Mein Leben mit Hunden Teil 3

Der Vorteil von Hunden ist, dass sie kommunizieren, jedoch non-verbal. Menschen reden häufig, aber meistens höre ich da nur (depressiven) Bullshit und problematisieren kann ich mit ihnen meistens auch nichts. Also garnichts! Natürlich gibt es Ausnahmen. Ich habe festgestellt, dass ungefähr 0,5 Prozent (oder weniger) der Menschen zu mir passen. Die restlichen 99,5 Prozent halte ich freiwillig nicht länger als eine Minute aus. Man könnte meinen, das mache einsam. Bedenken Sie aber, dass das unverständige und permanente und einzige Reden über Ficken und Fressen auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.
Also, meine Hunde kommunizieren. Sie tun das mit ihrem Körper, ihrer Mimik und ganz selten mit bestimmten Lauten. Diese Kommunikationsform zu entziffern bedarf des genauen Hinschauens auf die Hunde. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, habe ich tendenziell immer ein Auge auf sie. Denn Hunde sind augenblicklich, immer im Jetzt und alles was sie kommunizieren ist für sie wichtig und informativ. Und für meine Mädels ist ihr Beisammensein mit mir kein Freizeitvergnügen, sondern der Stoff ihrer Existenz.
Sie meinen alles ernst, wobei die Ernsthaftigkeit Ihres Seins nicht mit Bosheit verwechselt werden darf. Sie sind, wie sie sind und das ist immer die Wahrheit, ihre Wahrheit. Das macht den Umgang mit ihnen für mich sehr angenehm. Menschen hören sich meist selbst nicht zu, während sie kommunizieren. Wenn sie es doch tun, verstehen sie höchstens ansatzweise, was sie da rausblubbern und eine Problematisierung dessen ist, wie erwähnt, in 99,9 Prozent der Fälle vollständig sinnlos.
Natürlich ist meine Kommunikation mit meinen Mädels noch verbesserungsfähig, aber ich bin auf einen guten Weg. Wenn wir zusammen losziehen, ist klar, dass wir möglichst stressfrei unterwegs sein wollen. Wir checken uns auf unseren Wegen ständig gegenseitig ab, sind miteinander rücksichtsvoll, gerade wenn zum Beispiel ein Hund an einer Stelle schnüffeln will, die für alle anderen Beteiligten uninteressant ist. Dann wird in aller Ruhe gewartet und wenn es zu lange dauert, sanft gedrängelt.
Wenn ich mit meinen Hunde spreche, dann flüstere ich nahezu ausnahmslos. Meine Stimme ihnen gegenüber zu erheben, empfinde ich als unangenehm und lästig. Ich werde im Grunde nur lauter, wenn es sich um ein unbedingtes Muss handelt, wenn Alina zum Beispiel auf der Straße stehen bleiben will und schnüffeln, während von beiden Seiten LKW heranrasen. In solchen Fällen spreche ich mit normaler Lautstärke, ansonsten pflege ich den Flüsterton. Flüstern reicht fast immer. Nicht selten geht mir mein eigenes Gerede auf die Nerven, dann ist Flüstern sowieso das Höchste der Gefühle.
Zudem rede ich nicht besonders viel mit meinen Hunden. Loben, Anweisungen geben, solche Sachen, ansonsten herrscht Silencium. Sehr angenehm.
Und Hunde sind feinfühlig. Die meisten Menschen sind zwar auch feinfühlig, vergessen aber fast immer, dass andere Menschen auch Gefühle haben, bzw. überhaupt existieren. Gestern Abend zum Beispiel. Nach einer 12 Stunden Schicht kam ich nach Hause, begrüßte meine drei Mädels, schob eine Pizza in den Ofen und begab mich hinter die Glotze. Nach der Pizza war ich bereit, noch eine Runde mit den Hunden zu gehen. Ich war guter Laune, aber schlapp. Alina schien dies gemerkt zu haben und lieferte ein Gassigehen in Zeitlupe, was ich außerordentlich genießen konnte.
In Deutschland herrscht ja überwiegend Leinenzwang (Deutschland, das Land der Konzentrationslager, Obersturmbannführer und des Leinenzwangs – ich wundere mich, warum soviele Menschen so gerne Urlaub in diesem Land machen). Also sind Lea, Alina und ich meist so unterwegs, dass Lea an der Leine ziehend vorneweg drängt, ich hinten dran und Alina rechts neben mir. So ungefähr ist unsere Stammformation, wozu ich sagen muss, dass das Geziehe von Lea schon geringer geworden ist. Alina zog die ersten Monate auch recht deutlich an der Leine (neben ihrem andauernden Schauen über ihre Schulter), was jetzt überhaupt nicht mehr der Fall ist – außer wir sind nicht einer Meinung, was den einzuschlagenden Weg betrifft.

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