Jack Sloan

Der fleckige Mustang schritt vorsichtig über das trockene Grasland. Sein Reiter schien auf ihm zu schlafen. Er konnte sich auf sein Pferd verlassen, denn sie waren schon Jahre aufeinander eingespielt. Der Reiter schlief jedoch nicht wirklich, sondern befand sich in einer jahrelang eingeübten Ruhestellung. Gewohnt, lange Distanzen zu überwinden, hatte er sich diese Haltung zu eigen gemacht, die ihn sich ausruhen ließ und dennoch voranbrachte. Jack Sloan war ein Mann von fünfunddreißig Jahren und seit zwei Jahren Bezirksheriff. Sein Territorium lag im Süden von Colorado, dort, wo das Grasland in die Ausläufer der Rocky Mountains übergeht. Seit zwei Wochen war er der Quarrel Bande auf der Spur, die in Dorado, einem kleinen Nest in seinem Bezirk, die Bank ausgeraubt hatten. Dabei hatten sie den Bankkassierer erschossen und auf ihrer Flucht die Besitzerin des Stores niedergeritten. Da die Quarrel Bande ein Trupp wilder und kriegserfahrener Revolvermänner war, hatte sie mit viel Mühe ihre Spuren verwischt. Sie wussten, dass ihnen der Sheriff folgte und auch, dass dieser, trotz seines Sterns, jenseits aller Moral stand. Dieses Land brauchte solche Gesetzeshüter, solange Männer wie die der Quarrel Bande das Land durchstreiften. Aber Jack Sloan war nicht nur ein durch unzählige Kämpfe gestählter Mann des Gesetzes. Während seiner Zeit als Armeescout hatte er von einem alten Indianer das Spurenlesen gelernt. Wer ihn in seinem Nacken hatte, konnte davon ausgehen, dass es zum Kampf kommen würde. Trotzdem hatte Jack Zeit verloren. Als er bemerkte, dass sein Mustang eine Pause brauchte, überschaute er mit seinem Fernglas aufmerksam die Gegend, welche die Quarrel Bande durchritten haben musste. Nachdem er nichts Auffälliges erkennen konnte, suchte er sich einen sicheren Lagerplatz. Sorgsam verpflegte er sein Pferd, um sich anschließend mit einem heißen Kaffee am Lagerfeuer niederzulassen. Es war noch Sommer, sodass er das Feuer klein halten konnte. Er war nicht scharf darauf, dass er von den Banditen entdeckt wurde.

Die Quarrel Band hatte bereits den Fuß der Rocky Mountain erreicht. Sie bestand aus Wayne, einem steckbrieflich gesuchten Mörder, Carl, einem geistig etwas zurückgebliebenen, aber bärenstarken Farmerssohn aus Nevada, und seinem Bruder Spade, der eindeutig der Kopf der beiden war. Dazu gesellte sich Rick Montana, der mehr Postkutschen überfallen hatte, als ein Bohneneintopf Bohnen hat. Er war ein eiskalter Mörder, der auch nicht davor zurückschreckte Frauen und Kinder lächelnd zu erschießen. Kopf der Bande war eindeutig Muffy. Sein Name klang für den einen oder anderen vielleicht etwas lustig, aber sein Ruf war der eines berechnenden Killers, der keinem Kampf aus dem Weg ging und eine Spur des Grauens hinter sich herzog. Nicht wenige Townmarshalls verdankten ihm ihr vorzeitiges Ableben. Unter ihnen waren einige hartgesottene Männer gewesen, aber sie hatten Muffy nichts entgegenzusetzen gehabt. Mit dem Colt war er schnell wie eine Viper. Er konnte ohne mit der Wimper zu zucken wehrlosen Menschen in den Rücken schießen, wenn ihm dies half, sein Ziel zu erreichen. Zahlreiche Städte waren Opfer seines niederträchtigen Charakters geworden. Meist warben irgendwelche gierigen Rinderbarone ihn und seine Bande an, um die an ihren Besitz grenzenden, aufstrebenden Städte zu unterwerfen… FORTSETZUNG FOLGT


        

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