Augen traf. Schnell lud ich meine Waffe nach. Dann trat ich zu den verbliebenen Brüdern. „Na ihr Penner. Geht’s euch jetzt besser?“ Sie fluchten und hielten sich ihre Knie, machten aber keine Anstalten, ihre Knarren zu ziehen. Ich wollte mehr. „Was ist jetzt? Schon genug?“ Mit diesen Worten trat ich ihnen nacheinander an die Stiefel, sodass sie vor Schmerz aufheulten. Mit einem Mal wurde die Schwingtür aufgerissen. Der Sheriff stand mit einer Schrottflinte im Raum und besah sich die Szene. Mit Blick auf die Angeschossenen sagte er: „Ah, die Cisco Brüder. Sieht schlecht für euch aus.“

Ich war jetzt in Mörderlaune. „Halten sie sich zurück Sheriff. Die Typen gehören mir. Sie haben mich herausgefordert und waren die ersten, die nach ihren Waffen griffen.“ „Stimmt das?“, fragte der Sheriff an den Wirt gerichtet. „So sieht’s aus Sheriff. Die Vier kamen hier rein, forderten Mister Calahan auf, zu verschwinden und begannen dann einen Streit mit diesem Herrn“, wobei er mit dem Finger in meine Richtung zeigte. Ich wendete mich dem Sheriff zu und sagte: „Sheriff! Mir würde es gut gefallen, wenn sie noch eine Runde ums Haus machen würden.“ Aus meinem Ton war herauszuhören, dass ich keine Lust verspürte, das, was hier begonnen worden war, durch den Sheriff beenden zu lassen. Zusehr gingen mir Maden wie die Cisco Brüder auf die Nerven. „Also, Sheriff, was ist?“ Er schien zu ahnen, dass ich jetzt das Gesetz im Ort war, wie dieses Gesetz auch immer geschrieben war. Die drei verbliebenen Brüder lagen noch immer am Boden und stöhnten. Aus ihren Wunden rann das Blut. „Hey, ihr müsst uns verbinden. Sheriff! Wir brauchen einen Arzt!“ Ich blickte zum Sheriff und sagte: „Sie gehen jetzt ums Haus und schauen unterwegs beim Totengräber rein, o. k.?“ Der Sheriff ließ daraufhin seine Schrotflinte sinken, drehte sich wortlos auf dem Absatz und verließ den Saloon.

„Na, ihr Dreckschaben, wie geht es euch jetzt?“, fragte ich die drei sich am Boden wälzenden Kreaturen. „Wie oft habt ihr auf Unschuldige geschaut, die sich vor euch um Gnade flehend im Dreck liegend befanden? Ihr seit Abschaum. Los, sagt, dass ihr Abschaum seit.“ „Einen Dreck werden wir Mister. Wenn unsere Truppe in die Stadt kommt, dann bist du und der Fettsck geliefert!“ Er hatte mit gepressten Worten gesprochen. In seiner Stimme lag all das Böse, das sie über Jahre im Land verbreitet hatten. Voller Ekel hob ich meinen Colt und schoss ihnen je eine Kugel in das andere Knie. Ihr Geschrei und Fluchen erfüllte nun den ganzen Saloon. „Du Hurensohn, verrecken sollst Du!“, schrie mich einer der Banditen an. „Sicher, verrecken, Du Bastard, wir werden alle verrecken. Wenn Du nicht so selten widerlich wärest, würde ich Dir auch eine Kugel in den Kopf ballern. Aber ich denke, das Beste wird sein, euch am Leben zu lassen. So dumm und widerlich, wie ihr seit, ist euch für euch ein langes Leben die Höchststrafe.

Jetzt war auch der Doc in den Saloon gekommen. Ein schmieriger und vom Alkohol zerfressener Typ. Ob er den Cisco Brüdern eine Hilfe sein würde, wagte ich zu bezweifeln. Der Doc besah sich kurz die Wunden und befahl, die drei Typen in ein Nebenzimmer zu verfrachten. Ich hatte mich zwischenzeitlich wieder an meinen Tisch gesetzt, wo ich Calahan in seine unglaubigen Augen schaute. „So, jetzt fehlt nur noch der Rest der Bande, Mister Calahan und dann hoffe ich, dass sie sich an ihr Angebot erinnern.“ „Natürlich, natürlich“, erwiderte er sofort, „sobald der Rest der Bande erledigt ist, bekommen sie von mir ihr Geld. Die Stadt mag nach nichts aussehen, Mister Smith, aber hier ist auf hunderte Meilen der einzige Verladebahnhof für die Rinderherden aus dem Südosten Texas‘. Das Geschäft läuft im Moment schon hervorragend und es wird noch besser. Ich brauche eine neue Mannschaft. Ich würde ihnen, bis ich diese zusammengestellt habe, einen guten Lohn zahlen. Sagen wir hundert Dollar die Woche. Wie sieht’s aus?“

Ich überlegte seine Worte. Immerhin war ich ziemlich reich. Von den Zwölftausend Dollar hätte ich mir locker irgendwo ein Ranch mit saftigem Gras kaufen können, eine kleine Mannschaft und alles, was man braucht, um so eine Ranch am Laufen zu halten. Dazu kam das Geld, das ich auf der Bank von Denver deponiert hatte. Ich hätte mich auch einfach nur zurücklehnen und die Welt von einem angenehmen Ort aus betrachten können, ohne Arbeit. Aber ich ritt lieber in der Gegend herum, besah mir die Landschaften und ließ mich gerne von dem einen oder anderen interessanten Menschen überraschen. Da ich sowieso ein Zeit lang in Duran City verweilen, sagte ich Calahan zu. Dieser rieb sich daraufhin unbewusst die Hände und verabschiedete sich recht schnell, da er ja jetzt eine neue Mannschaft zusammenzustellen hatte, wie er meinte.

Zurück in meinem Hotelzimmer legte ich mich angezogen auf das Bett und ließ meinen Gedanken freien Lauf.  Die Toten der vergangenen Tage gingen mir dabei nur kurz durch den Kopf. Ich überlegte, was wohl als Nächstes auf mich zukommen würde. Da war der Rest der Bande der Cisco Brüder, die ich zu erledigen hatte. Ansonsten sah ich mich lässig auf einem Stuhl auf einer Veranda sitzen und Zigarren rauchen. Für die Cisco Brüder und ihren Anhang würde ich nochmal Prämien erhalten. Aber was war schon Geld? Ich hatte alles, was ich brauchte. Ich fühlte mich zwar irgendwie einsam, aber das war ich schon die längste Zeit gewohnt. In dieser erbärmlichen Stadt gab es sicher keinen Menschen, mit denen zu verweilen auch nur im Ansatz lohnte. Calahan war einfach ein geldgieriger Schleimbeutel. Die Gestalten, denen ich auf meinen kurzen Wegen über die Hauptstraße begegnet war, sahen auch nicht danach aus, als würden sie bis drei zählen können.

Auf einmal klopfte es an der Tür. Ich sagte nicht, blieb einfach liegen. Es klopfte weiter und ich hörte Calahans aufgeregte Stimme: „Mister Smith! Mister Smith! Die Leute der Cisco Brüder sind gerade in die Stadt eingeritten.“ Ich wusste, dass ich handeln musste. Also stand ich auf und öffnete Calahan. „Schnell, kommen sie“, sagte er, „sie haben noch drei weitere Männer mitgebracht.“ Sie waren also sieben Leute. Gut, das war machbar. Ich legte Calahan beruhigend die Hand an die Schulter. „Beruhigen sie sich Calahan. Ich komme.“ Dann ging ich mit ihm zum Hoteleingang. Sie erwarteten uns schon. Sie standen in einer Reihe aufgestellt, die Hände schwebten über ihren Colts. Kurz vor dem Hinaustreten schob ich Calahan beiseite. „Sie bleiben hier Calahan. Ich mache das.“ Er schaute mich zweifelnd an, denn er wusste, dass in meinem Colt nur sechs Patronen waren. Diese Situation hatte ich schon oft erlebt. Die Banditen dachten, ich würde hinauskommen, mit ihnen ein Palaver anfangen, meine Chancen ausrechnen und im besten Fall tot in den Staub fallen. Mir war allerdings klar, dass ich so nicht zum Ziel kommen würde. Also trat ich aus der Tür, ließ die Banditen in dem kurzen Glauben, dass es so ablaufen, wie sie vermuteten. Als ich vor ihnen stand, zog ich sofort meinen Colt, ließ ihn sechs Mal aufbellen und sprang daraufhin mit einem Satz zurück in das Hotel. Fünf der Schurken waren tot, bevor sie zu Boden fielen, der Sechste schrie angeschossen irgendwelche Verwünschungen. Der Siebte der Bande schoss in den Hoteleingang, aber ich hatte mich schon längst weggerollt und in Sicherheit gebracht. Schnell füllte ich mit ruhigen Händen die Kammern meines Revolvers. Als ich damit fertig war, linste ich vorsichtig am Fenster nach dem übrig Gebliebenen. Er war dabei seinen Colt nachzuladen. Ein Schuss von mir und sein Leben war Geschichte.

Zwanzig Männer hatte ich in kürzester Zeit umgebracht. Auf alle war ein Prämie ausgesetzt. Die Pferde und die Ausrüstung der Männer dazugerechnet machte wirklich reich. Die zehntausend von Calahan würden noch dazukommen. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, kamen langsam ein paar Menschen auf die Straße. Der Sheriff prüfte die Sachlage, der Totengräber ging seinem Geschäft nach. Der Doc war gleich wieder zurück in den Saloon gewankt, als er merkte, dass es für ihn nichts zu tun gab. Ich wiederum ging zurück ins Hotel und begab mich auf mein Zimmer. Kurz darauf folgte mir Calahan und zählte mir das Geld auf den Tisch.

„Danke, Mister Smith“, sagte er. Ihm war die Erleichterung deutlich anzumerken. „Bald wird meine Mannschaft kommen. Ich habe nach Meckelton telegraphiert. Dort habe ich einen Mittelsmann, der mir behilfich ist.“ Kaum hatte sich Calahan verabschiedet, folgte der Sheriff. Er übergab mir die Prämie für die Cisco Brüder und deren Anhang. „John Smith, jetzt erinnere ich mich. Sie waren in einigen Städten Deputy, ist das richtig?“ „Da liegen sie richtig“, antworte ich ihm. „Was werden sie jetzt tun?“, fragte er. „Ich werde hier eine Zeit lang abschlaffen und dann mal schauen, wo meine Nase mich hinführt.“ Danach klärte er mich auf, dass er in die Situation, wie sie Calahan mir geschildert hatte, eingeweiht war. „Es werden eine Menge wilder Burschen hier auflaufen, wenn der Verladebahnhof in Schwung kommt“, erklärte er. „Dann werde ich nicht mehr hier sein“, erwiderte ich ihm. Daraufhin ließ mich der Sheriff allein.

Endlich konnte ich Ruhe meinen Gedanken nachhängen. Der ganze Trubel mit den Satteltramps und diesen Cisco Schwachköpfen ging mir doch mehr auf den Sender, als ich erwartet hätte. Mir war nach Schlaf und es dauerte nicht lange, dann hatte ich ihn. Als ich erwachte war tiefe Nacht. Eine Stimme in mir sagte, ich solle weiterreiten. Duran City war ein Drecksnest, wie ich beim ersten Anblick zu Recht festgestellt hatte. Calahan war mir relativ egal. Seine Mannschaft würde sicher bald hier eintreffen, seine unmittelbaren Gegner waren erledigt und in mir sprach alles für Aufbruch. Also sammelte ich meine Sachen zusammen. Nachdem ich den Hotelwirt aus dem Schlaf geholt und meine Rechnung bezahlt hatte, machte ich mich auf den Weg zum Mietstall. Der Pferdepfleger war nicht besonders amüsiert, mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt zu werden, aber mir war es egal. Ich entlohnte ihn mit hundert Dollar, was seine Laune augenblicklich in einen strahlenden Sonnenschein verwandelte.

 

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