Mein Leben mit Hunden Teil 1

Leben mit Hunden Teil 1
Leben mit Hunden – wo soll ich anfangen? Es ist nicht so, dass ich Hunde schon immer mochte. Noch vor Jahren machten mich Begegnungen mit ihnen regelrecht wütend und auf ihre Besitzer war ich auch nicht gut zu sprechen. Meine Ablehnung den Hunden gegenüber hatte seinen Grund vermutlich in meiner Angst vor ihnen. Die Ablehnung der Hundebesitzer knüpfte sich an die innige Beziehung, die sie mit den von mir abgelehnten Vierbeinern pflegten. Diese innige Beziehung weckte in mir vermutlich das Gefühl des Neids, was meine Ablehnung weiter vertiefte. Begegnete ich Hunden, war stets die Frage, ob sie mich beißen werden.
Wenn ich ehrlich bin, hasste ich beide, Hund und Hundebesitzer. Noch heute hasse ich manche Hundebesitzer, weil sie nicht selten sehr einfältig auf mich wirken und zum Teil mehr als fragwürdig mit ihren Hunden umgehen. Die Hunde hingegen, egal wie verhaltensauffällig sie sind, wecken in mir hingegen stets Neugier und Sympathie. Schließlich können sie nichts dafür, dass sie an einen geistig minderbemittelten Besitzer geraten sind.
Mein Leben war in den letzten 50 Jahren also eher negativ durch Hunde geprägt, umso erstaunlicher erlebe ich meinen Wandel. Wie kam ich nun dazu, mich von einem Fast-Hundehasser zu einem Hundefreund zu verwandeln? Nun, ich liebe Spaziergänge im Wald. Allein sind mir diese Wanderungen allerdings etwas zu innerlich. Mit Begleitung fühle ich mich einfach besser. Auf menschliche Begleitung konnte ich allerdings nicht zurückgreifen. Entweder hatten die von mir Angesprochenen keine Lust oder waren nicht geeignet. Also ein Hund. Hinzu kam, dass ich mich täglich bewegen wollte, Schmerzen in meinen Gelenken spüren wollte, um so zu Bewegung zu kommen und die Einsicht in die Notwendigkeit gymnastischer Übungen zu vertiefen.
Ein Hund war also angesagt, als Begleitung und eine Art persönlicher Trainer. Glücklicherweise kam zu dieser Zeit meine Freundin ebenfalls zu dem Entschluss, einen Hund haben zu wollen. Blieb das Problem, woher einen Hund bekommen? Dass es einer aus dem Tierheim sein sollte war für uns beide am naheliegensten. Meine Freundin fand auch recht schnell einen Tierschutzhof in unserer Nähe. Nach einer ersten Kontaktaufnahme machten wir uns auf den Weg, ohne uns bezüglich über die Art des Hundes Gedanken gemacht zu haben. Mir war nur eines wichtig, nämlich dass der Hund eine gewisse Größe haben musste. Ich bin ziemlich groß und schwer, dazu mitunter etwas träge, was einem kleinen Hund unter Umständen nicht gut bekommen sein würde.
Beim Tierschutzhof angekommen, begrüßte uns die Leiterin und ungefähr 10 frei auf dem Hof herumwuselnde und bellende Hunde. Von dieser Anzahl schon beeindruckt, öffnete die Leiterin des Tierschutzhofes die Tür des Haupthauses, woraufhin 10 weitere Hunde jeder Couleur auf den Hof gerast kamen. Zu diesem Zeitpunkt war ich in meiner Wahrnehmung schon hoffnungslos überfordert und nachdem weitere fünf oder sechs Hunde den Hof bevölkerten musste ich mich erstmal auf die Eingangsstufen setzen. Meine Freundin sprach derweilen mit der Leiterin und teilte mir ab und zu mit, welchen Hund sie gerade in ihre nähere Auswahl einbezogen hatte. Ihre Auswahl erreichte mich jedoch nicht. Zu jedem Hund, auf den sie zeigte, viel mir nur ein „ja, vielleicht“ ein.
Ich hatte einen ganze Weile mit auf den Händen aufgestütztem Kopf dagesessen, als ich meinen Kopf etwas nach unten neigte. So konnte ich auf meine Oberschenkel sehen und was sah ich dort? Dort hatte einer der Hunde, vollständig an meiner Wahrnehmung vorbei, seine Schnauze abgelegt. Ich hatte nicht mal bemerkt, wie er sich mir genähert hatte. Und, wie soll ich es sagen – die Entscheidung war getroffen. Der Hund hatte mit 50 cm Schulterhöhe die richtige Größe, sein Fell war hell und kurz, er sah also aus wie Hund. Natürlich erhielt ich von meiner Freundin noch ein paar Meldungen bezüglich ihrer Überlegungen, aber die Entscheidung war gefallen. Schließlich würde ich derjenige sein, der mit dem Hund unterwegs sein würde, also würde meine Stimme entscheidend sein, was sie dann auch war.
Nach einem weiteren Besuch wurde der Handel perfekt gemacht, Hund und Papier und Impfschutzbuch wechselten den Besitzer. Eine Begebenheit aus der ersten Nacht Alinas (so hieß und heißt der Hund) mit uns erinnere ich bis heute. Die Situation war die, dass Alina während der Nacht, neben meiner Schlafstätte liegend, meinen kleinen Finger zwischen ihre Zähne nahm, so sanft und so zart, dass ich es fast nicht spürte. Es war nur ein kurzer Moment, aber so eindringlich, als wäre es gerade eben erst gewesen.
Da ich die ersten Wochen nichts mehr fürchtete, als dass ich die Leine aus der Hand verlieren würde und der Hund weglaufen, benutzte ich zum Gassigehen zwei Leinen. Und natürlich ein ausbruchsicheres (mit Fixpunkten an Hals, Brust und Bauch) Hundegeschirr. Ein Halsband empfand und empfinde ich als ungeeignet. Wollte und will der Hund doch nicht immer dorthin, wohin ich wollte und will. Und die Vorstellung, bei diesen Unstimmigkeiten den Hund am Hals zu nötigen, war und ist mir äußerst unangenehm.
Natürlich gingen mir am Anfang unserer Beziehung alle möglichen Dinge durch den Kopf, so auch die Dressur von Sitz und Platz und anderem. Wie sich schnell herausstellte, war Alina kein Hund, der nur darauf wartet, dass ihm irgendwelche Kunststücke beigebracht werden, geschweige denn, diese auszuführen. Sie war mir von der Tierschutzhofleiterin u. a. mit den Worten übergeben worden: „Alina weiß, was sie will. Sie weiß, was sie nicht will und sie weiß, was zu tun ist.“ Und das trifft bis auf den heutigen Tag, zwei Jahre nach unserer ersten Bekanntschaft, noch genau so zu. Trotz oder gerade wegen dieser Eigenschaften, passen Alina und ich sehr gut zusammen. Natürlich nervt mich Ihre Ignoranz, wenn Sie frei läuft, andererseits bin ich auch kein Freund von ungewollten Ratschlägen und Hinweisen, deshalb verstehen wir uns.
Hinzu kommt, dass Alina, bezüglich körperlicher Annäherungen, eher distanziert ist. Man könnte fast sagen, sie ist distinguiert, würde der Ausdruck nicht zu speziell auf menschliche Befindlichkeiten verweisen. Am Anfang war Alina sehr ängstlich, drehte sich an der Leine, bzw. den Leinen gehend, gefühlt alle fünf Meter um, vertraute meiner Zuständigkeit insgesamt recht wenig. Die ersten Runden mit ihre meinte ich auch, dass ich sie durch von ihr als unangenehm empfundene Situationen durchschleifen müsste, z. B. bei der Begegnung mit anderen Hunden. Später wurde ich eines Besseren belehrt und mied oder umging solche Begegnungen. Wenn mir Alina signalisierte, dass ihr etwas missfällt, blieb ich mit ihr stehen, checkte die Lage und drehte notfalls sogar um. Mittlerweile kommt es an der Leine nur noch zu Kontroversen, wenn es um die Wahl des einzuschlagenden Weges geht.
Zuhause fand sie sich sehr schnell zurecht. Die ersten Tage hinterließ sie im Wohnzimmer das obligatorisch Häufchen, ebenso im Kofferraum meines Autos, bei unserer ersten Ausfahrt. Zum Glück hatte ich von einem sehr sympathischen Jäger gleich in den ersten Tagen den eindringlichen Hinweis erhalten, wirklich NIEMALS den Hund zu schlagen. Dieser Tip hat das Zusammenleben von mir mit Alina sicherlich sehr befördert. Das Ziehen Alinas an der Leine und das andauernde über die Schulter Schauen ließen mit der Zeit nach, bis ich nach ungefähr einem Jahr mit ihr auch ungewohnte und angespanntere Situationen souverän durchschreiten konnte. Aufgrund ihrer aufmerksamen Wahrnehmung ist ihr klar, wann es heißt nicht hier und da und überall zu schnüffeln, sondern konstant und konzentriert an meiner Seite zu bleiben. Ein Besuch der Fußgängerzone, der Gang durch ein Parkhaus stellten zu diesem Zeitpunkt kein Problem für uns dar.
Sehr angenehm an ihr ist auch, dass Alina, aufgrund ihrer distanzierten Art, im Grund nur bellt, wenn sich jemand auf unser Grundstück begibt oder sie, in seltenen Fällen, einen anderen Hund vollständig ablehnt. Wobei ich sagen muss, dass ich sie nicht unbeaufsichtigt auf dem Grundstück herumstromern lasse.
Sie ist, summa summarum, eine vorsichtige und umsichtige Begleiterin. Wir unterstützen uns gegenseitig in unserer Wahrnehmung dessen, was da kommt, haben gelernt, unsere Körpersprache zu lesen und halten engen Blickkontakt. Alina ist immer freundlich zu mir und zeigt mir zuverlässig an, was ihr gerade wichtig ist, bzw. was sie will und was sie nicht will, was für sie „Phase“ ist.
Um zu all diesem zu gelangen, las ich alle Bücher über Hunde, die ich zu fassen bekam. Ich kann behaupten, dass ich derer 30-40 gelesen habe. Die meisten waren Schrott. Das beste Buch war jenes mit dem Titel „Lass es Hundeknochen regnen“ von Suzanne Clothier. Allerdings stieß ich auf diese Autorin erst, als ich bereits den zweiten Hund bei mir aufgenommen hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.