Wie ich auf den Hund kam

Älter geworden, am Körper schlaff und träge durch den Job, nahm der körperliche Schmerz zu. Physiotherapie und Osteopathie zeigten eine Wirkung: Ich musste selbst aktiv werden. Nur, allein durch die Wälder und über die Äcker zu streifen, das ist auf die Dauer etwas hirnabtötend. Und menschliche Zeitgenossen für diese Unternehmungen standen und stehen mir nicht zur Verfügung – also, was tun? Einen Hund anschaffen. Also ab ins Tierheim. Aber das war leichter gesagt als getan, musste doch erst ein Tierheim in meiner Nähe gefunden werden. Nachdem dieser Job erledigt war, stand ich irgendwann mit meiner Lebensgefährtin inmitten von über 20 Hunden verschiedener Größe und Ausprägung und war hoffnungslos überfordert, auch nur ansatzweise eine vernünftige Entscheidung den richtigen Hund betreffend finden zu können.

Also setzte ich mich erstmal hin und schaute ins Nichts. Alles, was ich wusste, war, dass der Hund nicht zu klein sein durfte. Ich bin groß und Träge, mit der Geschmeidigkeit einer Katze, nur halt nicht immer. Und da war ein etwas größerer Hund angesagt, um mich nicht irgendwann auf ihn zu setzen und einen toten Hund mein eigen zu nennen.

Wie ich da so saß, schaute ich irgendwann nach unten und sah, dass eine Hundeschnauze auf meinem Oberschenkel lag. Unbemerkt hatte sich dieser Schlingel an mich herangemacht und ebenso unbemerkt von mir seine Hundeschnauze auf meinen Oberschenkel abgelegt. Wie ich ihn so sah war klar: das isser.

Es ist eine Hündin, sie war zum Zeitpunkt unserer ersten Bekanntschaft dreieinhalb Jahre alt und, wie sich herausstellte, so wie ich. Wenn ich etwas von ihr will, fragt sie in fast allen Fällen, warum und wenn die Antwort ausbleibt oder dürftig ist, dann ist ihr Verhalten träge bis widerständig. Dabei scheint es ihr gut zu gehen, sie macht auf mich einen zufriedenen Eindruck. In ihrem Verhalten ist sie eher distanziert, sie begegnet ihrer Umwelt sehr vorsichtig. War sie am Anfang unserer Bekanntschaft ziemlich ängstlich, so ist sie nun kaum noch durch etwas zu erschrecken. Der Alltagswahnsinn scheint sie nicht näher zu belasten. Sie weiß, was sie will, sie weiß, was sie nicht will und sie weiß, was zu tun ist. Das kollidiert natürlich desöfteren mit dem, was ich für richtig halte, was ich für falsch halte, was ich meine, was zu tun ist, aber bis jetzt haben wir uns nicht gegenseitig erzürnt.

Mein Hund ist nicht nur eine lebendige Seele in meiner Nähe (im Gegensatz zu den vielen seelenlosen Dummköpfen um mich herum), sie ist auch eine Art personal trainer. Dadurch, dass ich täglich zwei bis vier Stunden mit ihr unterwegs bin, spüre ich die Schmerzen meines Körpers täglich, wieder und wieder und damit auch die Notwendigkeit, lindernde Übungen zu unternehmen.

Wir sind sozusagen eine gelungene Symbiose eingegangen. Der Hund profitiert durch mich, indem ich ihm Kost und Logis biete, er mir im Gegenzug die Aufforderung zur Bewegung und Seele.

Also wenn das nichts ist, was ist dann etwas?

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