Freiheit?

Freiheit – die meisten Menschen, denen ich begegne, können mit ihrer Freiheit nichts anfangen. Beweis?

Der Mensch ist, im Rahmen seiner Möglichkeiten, im Zustand der Langeweile maximal frei. Wenn man sogenannte Langeweile verspürt, dann liegt es am sich Langweilenden, zu wählen, was er oder sie als nächstes tun will.

Die Möglichkeiten sind natürlich für jeden mehr oder weniger verschieden. Der eine könnte mit dem Privatjet nach Nizza fliegen und eine Woche auf seiner Yacht verbringen, ein anderer kann hingegen den Abwasch erledigen, sich die Zähne putzen, Einkaufen gehen, TV glotzen, mit seinen Hund in den Wald gehen, etwas lesen, im Internet surfen, mit dem Auto oder Fahrrad irgendwohin fahren – was auch immer.

Es liegt nur an einem selbst, aus der Menge der Möglichkeiten eine zu wählen. In diesem Sinne ist er frei, frei wie sonst nicht. Im Hamsterrad dem Geld hinterlaufend, schließt das meiste andere aus, es sei denn, man verließe das Hamsterrad.

So, und nun hören Sie sich mal um, wie Ihre Mitmenschen Langeweile bestimmen – negativ. „Oh, mir ist so langweilig“ immer mit dem Unterton, dass der entsprechende Mensch hofft, der Zustand möge sich möglichst schnell (möglichst von selbst) verflüchtigen.

Die Menschen können nichts mit ihrer Langeweile anfangen, sie können nichts mit dem Zustand anfangen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, aus ‚allem‘ ihnen zur Verfügung Stehenden frei wählen zu können.

Dann gibt es noch die Spinner, die das (scheinbar) Negative der Langeweile derart verinnerlicht haben, dass sie sich zu der Aussage versteigern, nie Langeweile gehabt zu haben – gehen Sie davon aus, dass diese Menschen lügen und versuchen Sie, diese so gut es geht zu meiden. Denn ihr verkorkstes Verhältnis zur Freiheit ist derart extrem, dass es ans pathologische grenzt.

Ich genieße den Zustand der Langeweile. In diesem kann ich in Ruhe in mich hineinfühlend überlegen, worauf ich Lust habe, was ich gerne tun würde. Und sei es, einfach nur so dazuliegen und die Gedanken fließen zu lassen.

Deshalb kann ich jetzt auch nicht mehr sagen, dass mich andere Menschen langweilen, denn dann täten sie mir ja etwas Gutes. Ich habe mich darauf verlegt, dass ich sage, sie öden mich an. In diesen Menschen, denen, die unter Langeweile leiden und den Leugnern der Langeweile herrscht nämlich eine große Ödnis. Im Grunde sind sie verlorene Seelen. Und wenn ich mit verlorenen Seelen Kontakt haben will, dann gehe ich auf den Friedhof.

Wann waren Sie zuletzt auf dem Friedhof?

Einen schönen Tag mit einer gesunden Portion Langeweile wünscht Ihnen Ihr Jörg Baumann.

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