Mein Leben mit Hunden Teil 2

Das Gute am Leben mit Hund, bzw. Hunden, ist, dass ich genötigt bin, jeden Tag raus zu gehen. Egal was für ein Wetter herrscht. In der Stadt wäre das natürlich eine Tortur. Die Vielzahl der Begegnungen mit Menschen, von denen jeder Einzelne mehr oder weniger verhaltensgestört ist, würde mir nach kürzester Zeit die Laune vollständig verderben. Aber da ich am Waldrand lebe, reduziert sich die Zahl der Begegnungen mit den Ostgoten des Alltags auf ein Minimum. Die wenigen Ostgoten kann ich ignorieren, die angenehmen Begegnungen genießen.
In Folge meiner täglichen Gänge mit meinem Hund Alina hatte ich im vergangenen Winter keine Erkältung. Und Alina war mir stets eine meine Freude erweiternde Begleiterin.
Im Umgang mit Hunden ist wichtig, sich selbst zu kennen und sich offen und ehrlich mit sich zu verhalten. Menschen, die sich für den Stein der Weisen halten, sollten sich besser einen Stoffhund anschaffen. Alles, was den Hund betrifft, hängt extrem vom Hundeführer ab. Und man braucht viel Bereitschaft zur Selbstreflexion und vor allem die Fähigkeit zur Selbstreflexion, um mit einem Hund ein zufriedenes Leben führen zu können.
Da die meisten Menschen, die ich kenne, kein Interesse an Selbstreflexion haben, interessiert sie auch nicht, was ich über mich und die Hunde zu sagen haben. Selbstreflexion, act contemplativa, da glotzt ja keiner nach, was das bedeutet. Umso mehr bin ich auf Texte erfahrener Hundeführer angewiesen, da andere Hundebesitzer sich mit Schmalkost begnügen, wenn es um die Darstellung ihrer Beziehung zum Hund geht.
Aber zurück zu Alina. Nach anderthalb Jahren stand eine Flugreise auf dem Zettel und die Frage, wo Alina bleiben würde. Die Frage war schnell beantwortet, sie musste für die Woche in ihr altes Rudel im Tierheim, wo ich sie gut aufgehoben wusste. Aus dem Urlaub zurückgekehrt, war Alina mit fünf Metalltackern am Bauch geflickt und mit Lea bekannt geworden, einem Holländischen Schäferhund Mix. Alina ist übrigens in der Tendenz ein schottischer Kurzhaarcolli.
Meine Freunde und ich waren denn auch schnell überzeugt, Lea als Zweithund zu verpflichten. Sie ist ein bisschen kleiner als Alina und im Verhalten das genaue Gegenteil. Natürlich ist auch Lea immer freundlich zu mir, aber im Gegensatz zu Alina ist sie stets abrufbar, lernbereit und lernwillig. Außerdem ist sie extrem anhänglich und ausdauerndes Kuscheln und Schmusen wird von ihr ausdrücklich gewünscht. Die beiden gehen rücksichtsvoll miteinander um, das heißt, wenn wir gemeinsam unterwegs sind, achten die Hunde nicht nur auf sich und mich, sondern auf sich untereinander. Ihr Spiel miteinander hat sich immer weiter entwickelt, bis zu dem Grad, dass ein Außenstehender vermuten würde, sie befänden sich in einer ernsthaften Auseinandersetzung heftigster Güte.
Aber ich habe gelernt, dass das Spiel der Hunde untereinander umso heftiger ist, je besser sie sich kennen. Und sie spielen ihre Rollen auch abwechselnd, was bedeutet, dass mal der eine den anderen jagt, mal der eine oben liegt, mal der andere. Und alles geht ohne Gejaule. Manchmal darf ich dabei mitmischen, allerdings nur als Beisteher, der aus kürzester Entfernung ihr Treiben begleitet.
Sollte ich die beiden charakterlich auf den Punkt bringen, lauteten die Worte für Lea „Was soll ich tun?“, das Axiom für Alina „Warum?“. Alina erhielt ich, wie sie ungefähr dreieinhalb Jahre alt war, Lea kam mit eineinhalb Jahren zu mir. Während Alina im ersten Stock an meinem Fußende des Bettes schläft, hat sie Lea in das Erdgeschoss verband. Ich vermute, dass Lea dort den Job hat, aufzupassen, da alle anderen im ersten Stock schlafen. Meine Versuche, Lea den ersten Stock schmackhaft zu machen, sind alle kläglich gescheitert. Sie blickt sich dort zwar um, aber der zweite Gedanke ist immer: Wie komme ich wieder nach unten.
Nun hatte ich also zwei Hunde. Einen Holländischen Schäferhund Verschnitt und einen ziemlich originalen Kurzhaarcolli, meine Mädels. Ohne sie zu leben halte ich nicht für besonders erstrebenswert. Ich frage mich, wie ich die Jahrzehnte davor ohne Hunde klarkommen konnte.

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