Eine seltsame Geschichte – Prolog

Ich tat das, was ich immer tat, wenn ich frei hatte und Zeit zum Gehen – ich schnallte meine beiden Hunde ins Geschirr und ging mit ihnen in den Wald. Meine Hunde sind aus Rumänien. Sie kommen von der Straße und hatten sich schon in einer Tötungsstation befunden, als sie von Tierfreunden gerettet wurden. Es sind Weibchen und sehr freundliche, wachsame Tiere. Ich habe darauf verzichtet, sie zu dressierten Affen zu machen, trotzdem hören sie auf mich. Alina, der Name der älteren Hündin, ist ein schottischer Schäferhund mit kurzen Haaren; Lea, die Jüngere, ist ein holländisches Schäferhundweibchen. Wir sind ein eingespieltes Team und halten zusammen. Die beiden sind die einzigen Lebewesen, in deren Gesellschaft ich einen längeren Spaziergang ertrage.

Ich selbst bin ein in die Jahre gekommener Wachmann. Bis zu diesem Job durchlief ich allerlei Stationen, die mir alle etwas gaben, im Gegenzug etwas nahmen, die mich zu dem Schluss kommen ließen, dass ich während der Arbeit meine Ruhe brauche. Und so bewache ich Nacht für Nacht eine einsame Villa, deren Besitzer unregelmäßig vorbeischaut, um ebenfalls seine Ruhe zu haben.

Wenn man mich fragen würde, was ich für ein Mensch bin, würde ich antworten, dass mir meine Ungewissheit als Mensch zunehmend zu schaffen macht. Trotz dieser Ungewissheit bezeichne ich mich als kritischen Rationalisten, der Wahrheit verpflichtet, der es liebt, in Ruhe irgendwelche Sendungen im Fernsehen zu verfolgen. Und natürlich mit seinen Hunden durch die Landschaft zu ziehen.

So auch an diesem Abend, einen, den ich nie vergessen werde. An diesem Abend traf ich John Smith. Jedenfalls nannte er sich so. Ob es sein richtiger Name ist, werde ich wohl nie herausfinden. Aber das spielt auch keine Rolle. Denn die Geschichte, die er mir im Laufe der Zeit nach und nach darbot, war und ist das Wahnsinnigste, was ich je hörte. Und würde mir jemand erzählen, dass er jemanden wie John Smith getroffen hätte, ich würde ihm kein Wort geglaubt haben.

Deshalb gehe ich auch nicht davon aus, dass Sie mir auch nur eines meiner Worte glauben, die ich hier darstellen werde. Dennoch fühle ich mich gezwungen, diese Geschichte aufzuschreiben. Vielleicht gibt es da draußen noch jemanden, dem Ähnliches widerfahren ist. Es ist schwer, solch eine Geschichte und das von mir mit diesem seltsamen Menschen Widerfahrene zu ertragen, ohne je davon zu berichten.

Ich tue dies in Form einer Geschichte, weil man mich sonst vermutlich für verrückt erklärte. Und ich kann diese Geschichte auch nur so wiedergeben, wie ich das hier tue, ungeschönt, unverschnörkelt, mit all den Sprüngen und Details, die mir die Wiedergabemöglichkeiten meines Gehirns und meiner Eindrücke ermöglichen.

 

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