Das Jetzt

Alles findet immer im Jetzt statt. Natürlich kann man diese Aussage bestreiten, aber für mich ist Vergangenes Erinnerung (im Jetzt) und Zukünftiges ist eine Vorstellung (im Jetzt). Vergangenheit und Zukunft sind eigentlich beides Vorstellungen, die im jeweiligen Jetzt in mir stattfinden.

Vergangenes kann dabei genauso falsch erinnert werden, wie sich die Vorstellungen, die Zukunft betreffend, als falsch erweisen können. Wobei der Grad der Irrung bezüglich des Zukünftigen ein deutlich höherer sein dürfte.

Sei‘s drum – wir werden in irgendeinem Jetzt geboren, durchleben eine unfassbare Aneinanderreihung von Jetzt-Momenten und sterben in irgendeinem Jetzt. Das Jetzt, der Moment, der Augenblick – der kurze Zeitpunkt, an dem wir uns als Ich in der Welt bewusst werden. Ich und die Welt werden uns im Jetzt bewusst, alles bewegt sich weiter und wird im nächsten Jetzt schon als verändert wahrgenommen.

Das Jetzt, die unmittelbare Wahrnehmung von Ich und Welt (Umgebung), kann eine Sekunde dauern oder auch länger. Wenn jemand im Wahne seinen Kopf gegen die Wand schlägt, dauert das Jetzt ggf. so lange, bis derjenige damit aufhört. Spätestens dann wurde das eine Jetzt von einem anderen Jetzt abgelöst. 

Selbst wenn wir körperlich an einer Stelle verharren und sich die Umgebung scheinbar nicht verändert, so bewegen sich doch unsere Gedanken und unser Fühlen weiter.

Ich denke, wenn man sich zeitlich mehr mit dem beschäftigt, was war und was sein könnte, als mit dem, was ist, dann lebt man am Leben vorbei. Natürlich sind Vergangenes und Zukünftiges für das Jetzt von Bedeutung. Doch ohne das Innehalten im bewussten Hier und Jetzt, mit den Gedanken und Gefühlen, die man im Hier und Jetzt hat, bezüglich dessen, was im Hier und Jetzt ist, „schwebt“ man am Leben vorbei. Was sehr gefährlich sein kann.

Hunde zum Beispiel leben so gut wie immer im Hier und Jetzt – das Hier und Jetzt sind für sie „der Stoff ihrer Existenz“. Vertröstungen auf die Zukunft (dann bekommst morgen eine Belohnung) oder das Baden in Erinnerungen (gestern um zehn Uhr im Park, da war es schön) sind ihnen nicht gegeben.

Wenn die Menschen weniger an Vergangenes und Zukünftiges denken würden und sich mehr damit beschäftigen würden, was augenblicklich mit ihnen und ihrer Umgebung los ist, dann hätten wir eine gänzlich andere Welt. Vorausgesetzt, die Menschen zögen aus dem von ihnen Wahrgenommenen Konsequenzen. Ob diese Welt eine bessere wäre, das kann ich und will ich nicht beurteilen. 

Für mich zählt zuerst, was mir gut tut. Eine Referenz auf das Jetzt meiner Gegenwart kommt zumindest dem nahe, was ich als Sein bezeichne. Ich „bin“ erinnernd und ich „bin“ vorstellend/ spekulierend. Und dieses Sein findet nunmal in einem mehr oder weniger lang andauerndem Jetzt statt.

Wie fühle ich und was denke ich im Jetzt – ich denke darauf kommt es an.

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