movements und mechanical typwriters

Olympia, der antike Ort epochaler Sportwettkämpfe – welch ein grandioser Name für eine mechanische Schreibmaschine. Ich liebe mechanische Schreibmaschinen. Förderlich für diese Zugeneigtheit ist sicher meine automatisierte Zehn-Finger-Schreibfähigkeit, mit welcher ich den Fluss meiner Gedanken ohne Zeitverlust auf das Papier übertragen kann.

Heutzutage hat die Computertastatur und der Computer die Schreibmaschine (und den Aktenschrank) nahezu abgelöst. Mechanische Schreibmaschinen sind höchstens für noch Nostalgiker eine Wahl. Das interessante, 2018 eine mechanische Schreibmaschine zu erwerben, ist, dass sie zum Teil für einen Euro bei ebay zu ersteigern sind. Dazu noch maximal zehn Euro Transportkosten und die Katze ist im Sack.

In meiner Sammlung befinden sich ca. 32 mechanische Schreibmaschinen und 30 davon wurden mir in fast neuwertigem Zustand vor die Tür gestellt. Schreibbänder sind problemlos zu beschaffen.

Hier eine kleine Auswahl meiner heißgeliebten Realisatoren gedruckter movements:

Die Olivetti Lettera 35 gehört auf jedenfall zu den schönsten bezüglich des Designs. Ich mag die Sandfarbe (die anderen Olivetti-Farben sind ebenfalls sehr angenehm fürs Auge) und natürlich die seitlichen Rundungen. Die Keilform gibt dem Ganzen den letzten Schliff.

Weil mich das Design der Olivetti Lettera 35 so umfassend anspricht, es so vollendet wirkt, beschaffte ich mir gleich ca. fünf dieser Maschinen – an Schönem kann man nie genug haben. Weniger gut gefällt mir an diesem Modell der Anschlag, der hinter dem anderer Maschinen, z. B. der Olympia SM9 oder auch der Olympia Monica, weit abfällt. Wobei die Olympia SM9 von einigen zu der besten je gebauten mechanischen Schreibmaschine gezählt wird.

Ebenfalls ansprechend ist die Olivetti Lettera 32, ein älteres Modell, von der Form jedoch weit von der Olivetti 35 entfernt.

Die Olivetti Lettera 32 besticht vor allem durch ihre Tastatur, die kristallklar vor den Augen liegt und bei der es für die Finger so gut wie kein Vertun gibt. Ebenfalls hervorzuheben ist bei diesem älteren Jahrgang die dezente und warme Farbgebung, die sich von den eher abstoßenden Computerfarben positiv abhebt.

Ebenfalls ansprechend ist die Gabriel 35 von der Firma Triumph, bzw. Adler. Die Modelle sind unabhängig vom Hersteller identisch.

Der Anschlag dieser Maschine ist ordentlich, hervorzuheben sind die Backen des Wagens, die aus verchromtem Metall bestehen und dem Ganzen etwas Noblesse verleihen.

Insgesamnt wirkt die Maschine sehr aufgeräumt. Wenn man Glück hat, wird sie in einem Koffer im Samsonite-Stil geliefert, welcher das Gesamtpaket professionell abrundet. Die altbackenen Behältnisse älterer Maschinen trüben etwas meinen Eindruck, der sich dann negativ auf meine Gedanken auswirkt. Um auch hier auf der sicheren Seite zu sein, organisierte ich mir von diesem Modell ebenfalls eine gewisse Stückzahl. Keine von ihnen weist in irgendeiner Form einen Mangel auf, alle wurden für wenige Euro in Topform geliefert.

Ein Highlight ist natürlich ein typwriter eines schweizer Herstellers (später in Deutschland produziert), der durch seine Erwähnung in dem Buch ‚Homo Faber‘ von Max Frisch einige Berühmtheit erreichte – das Hermes Baby. Hier ein Modell aus dem Jahr 1966, meinem Geburtsjahr. Der Koffer ist aus Leichtmetall, die Abmessungen der Maschine gehören zu den geringsten in der Welt der mechanischen Schreibmaschinen. Ihre Funktion ist trotz ihrer 52 Jahre, dank Generalüberholung, einwandfrei.

Dies sind nur ein paar Beispiele feinmechanischer Handwerkskunst. Faszinierend an ihnen ist auch das satte ‚Klackklackklack‘, wenn die Typen auf die Walze schlagen. Dieses Hämmern ist wie ein Schmatzen in den Ohren, was meine Gedankengänge zusätzlich beflügelt (Mithörern raubt es natürlich den letzten Nerv).

Ich finde es überaus erfreulich, dass aktuell noch einige dieser Schätze für wenig Geld auf dem Markt zu bekommen sind. Wenn sie aufspringen wollen, sollten sie sich beeilen. Wie es scheint, steigen die Preise zum Teil enorm, vor allem für Schlachtschiffe wie die SM9 von Olympia und z. B. dem  Designclassiker Smith Corona Classic 12.

In diesem Sinne viel Freude am Leben, bis später, Ihr Jörg Baumann.

 

 

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