Mein Leben mit Hunden Teil 8

Hundepanik

Manchmal denke ich, ich kenne alle Diskussionen und alle Argumente bezüglich des Umgangs mit Hunden. Dabei taucht immer wieder der Umstand auf (sonst gäbe es keine Diskussionen), dass der eine Hundeführer sagt dies sei richtig, der andere meint hingegen etwas anderes würde den Sachverhalt genauer beschreiben.

Ein Diskussionspunkt, den ich hier kurz darstellen will, ist die Frage, ob Halsband oder Geschirr. Der zweite Diskussionspunkt betrifft die Art der Leine.

Also, Halsband oder Geschirr? Seit ich von einem, wie ich meine, erfahrenen Hundeführer (Ausbilder für US-Amerikansche Militärhunde) die Aussage vernahm, dass nur ca. 5 % der Hunde so hören und arbeiten und ‚funktionieren‘, wie der Hundeführer es will, bin ich vollständig der Ansicht, dass ein Hundegeschirr die angemessene Fixierung des Hundes an der Leine darstellt.

Zwei Erlebnisse haben mich desweiteren davon überzeugt. Meinem ersten Hund aus dem Tierheim Rassenbande-im-Glück, ein damals dreieinhalb Jahre alter Kurzhaarcollimix, hatte ich nach ungefähr drei Monaten seines Beiseins bei mir, ein zweifaches Geschirr (Hals und Brust) umgelegt. Bis dahin hatte ich das von Kerstin (der Tierheimleiterin) verwendet, ein dreifaches Sicherheitsgeschirr (Hals, Brust, Bauch).

Wie ich also mit meinem Alinchen und dem neuen zweifachen Sicherheitsgeschirr auf unserer Gassimeile unterwegs war, begegneten wir drei Windhunden mit Herrchen.

Ich wollte weiter, Alinchen zurück und während dieses Zwiespaltes wurde der Hund immer panischer, derart, dass er aus dem Geschirr geschlüpft wäre, hätte ich ihn mir nicht gegriffen und auf den Boden gedrückt. Das war meine erste Erfahrung mit Hund und Panik und Geschirr. Wie ich später mal ein ‚Julius K 9‘ Geschirr benutzte, wurde mir die Sinnlosigkeit schon am ersten Punkt klar, an dem der Hund und ich verschiedene Wegen gehen wollten. Alina legte das Geschirr schneller ab als der Mann die Hose in der Hochzeitsnacht.

Mein zweites einschlagendes Erlebnis hatte ich mit meinem zweiten Hund, einem damals eineinhalb jährigen Holländischen Schäferhundmix. Wie ich den Hund von Kerstin abholte, legte sie ihm das dreifache Sicherheitsgeschirr an und zog es so fest, dass ich zu ihr meinte, ob das wirklich nötig sei. Ihr knappes Ja stand im Widerspruch zu meiner Auffassung, aber ich ließ sie machen, schließlich hat sie ungefähr unendlich mehr Erfahrung mit Hunden als ich.

Und, wie es so kam, zu dritt auf der Gassimeile, der neue Hund wird durch irgendetwas aufgeschreckt und fängt plötzlich an zu fliegen – zu fliegen? Richtig! Bis dahin ging ich davon aus, dass Hunde nicht fliegen können. Aber es ist gewiss: Wenn Hunde richtig in Panik geraten, dann können sie sogar fliegen. Also, Lean, meine neues Hundchen, war dabei wegzufliegen. Und wäre sie nur durch ein zweifaches Geschirr oder ein Halsband gesichert gewesen, dann wäre sie jetzt vielleicht schon in Südafrika (oder im Himmel).

Summa summarum: Ein dreifaches Sicherheitsgeschirr für Hals, Brust und Bauch, gut eingestellt, ist die Wahl für alle die Hundeführer, die länger etwas von ihrem Hund haben wollen (außer er gehört zu den 5 % der Hunde, die wirklich gehorchen – gehört Ihrer dazu?).

So, nun die Leine – eine gute Leine sollte so stabil sein, dass sie mit ihrem Hund ‚Lasso‘ spielen könnten; ihn also an der Leine kreisförmig durch die Luft wirbeln und er nicht aufgrund einer reißenden Leine davonfliegt. Das ist eine stabile Leine.

Wenn die Leine noch eine Gummierung in sich verflochten hat, dann umso besser, denn dann liegt sie auch gut in der Hand und flutsch nicht so leicht durch die Finger. Die Länge sollte je nach Einsatz gewählt werden.

Ich handhabe es ungefähr so:

2 Meter für die Wege, wo erhöhte bis höchste Konzentration angesagt ist, z. B. in Stadt oder wenn ich mit drei Hunden unterwegs bin – also dort, wo es gilt die …..backen etwas zusammenzukneifen.

3 Meter nehme ich für die üblichen Gassirunden, da und dort, dann kann jeder meiner zwei Hunde ungefähr schnüffeln wo er er will, ohne die anderen gleichen verrückt zu machen. 3 Meter Leinen sind auch gut, wenn ich mit den Hunden jogge.

5 Meter nehme ich auch gerne, gerade wenn ich auf neuen Gassimeilen unterwegs bin, zur Erkundung sozusagen.

25 Meter benutze ich, wenn richtig Platz ist und keine anderen Menschen oder Hunde zu erwarten sind und vielleicht auch ein Freilauf drin ist.

Dabei handelt es sich jeweils um feste, gut griffige Leinen. Natürlich muss ich die Leinen ständig neu fassen ordnen (und hui, die Hände werden schmutzig), mich sozusagen dem ‚Leinenspiel‘ hingeben, aber das schadet mir nicht und nach einiger Zeit kennt man das Spiel.

Summa summarum: Die Wahl sind gut griffige, extrem stabile Leinen, mit unterschiedlichen Längen für die verschiedenen Einsätze.

Ein leidiges Thema sind sogenannte ‚Flexileinen‘ – sie wurden für alte Omas und Opas entwickelt, die vielleicht noch so hundert Meter am Tag gehen können, mit einem 500 Gramm schweren Hund, der so mal kurz ins Gebüsch verschwinden kann. Gut, wenn sie 90 Jahre sind und einen Faustgroßen Hund ausführen und auch nur einen, dann ist eine Flexileine durchaus legitim. Allen anderen rate ich, sich besser einen Stoffhund auf Drahtgestell mit roten Rädern zu kaufen, anstatt eines lebendigen Hund. Da reicht als Geschirr ein Knoten um den Hals und als Leine ein Stück Paketband. Und Gassigehen, also richtig, mit Spaß, Bewegung, Spiel und Abenteuer, das braucht solch ein ‚Hund‘ auch nicht.

In diesem Sinne, Hochachtungsvoll

Jörg Baumann

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